Martin Kretschmer, den ich kürzlich zu den Plänen der EU-Kommission interviewt habe, die Schutzdauer für Musikaufnahmen auf 95 Jahre zu verlängern (von derzeit 50), hat nun eine Stellungnahme (PDF, 248 KB) dazu verfasst.Sie antwortet im Detail auf die Behauptungen der Kommission und der Lobbyisten der Musikindustrie.Zusätzlich hat er einen offenen Brief an die Abgeordneten des EU-Parlaments geschrieben, in dem er erläutert, warum die Unterzeichner die Richtlinie zur Schutzdauerverlängerung als “eins der schlimmsten Beispiele für ein Plädoyer im Eigeninteresse” ansehen: “Die Vorgeschlagene Richtlinie wird europäische Innovation und Kreativität erheblich schädigen.”Unterzeichnet, neben Kretschmer, von einigen der prominentesten Urheberrechtlern Europas: Professor Lionel Bently und Dr Rufus Pollock, Centre for Intellectual Property & information Law (CIPIL), University of Cambridge; Professor Reto Hilty, Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, München; Professor Bernt Hugenholtz, Institute for information Law, Universität Amsterdam.Der gesamte Brief (Englisch): Read more

Es ist soweit: Wie die New York Times berichtet, hat sich Google mit dem US-Verlegerverband Association of American Publishers (AAP) und dem Autorenverband The Authors Guild eine Einigung erzielt, die es Google erlaubt, 20 Prozent der Bücher in der Buchsuche anzuzeigen, nicht mehr nur Schnipsel. Das gilt selbstverständlich erst einmal  nur für US-Bücher. Mal sehen, was in Deutschland passieren wird.

Wer gut Englisch spricht, sollte den Artikel aus dem WSJ lesen. Ein bedrückendes Beispiel für die Methoden eines Fast-Monopolisten, dessen Gründer sich gern als Wohltäter der Welt gibt. Kleiner Recherche-Tipp nebenbei: Der Artikel wird nicht vollständig angezeigt, weil er angeblich nur für Abonnenten gedacht ist. Aber wer ihn über Googles News-Suche aufruft, bekommt ihn komplett. Wie lange, weiß ich allerdings nicht.  

Wann weiß man, dass man es geschafft hat, ein einflussreicher Meinungsführer zu sein? Ein guter Indikator ist sicherlich, dass ein großer Interessenverband den Präsidentschaftskandidaten davor warnt, jemanden mit einem Posten zu beglücken. Diese zweifelhafte Ehre ist jetzt Larry Lessig zuteil geworden. In ihrem wöchentlichen Newsletter schreibt die Association of American Publishers:

Although it is unclear at this point who Senators Obama and McCain might choose, AAP believes it essential that key officials who will deal with intellectual property issues in a new administration have a full understanding of the importance of intellectual property rights for those who hold these rights and for broader U.S. economic and trade interests. AAP is concerned, for example, that based on their past academic relationship, Senator Obama might choose among his appointments a divisive figure such as Larry Lessig – a law professor and leading proponent of diminished copyright rights. The Alliance has held meetings with both the Obama and McCain campaigns to express concern for the protection of copyright. AAP and the copyright community hope to join together with the campaigns to put forth individuals who understand the value of intellectual property to U.S. economic interests. 

 via Jamie Love’s |random-bits]-Mailingliste

header_mittweida1.pngVom 10. bis 12. November findet in Mittweida das Medienforum statt. Ich bin eingeladen, über “Kreatives Schaffen in der digitalen Welt” zu reden und zu diskutieren, also dem Thema, zu dem ich im Arbeit2.0-Projekt mitarbeite.

Zur Vorstellung der Referenten wurde ich gebeten, per Mail Fragen zu beantworten. Die Antworten sollten im Blog des Medienforums veröffentlicht werden. Nun ist dort aber nur eine Zusammenfassung erschienen. Da ich mir aber ohnehin die Mühe gemacht habe, die Fragen zu beantworten, gibt’s sie eben hier komplett:

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Die neue Message – Internationale Zeitschrift für Journalismus ist frisch am Kiosk. In jeder Message gibt es eine Beilage namens “Werkstatt“, die auf besonders praxisnahe Weise journalistisches Handwerk vermitteln soll. Die aktuelle Ausgabe steht unter der Überschrift

KEINE SPUREN HINTERLASSEN!Wie Sie als Journalist Ihre Recherche und Ihre Informanten online wie offline vor dem Zugriff des Staates oder privater Detektive schützen können, zeigt Ihnen unsere aktuelle Message-Werkstatt.     

Die Texte sind gekürzte Fassungen der Beiträge des Buches “Unerkannt im Netz – Sicher kommunizieren und recherchieren im Internet” von Peter Berger, in dem auch ein Beitrag von mir erschienen ist – zum Thema “Was tun, wenn der Staatsanwalt klingelt?” Der Verlag, UVK, hat mir erlaubt, den Text im Blog zu veröffentlichen. Was ich hiermit mache. Das soll natürlich niemanden daran hindern, die neue Message und/oder das Buch zu kaufen. Denn da steht ja noch viel mehr Interessantes drin.Na dann: Was tun, wenn der Staatsanwalt klingelt? Read more

ars-logo.png Ars Technica hat einen tollen Artikel veröffentlicht, in dem Behauptung auf den Prüfstand gestellt wird,  durch Urheberrechtsverletzungen (a.k.a. “Piraterie”) gehen  750.000 US-Arbeitsplätze und 250 Milliarden US-Dollar Umsatz verloren: 750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy

Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung von gestern (11. Oktober) ist ein Interview erschienen, das ich mit Martin Kretschmer geführt habe. Es geht um die Verlängerung der Schutzfrist für Musikaufnahmen, die Musikindustrie und EU-Kommissar McCreevy fordern. Kretschmer, einer der interessantesten Urheberrechtler Europas, ist der Überzeugung, dass die Verlängerung den Künstlern nichts nützen würde, sondern fast ausschließlich den großen Musikfirmen. Da die SZ diesen Artikel nicht auf ihrer Website anbietet, obwohl er doch gerade da Interesse wecken würde, veröffentliche ich das Gespräch hier. Es ist meine Fassung, die aber nur in unwichtigen Details von der veröffentlichten abweicht:

Der Urheberrechtsschutz auf Musikaufnahmen darf nicht verlängert werden, appelliert Martin Kretschmer an EU-Binnenmarktskommissar Charlie McCreevy, der die Schutzdauer von 50 auf 95 Jahre verlängern möchte. Denn profitieren würden davon fast ausschließlich die großen Musikfirmen, nicht die Künstler. Kretschmer ist Professor am Center for Intellectual Property Policy and Management der Universität Bournemouth. Er hat Philosophie, Musik und Jura in Berlin, Wien und London studiert und bei einigen Rundfunk- und Plattenaufnahmen die Bratsche gespielt. Seinen Aufruf an die EU (PDF, 212 KB) haben 50 Urheberrechtsexperten aus ganz Europa unterzeichnet. Kretschmer stützt seine Argumentation auch auf die bisher größte Studie zum Einkommen von Autoren in Deutschland und Großbritannien (PDF, 3 MB), die er mit seinem Kollegen Philip Hardwick erstellt hat.

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dkultur.gif Philip Banse hat – mal wieder – einen Beitrag über Tauschbörsen für das Deutschlandradio gemacht und mich dazu befragt. Hier das mp3 (1,3 MB). 

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Andreas Wiesand ist wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Kulturforschung in Bonn. In den 70er Jahren brachte er die Künstlersozialkasse (KSK) mit auf den Weg. Ein sehr interessantes, leider zu kurzes Interview in der jungen Welt von Jan Eisner. Ein Auszug:

Reicht die KSK aus, oder braucht man heute noch andere Standards, etwa Mindesthonorare?

Das ist eine Debatte, die ich hier nicht wieder aufwärmen will, weil ich mir schon oft genug die Finger daran verbrannt habe. Bei der angemessenen Honorierung von geleisteter Arbeit gibt es eine Illusion derer, die immer wieder auf unser wunderbares Urheberrecht verweisen. Das Urheberrecht belohnt aber vor allem die, die ohnehin erfolgreich sind, und kann daher nicht Fragen wie die Vergütung eines Autors, Übersetzers oder Künstlers lösen. Diese Illusion sollten sich endlich mal alle abschminken.  

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