Dez
31
Required Reading: Overload
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Mein letzter Eintrag für dieses Jahr ist ein erfreulicher. Denn sehr gefreut habe ich mich über den Text Overload – Journalism’s battle for relevance in an age of too much information von Bree Nordenson, erschienen in der November/Dezember-Ausgabe des Columbia Journalism Review.
Es geht darum, wie Journalismus die Herausforderung bestehen kann, dass die LeserInnen heute von Informationen erschlagen werden, oder wie es Barry Schwartz, Professor am Swarthmore College, ausdrückt:
“The rhythm of the news cycle has changed so dramatically that what’s really been excluded is the time that it takes to think.”
Das ist alles nicht neu, aber ich habe bisher keinen Text gelesen, der zu diesem Thema so fundiert, facetten- und faktenreich, analytisch und überzeugend argumentiert. Und der mit so vielen interessanten Quellen und erhellenden Zitaten aufwarten kann. Noch eine Kostprobe gefällig?
“Real journalism is a kind of physician-patient relationship where you don’t pander to readers,” says Bob Garfield, a columnist for Advertising Age and co-host of NPR’s On the Media. “You give them some of what they want and some of what you as the doctor-journalist think they ought to have.” Unfortunately, many news outlets feel they can no longer afford to strike the right balance.
Jeder, der sich systematisch mit Online-Journalismus beschäftigt, ob als Akademiker, Entscheidungsträger oder als Journalist, sollte diesen Text gelesen haben.
Dez
15
Mal sehen, wann es Spiegel Online bemerkt (oder: das Wall Street Journal zu Netzneutralität)
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Spiegel Online berichtet, dass das Wall Street Journal berichtet, Google unterlaufe den Einsatz für ein “neutrales Netz”. Und sagt, Larry Lessig habe seine Meinung zm Thema geändert. Denn das steht auch im WSJ. Das Problem daran: Lessig hat seine Meinung nicht geändert, wie er in seinem Blog dokumentiert. Und der Artikel des WSJ wird in der Blogosphäre ordentlich auseinandergenommen (z.B. hier, hier und hier). OK, kann Christian Stöcker, der Spiegel-Online-Autor, nicht gewusst haben, als er den Artikel geschrieben hat. Aber bin gespannt zu sehen, was wir in Spiegel Online demnächst dazu lesen können.
Dez
12
Freigeist oder vogelfrei?
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Tom Schimmeck (l.) beim Freischreiber-Gründungskongress, Berlin, November 2008. Daneben die beiden Gründer und späteren Vorstandsmitglieder Kai Schächtele (m.) und Felix Zimmermann (r.). Foto: Holger Stöhrmann
Die Honorare „grenzen an Körperverletzung“, die Aufträge bleiben aus. Können freie Journalisten nur mithilfe von PR überleben? Es hat den Anschein, sagt Tom Schimmeck, aber gerade deshalb dürfen Freie nicht nur klagen, sondern müssen für bessere Bedingungen kämpfen. iRights.info dokumentiert seine Rede zur Gründung des Verbands „Freischreiber“.
Dez
10
E-Book und Urheberrecht – Interview mit Till Kreutzer bei sueddeutsche.de
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Das E-Book steht vor dem Durchbruch, doch die entscheidende Schlacht steht der Buchbranche noch bevor. Was tun, wenn kein Leser zahlen will? Der Urheberrechtsexperte (und iRights.info-Kollege) Till Kreutzer über die Konsequenzen, befragt von Ilja Braun.
Die Redaktion hat es sich leider nicht nehmen lassen, den Text unter die hirnrissige Überschrift “Kampf den Schwarzlesern” zu stellen. Warum das hirnrissig ist, erfahren geneigte LeserInnen im Interview. Aber auch bie sueddeutsche.de geht Krawall offenbar vor Kompetenz – oder der Idee, Leser nicht für dümmer zu halten, als sie sind.
Dez
8
Kunsthistorische Foschungsinstitute warnen vor zu starkem Urheberrecht
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The International Association of Research Institutes in the History of Art (RIHA) hat ein interessantes Statement zum Urheberrecht veröffentlicht, in dem auf die Gefahren hingewiesen wird, die ein zu starkes Urheberrecht dafür haben könnte, zu Themen der Kunst zu forschen und zu veröffentlichen. Ironie am Rande: zu den Unterzeichnern gehört auch das Getty Research Institute in Los Angeles. Die Bildagentur Getty Images gehört zu den umstrittensten Verwertern von (auch historischen) Fotos, die sehr aggressiv ihre Rechte durchsetzen.
RIHA Resolution on Copyright
As agreed at the RIHA General Assembly, Rome, 8 November 2008
1. Statement
“Copyright seeks to protect the rights of authorship while securing the dissemination of knowledge. It protects the form of expression of ideas, but not the ideas, information or concepts expressed (.) A regime which is unduly protective of the interest of existing rights holders may therefore inhibit, or even stifle, the development of original material.”
British Academy, Copyright and Research in the Humanities and Social Sciences, 2006
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Dez
8
Wer will ICANN-Direktoriumsmitglied werden?
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Das waren noch Zeiten: Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club wurde ICANN-Direktor – in einer absurden Internet-öffentlichen Abstimmung, bei der alle Abstimmungs-Server zusammenbrachen. Und in den USA bekamen sie es mit der Angst zu tun, jetzt übernehmen die Kommunisten das Internet…
Nun ist inzwischen viel passiert, und zum Thema Internetregulierung / ICANN / WSIS-Prozess kann man Graduiertenseminare veranstalten. Aber etwas überraschend finde ich es schon, dass wieder einmal KandidatInnen für das ICANN-Direktorium nominiert werden können, aber man hört und liest nichts davon. Oder lese ich die falschen Blogs? Über Hinweise bin ich dankbar.
Hier die Ausschreibung: Read more
Dez
7
Eigentlich hatte ich mich entschlossen, nicht darüber zu bloggen, weil es zu absurd ist und auch mit dem Thema dieses Blogs nichts zu tun hat. Aber nun muss ich doch.
Am 3. November bekam ich über ein Social Network, bei dem ich Mitglied bin, folgende Anfrage:
Hallo Herr Spielkamp,
ich bin neben meinem Beruf der gelöscht in der Freizeit als Songwriter / Produzent aktiv. Demnächst sollen meine Song im Internet auch käuflich zu erwerben sein.
Meine Frage an Sie als Journalisten ist folgende: “Könnten Sie einen Artikel über mich schreiben, in welchem ein Verweis/Link zu meinem Profil ( http://www.myspace.com/gelöscht ) enthalten ist UND diesen Artikel bei SPIEGEL ONLINE platzieren?
Was kostet der Artikel – und welche Kosten entstehen für die Platzierung?
Wenn ja, würde mich interessieren, mit welchen Kosten ich als Auftraggeber zu rechnen hätte.
Recht herzlichen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüssen,
gelöscht
Aha. Drei interessante Erkenntnisse.
- Zum einen: Jemand hält mich für den richtigen Ansprechpartner für ein solches Angebot. Ich habe drei oder vier Artikel bei Spiegel Online veröffentlicht und schreibe eher selten über Musik. Eine Musik- oder Bandkritik habe ich in meinem Leben noch nicht geschrieben.
- Zum zweiten: Es herrscht bei einigen Menschen ein sehr interessantes Verständnis von Journalismus vor. Leider nicht ungerechtfertigt, wenn man sich anschaut, wie stark und hemmungslos die Verquickungen von Journalismus und PR mitunter sind.
- Zum dritten: Ein noch unbekannter Musiker denkt, dass eine Erwähnung in Spiegel Online so viel Geld wert ist.
Wie viel? Ach so, das kommt ja erst jetzt (Trommelwirbel): Read more
Dez
4
Presserat “weitet Angebot auf journalistisch-redaktionelle Onlineangebote aus”
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Na, das freut uns ja zu hören: “Mit Beginn des kommenden Jahres können sich auch Leserinnen und Leser von Telemedien beim Deutschen Presserat über journalistisch-redaktionelle Beiträge beschweren.”
Darauf haben wir alle gewartet. Was das Verständnis des Presserats von diesen “journalistisch-redaktionelle Onlineangeboten” angeht, auf die der Rat seine Zuständigkeit ausweitet (zur Ausweitung der Bedeutungslosigkeit des Presserats immer wieder gut: Stefan Niggemeiers Blogbeitrag), erfährt man im vorletzten Absatz, in dem, wie im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag auch, die Rede von der “elektronischen Presse” ist. Wenn mir doch nur mal jemand erklären könnte, was das ist, diese elektronische Presse. Ist das eine Pressmaschine, die elektronisch gesteuert wird? Es kann sich jedenfalls nicht um jornalistische Online-Angebote handeln. Denn im Internet git es keine Presse.
Aber das dauert wohl noch eine Generation, bis das durchsickert.
Hier die komplette Pressemeldung des Presserats: Read more



