Ein tolles Video zeigt, wie Zeitungen und Nutzer 1981 die ersten Schritte hin zur Online-Nutzung gingen:

zapp

Das NDR-Medienmagazin ZAPP hat einen langen, guten Beitrag über die Situation freier Printjournalisten gemacht, den ich jetzt erst gesehen habe (es gibt keinen eingebtteten Player). Aus eigener Erfahrung kann ich alles bestätigen, worüber in dem Beitrag berichtet wird:

Freie werden derzeit wie Zitronen ausgequetscht. Aufwändige Recherchen werden nicht entsprechend honoriert, Reisekosten nicht erstattet. Viele arbeiten mit Knebelverträgen und ohne Rechte am eigenen Text.

Den gesamten Manuskript-Text gibt’s hier.

Mit einem interessanten Fall muss sich nun die Bochumer Polizei herumschlagen, wie Spiegel Online berichtet.

iRights.info-Autor Ilja Braun hat gerade in der SZ einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem er (auch) schildert, warum und wie die VG Wort Geld von Google erhalten möchte. Nun gibt Bill Rosenblatt, einer der besten Auskenner auf dem Gebiet des Digital Rights Management, einen Ausblick auf die Geschäftsmodelle, die mittels Googles Digitalisierunsstrategie möglich werden – und auch, wie Google sich durch seinen Ansatz möglicherweise selbst Konkurrenz schaffen kann.

Denn in der Einigung, die Google mit US-Autoren- und Verlegerverbänden gefunden hat, werden auch einige Geschäftsmodelle der Zukunft beschrieben (IV.7). Einige davon, etwa Zusammenfassungen von Büchern (oder sogar Zusammenstellungen verschiedener Bücher) oder maßgeschneiderte Ausdrucke, können nur funktionieren, wenn die Daten strutkuriert vorliegen, also etwa in einer XML-Struktur. Das geht zum einen nicht mit eingescannten Seiten, die nur als Bilddateien vorliegen. Aber selbst digitalem Text eine entsprechende Struktur zu geben, ist eine Mammutaufgabe, die Google sicher nicht für die Milliarden Seiten leisten kann, die derzeit gescannt werden – und die Digitaliierung soll ja auch erstmal weiter gehen, der Datenbestand also weiter wachsen.

Aber auch die Verlage sind im Moment überhaupt nicht in der Lage, diese Struktur zu liefern, obwohl sie die Daten vorliegen haben. Ich bezweifle sogar, dass es viele deutsche Verlage gibt, die dieses Prinzip überhaupt schon verstanden haben. Selbst wenn sie es haben, ist der Weg zu diesen strukturierten Daten lang und steinig. Und teuer.

Wenn allerdings die Daten in einer XML-Struktur vorliegen, gibt es im Prinzip keinen Grund, es Google allein zu überlassen, damit Geschäfte zu machen. Das können dann auch Konkurrenten. Ob es welche (deutsche?) geben wird, muss sich zeigen.

Außerdem noch der Hinweis auf den großartigen Essay zum Thema “Google und die Zukunft der Bücher” von Robert Darnton im New York Review of Books.

stickershock

In der Tat, mich schockieren die Preise immer wieder, auch wenn ich mich schon seit Jahren mit der so genannten Journal Crisis und Open Access beschäftige. Wer sich ebenfalls mal wieder schockieren lassen möchte (”The Journal of Applied Polymer Science costs $16,157. A 30% increase in price since 2002! “), der schaue sich die traurige, aber witzig gemachte Ausstellung Sticker Shock 2 (Preisschild-Schock) der Cornell University Library an. Die Ausstellung steht unter einer Creative Commons Attribution 3.0 United States License.

coverWer einmal das Vergnügen hatte, Jonathan Zittrain live zu erleben, wird dieses Ereignis wahrscheinlich nicht vergessen. “The Kid”, wie ihn Larry Lessig immer nennt (nannte?), weil das Wunderkind 20 Jahre lang immer der jüngste in allen Gruppen war, in denen er mitarbeitete, hat eine Art vorzutragen, die großes Kino mit beeindruckender analytischer Schärfe verbindet. Deutsche Akademiker, die das eine von beiden zu bieten haben (die Analyse) – und davon gibt es zum Glück doch einige -, lassen den Unterhaltungswert fast immer schmerzlich vermissen. Was ein Fehler ist, denn einen Vortrag, den ich gern verfolge, behalte ich bestimmt auch besser in Erinnerung.

Zittrain hat nun ein neues Buch geschrieben, das ich noch nicht kenne, aber ich hoffe, es ist ebenso unterhaltsam wie seine Vorträge. Tim Wu hat es für den New Republic in einem langen Artikel rezensiert. Was wunderbar ist, denn es ist eine nur noch viel zu selten geübte Praxis, Experten über andere Experten urteilen zu lassen. Auch das ein Zeichen des Verfalls der journalistischen Qualität. Tim Wu, Ko-Autor (mit Jack Goldsmith) des Buchs “Who Controls the Internet”, ist einer der klügsten Beobachter der Entwicklungen, die das Internet und dessen Regulierung betreffen. Sehr lesenswert also.

Wie die Times Online berichtet, dürfen demnächst auch an der altehrwürdigen Encyclopædia Britannica Laien mitschreiben. Allerdings will die Redaktion verhindern, dass Menschen nur etwas verändern, um zu sehen, dass es geht, sagt Britannicas Chef Jorge Cauz:

However, “voyeuristic” Wikipedia fans ought not to get too excited by the changes as all submissions will undergo a strict vetting process and may or may not make the cut, according to Britannica ’s president, Jorge Cauz.

“We’re not trying to be a wiki – that’s the last thing we want to be,” Mr Cauz told The Times.

“Britannica doesn’t offer that voyeuristic benefit. Users won’t be able to write anything they want and have it published. Each contribution will be verified and fact checked by our editors.”

Die Zeiten, in denen das bei der Wikipedia eine Rolle spielte, sind aber meiner Ansicht nach auch vorbei. Irgendwie muss er ja Kritik üben, bei einem so großen Schritt. Bin gespannt, was draus wird.

whitehouse

Wer die jüngere Geschichte des Urheberrechts verfolgt hat, dem müssten eigentlich bei dieser Nachricht die Worte fehlen: Das Weiße Haus hat verkündet, dass alle Inhalte, die von Dritten auf der Website Whitehouse.gov zur Verfügung gestellt werden, automatisch unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen (der “freiesten” Variante). Read more

Das „Gesetz zur Stärkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und ausübenden Künstlern“ von 2002 sollte die Urheber schützen, ihnen mehr Geld und eine bessere Verhandlungsposition verschaffen, etwa gegenüber Verlagen. Sechs Jahre später sind Teile davon so verändert, dass die Autoren schlechter dastehen als zuvor. Read more

Bürgerjournalismus? Find’ ich gut. Nee, im Ernst. Ich unterrichte an Journalistenschulen und für große Journalisten-Fortbildungsorganisationen, und immer erzähle ich den TeilnehmerInnen, dass sie sich damit beschäftigen müssen, dass nicht alles Gold ist, was da glänzt, sondern ganz viel Schrott, aber dass man nicht ignorant sein darf und mindestens beobachten muss, was vor sich geht. Besser noch: mitmachen. Damit man’s auch wirklich versteht.

Warum ich das erzähle? Damit ich nicht gleich wieder von gutmeinenden KollegInnen eins übergebraten bekomme, die meinen, ich sei ja nur ein Besitzstandwahrer und altmodischer Journalist, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Kann einem schließlich in der Blogosphäre jederzeit passieren…

Zum Punkt: gerade bin ich über Project:Report gestolpert, eine Zusamenarbeit von YouTube und dem Pulitzer Center, das eigentlich Pulitzer Center on Crisis Reporting heißt und mit dem gleichnamigen, renommiertesten US-Journalismuspreis außer dem Namen nichts zu tun hat. Es ist vielmehr eine Unternehmung, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, unabhängigen, internationalen Journalismus zu unterstützen,

that U.S. media organizations are increasingly less willing to undertake. The Center focuses on under-reported topics, promoting high-quality international reporting and creating platforms that reach broad and diverse audiences.

So weit, so gut, und wenn man liest, dass Geschichten, die vom Center gefördert wurden, bereits erschienen sind in

The New York Times, The Los Angeles Times, Newsweek International, The Washington Post, Christian Science Monitor, St. Louis Post-Dispatch, Boston Globe, San Francisco Chronicle, The Virginia Quarterly Review, The National Interest, Mother Jones, Smithsonian Magazine, The Washington Times, al Jazeera English, Democracy Now!, NPR, PBS, Link TV and across the internet,

dann kann man nur sagen: dolle Sache.

Dieses beiden (YouTube/Pulitzer Center) haben nun also einen Videowettbewerb für Amateure ausgeschrieben. Schön. Aber man fragt sich dann doch, wer auf die schwachsinnige Idee gekommen ist, für das Finale eines Videowettbewerbs folgende Vorgaben zu machen:

Produce a piece that empowers an underrepresented community to tell its own story to the world. First, choose a group of people that are rarely covered by the traditional media. Then let them use the camera to document their own lives, and to tell their own story. It’s up to each individual reporter to collect the footage captured by the members of this group, and to weave that material into your own reporting to create a compelling and unique story.

Eine mitreißende und einzigartige Geschichte soll also erzählt werden. Indem man die Objekte der Berichterstattung zu Subjekten macht, ihnen die Kamera in die Hand drückt, anschließend das Material zusammenschneiden darf, aber keinen Off-Kommentar verwenden (der dann hilfsweise durch Texttafeln ersetzt wird).

Für diese Vorgaben sind die Ergebnisse geradezu großartig. Aber im Vergleich mit dem, wozu Video-Journalismus in der Lage ist, sind sie vor allem: strunzlangweilig, ohne Spannung, ohne vernünftige Dramaturgie. Ich habe keins der vier Finalistenvideos, die angeklickt habe, zu Ende angeschaut, obwohl sie nicht länger als fünf Minuten sein durften.

So werden wir jedenfalls nicht erfahren, wozu Bürgerjournalismus in der Lage ist.

(Und wenn man das Gewinner-Video anschaut, fragt man sicht, wieso es überhaupt zugelassen wurde:


)

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