Ich hatte mich auch sehr geärgert und mir überlegt, etwas über den SpOn-Artikel zum Pirate-Bay-Prozess zu schreiben. Habe es aber dann gelassen, weil ich gerade nicht die Zeit habe und es eine Menge Arbeit ist.

Dankenswerter Weise hat sich Marcel Weiss von netzwerig.com diese Zeit genommen und die Arbeit gemacht. Sein Artikel ist schon fast zu lang geworden, aber er seziert die im SpOn-Artikel geäußerten Ansichten meiner Einschätzung nach sehr treffend. Nicht in allen Punkten, aber in den meisten. Und in jedem Fall hat er wesentlich bessere Argumente als SpOn.

Mich hatte natürlich – als Mit-Gründer von iRights.info – besonders die Aussage geärgert, dass die Internetnutzer selber verantwortlich sind für das lausige Urheberrecht. Da muss man schon eine ganz schön weltfremde Vorstellung von der Gesetzgebungspraxis auf diesem Feld haben, um das anzunehmen. Aber auch dazu steht genug bei netzwertig.com.

Und wie es der Zufall will, sehe ich gerade einen Blogeintrag, in dem Kanadas oberster Internetauskenner (aus juristischer Sicht), Michael Geist, von den Chancen berichtet, die die Digitalslierung des Fernsehens dort für drahtlosen Internetzugang bietet. Passend zum Interview mit Reding.

Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, im Interview mit „Das Parlament“:

Sie wollen die „Digitale Dividende“ – freie Funkfrequenzen, die entstehen, da digitales Fernsehen weniger Frequenzen braucht als analoges – zugunsten des schnellen Internets verwenden. Warum?

Da hat sich sehr viel geändert! Noch vor ein paar Monaten waren weder die „weißen Flecken“ beim Breitband noch die „Digitale Dividende“ in Deutschland ein Thema. Jetzt aber gibt es eine Diskussion. Natürlich muss der Rundfunk einen Teil der Frequenzen bekommen, für neue Kanäle und für hoch auflösendes Fernsehen. Wir brauchen aber auch den drahtlosen Zugang zum Internet, weil wir mit der Glasfasertechnik nicht in jedes Bergdorf kommen.

Glauben Sie, Deutschland wird das letzten Endes so umsetzen?

Ja. Politiker können nicht zulassen, dass es in Sachen Internet Bürger erster und zweiter Klasse gibt. Das erste Mal, dass das sehr klar und deutlich zur Sprache kam, war während der Wahlen in Bayern. Deutschland würde sich andernfalls selbst ein Bein stellen. Die Wirtschaft und die Bürger brauchen diese Anbindung. Wie aber die Verteilung der digitalen Dividende erfolgt, ist eine nationale Entscheidung.

Die wichtigen Fragen sind natürlich: wer bekommt die Frequenzen, und wie werden sie genutzt? Werden sie an den Höchstbietenden versteigert, wie einst die UMTS-Frequenzen, die Milliarden ins Steuersäckels spülten, aber im Grunde eine heimliche Steuer aufs Telefonieren bzw. den Internetzugang sind? Oder werden sie als “commons”, als Gemeingut verwaltet, wie das die Open-Spectrum-Bewegung fordert, die sich davon erhofft, dass vorhandes Frequenzspektrum allen zur Verfügung gestellt wird und somit Innovationen anspornt?

It’s Not Newspapers in Peril; It’s Their Owners lautet der Titel einer ausgezeichneten Analyse im Branchendienst Advertising Age, der auf etwas hinweist, was bei den ganzen Untergangsszenarien der US-Zeitungsbranche gern unter den Tisch fällt: die meisten Zeitungen werfen Gewinne ab. Sogar die New York Times, auf die gerade erst ein ganzseitiger Abgesang in der taz erschienen war.

Dass sie in großen Schwierigkeiten ist, ist unbestritten, und auch die Pleite der Tribune Corp. (oder jüngst der Journal Register) ist ja keine Erfindung. Aber es ist eben ein Unterschied, ob die Unternehmen in Gefahr sind, weil ihre Produkte sich nicht mehr verkaufen, oder weil sich das Managment / die Eigentümer bei Investitionsentscheidungen übernommen haben. Denn dann können immer noch neue Eigner die Unternehmen fortführen.

Unter welchen Bedingungen das passiert, ist natürlich eine andere Frage. Auch darauf gibt der AdAge-Artikel einen Hinweis, der uns aus der Montgomery-Farce bei der Berliner Zeitung vertraut sein dürfte:

Even the newspapers owned by Tribune, which entered Chapter 11 last December because it took on too much debt going private, returned a modest 5.4% operating profit in the first three quarters of last year.

Aha. 5,4 Prozent Rendite sind also mäßig. Da ist ein Blick auf andere Branchen angebracht, etwa Umsatzrenditen in der Autoindustrie:

  • Daimler 2,8 Prozent
  • Volkswagen 3,4 Prozent (die Marke, nicht der Konzern)
  • PSA Peugeot Citroen 3,4 Prozent.

Dass deutsche Zeitungshäuser nicht so stark verschuldet sind wie viele der US-Pendants, darauf hatte dankenswerter Weise auch schon die taz hingewiesen, in einem Begleittext zur NYT-Grabrede.

Ich nicht. Gudrun Gersmann, Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Paris und Vorsitzende des Unterausschusses „Elektronische Publikationen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, auch nicht.

In der FAZ vom 18. Februar antwortet sie auf den Unsinn, den Roland Reuß geäußert hatte. Und nimmt dabei auch Bezug auf die Forschungsergebnisse John Houghtons, auf die ich in meinem Beitrag vom 13. Februar ebenfalls hingewiesen hatte.

Interessant, dass die FAZ die gut informierte Replik Gersmanns im Ressort “FAZjob.NET >Beruf und Chance >Campus > Debatte” veröffentlicht hat (von der ich gar nicht weiß, ob die in der Printausgabe überhaupt erscheint), Reuß’ kenntnisfreie Polemik allerdings unter “Forschung und Lehre”. Ein Schelm, wer Strategie dahinter vermutet.

Der Regisseur Paul Schrader (American Gigolo) hat einen neuen Film gedreht. Darum soll es hier nicht gehen, obwohl die Geschichte wirklich faszinierend ist. Wen das interessiert, der liest das Interview mit Schrader in der taz.

Darin auch die zwei Antworten, die ich für das immateriblog bemerkenswert finde:

Sie haben in den Siebzigerjahren die Filmindustrie schon einmal in der Krise erlebt.

Anfang der Siebzigerjahre war die Krise eine Krise des Inhalts. Die Bürgerrechtsbewegung, Drogenkonsum, Kriegsgegner, Frauenrechte, auf all das war Hollywood nicht vorbereitet. Wir haben neue Figuren erschaffen, Antihelden, und neue Themen auf die Leinwand gebracht. Für rund fünfzehn Jahre haben wir interessante Filme gemacht. Heute erlebt die Filmindustrie wieder eine Krise, nur geht es nicht mehr um den Inhalt, sondern um die Form. Wir wissen nicht mehr, was Filme sind. Wir wissen nicht, wie man sie anschauen soll, wir wissen nicht, ob sie interaktiv sein sollen, ob sie zwei- oder dreidimensional sind, ob man sie auf einem Mobiltelefon oder auf dem Computer ansieht.

Wir befinden uns also in einer Krise. Aber die ist nicht annähernd so interessant wie eine Krise des Inhalts. Diese Krise der Form betrifft alles. Der Film, wie wir ihn kennen, ist jedenfalls an seinem Ende. Er gehört dem 20. Jahrhundert an. Und wir wissen nicht, was als Nächstes kommt. Und schlimmer noch: Keiner weiß, wie man mit den neuen Medien Einkünfte erzielen soll.

Liegt darin keine Chance?

Ich selbst wüsste nicht, wie ich heute in der Filmindustrie etwas anfangen sollte. Mein Assistent allerdings, der gerade erst seine Filmschule abgeschlossen hat und Filme für das Internet macht, kann es gar nicht abwarten, dass die gesamte Branche zusammenbricht!

So knapp zusammengefasst von einem Kenner der Branche bekommt man das selten: wir sind im Grunde mit unserem Latein am Ende, weil wir nicht wissen, wie wir noch Geld verdienen sollen. Aber viele derjenigen, die neu in die Branche kommen, sind ganz verrückt darauf, auszuprobieren, was dann kommt. Ich hoffe allerdings, dass auch in Zukunft noch Spielfilme gedreht werden können, die man “allein mit vielen anderen” im Kino anschauen kann. Aber ich bin auch schon alt.

Ich kannte Neil Gaiman noch nicht, aber das liegt ganz offensichtlich an mir. Denn er ist ein sehr bekannter Autor, der eine Menge Preise gewonnen hat: 3 Hugos, 2 Nebulas, 1 World Fantasy Award, 4 Bram Stoker Awards, 6 Locus Awards, 2 British SF Awards, 1 British Fantasy Award, 3 Geffens, 1 International Horror Guild Award and 1 Mythopoeic. So steht’s auf seiner Website.

Heute steht noch etwas auf seiner Website, und so bin ich auf Gaiman aufmerksam geworden:

Just found myself having a long argument/discussion with my agent over the Amazon Kindle text-to-speech capability. I’m going to summarise it here.
Her point of view: The Kindle reading you the book-you-just-bought infringes the copyright (or at least, the rights) to the audiobook. We’ve sold audiobook rights and print book rights as separate things. We must stop this.
My point of view: When you buy a book, you’re also buying the right to read it aloud, have it read to you by anyone, read it to your children on long car trips, record yourself reading it and send that to your girlfriend etc. This is the same kind of thing, only without the ability to do the voices properly, and no-one’s going to confuse it with an audiobook. And that any authors’ societies or publishers who are thinking of spending money on fighting a fundamentally pointless legal case would be much better off taking that money and advertising and promoting what audio books are and what’s good about them with it.
There.

Sehr schön. Oder?

research-netlabels-opener1

Patryk Galuszka, Sozialwissenschaftler aus Polen und bis Ende 2008 beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, hat eine Studie zu Netlabesl erstellt, die beim Phlow-Magazine präsentiert wird. Dort gibt es auch ein Interview mit ihm.

Galuszka hat untersucht, was Netlabels genau machen, welche Genres sie bevorzugen, unter welchen Lizenzen sie veröffentlichen und mehr.

Würde ein Gesetzesentwurf in Kraft treten, der gerade an den Rechtsausschuss des US-Repräsentantenhauses verwiesen würde, würde das die Open-Access-Strategie der National Institutes of Health (NIR), eine der ehrgeizigsten weltweit, vollständig untergraben. Eine kurze und prägnante Analsye gibt es bei Washingtonwatch.com, Hintergrundinformationen bei der Alliance for Taxpayer Access.

Knowledge Ecology International (KEI) hat offenbar wieder geheime Dokumente zum Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) in die Hände bekommen. Die Organisation “Inside U.S. Trade” (mir bisher unbekannt, ich habe auch keine Website dazu gefunden) und KEIs Jamie Love haben die Dokumente untersucht und sind der Ansicht, dass sie einen Streit zwischen den USA, der EU, Australien und Kanada in vielen Punkten zeigen. Die gesamte Analsyse gibt es auf der A2K-Mailingliste.

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