Apr
30
Open Access: Sind Forscher normale Angestellte?
Filed Under Lobbyismus, Open Access, Publizieren, Urheberrecht, Verlage, Wissenschaft, digitales Publizieren | 1 Comment
In der FAZ schreibt Volker Rieble: “Forscher sind nicht normale Angestellte”. (Es steht zu vermuten, dass die holperige Überschrift von der Redaktion stammt.) Klaus Graf hat darauf in seinem Weblog geantwortet.
Apr
29
New York Times: Frist für Google Book Settlement um vier Monate verschoben
Filed Under Bücher, Economics, GoogleBooks, Publizieren, Urheberrecht, Verlage, digitales Publizieren | Leave a Comment
Einem Bericht der NYT zufolge, hat Richter Danny Chin angeordnet, die Frist des Google Book Settlements um vier Monate zu verlängern. Autoren können nun bis zum 5. September entscheiden, ob sie dabei sein wollen. Außerdem ist damit die Einspruchsfrist für diejenigen verlängert, die Bedenken gegen die Auswirkungen des Settlements vorbringen wollen:
Separately on Tuesday, Judge Danny Chin of Federal District Court in New York, who is overseeing the settlement, postponed by four months the May 5 deadline for authors to opt out of the settlement and for other parties to oppose it or file briefs. The decision follows requests by groups of authors and their heirs, who argued that authors needed more time to review the settlement.
Update: Hier die Anordnung von Danny Chin.
Apr
29
Esst nicht bei der Mafia – Die Verleger und Google
Filed Under Bücher, Economics, GoogleBooks, Publizieren, Urheberrecht, Veranstaltungen, Verlage, digitales Publizieren | Leave a Comment
Ilja Braun war auf der Tagung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zum Google Book Settlement und hat im Perlentaucher eine sehr gute Zusammenfassung veröffentlicht. Außerdem schreibt er heute in der Welt über Google Books und “verwaiste Werke”.
Apr
29
Die “Welt”, das Internet, und der Respekt vor dem “geistigen Eigentum”
Filed Under GoogleBooks, Internet Governance, Internet-Regulierung, Journalismus, Lobbyismus, Open Access, Publizieren, Uncategorized, Urheberrecht, Verlage, digitales Publizieren | 3 Comments
In der Welt ist ein Artikel mit dem Titel Deutsche Schriftsteller wehren sich gegen Google erschienen. Schön ist, dass Autor Hendrik Werner den Unterschied zwischen Google Books und Open Access verstanden hat; da hat er den KollegInnen bei der FAZ einiges voraus. Aber auf den einen oder anderen Widerspruch möchte ich doch hinweisen. Werner schreibt:
Erst nach massiven Protesten gegen den “Scan Gang”, den zu vergüten ihm zuvor nicht eingefallen war, sah sich der beratungsresistente Dickhäuter überhaupt dazu genötigt, den Urhebern Konzessionen zu machen
Ja, das ist richtig, Google wollte nichts bezahlen. Aber nicht, weil ihnen nicht eingefallen wäre zu bezahlen, sondern weil sie der Ansicht waren, dass es sich bei dem, was sie tun, um fair use handelt. Unterstützung in dieser Ansicht hat Google dabei z.B. von Larry Lessig bekommen, einem der prominentesten US-Copyright-Experten. Dagegen haben die Verleger und Autoren geklagt, wozu sie jedes Recht haben. Haben sie gewonnen? In gewisser Weise. Hat Google Unrecht getan? Das wissen wir nicht, denn es ist zu keiner Verhandlung gekommen, sondern die Parteien haben sich verglichen. Wer Google Urheberrechtsverletzungen unterstellt, ohne das zu qualifizieren, hat den Fall nicht begriffen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ja, dass die Axel Springer AG, die die Welt herausgibt, seit einiger Zeit wegen der Geschäftsbedingungen, die sie den ach so geschätzten Urhebern, ihren freien Autoren nämlich, aufzwingt, vor Gericht steht. Und: im Gegensatz zum Google-Verfahren hat das Landgericht Berlin entschieden, dass Springer gegen das Gesetz verstoßen hat.
Weiter schreibt Werner:
Dem durch wolkige Phrasen kaum effektiv und schon gar nicht juristisch zu befehdende Raubrittertum im Internet geht es auch um andere mediale Hervorbringungen als Bücher. So werden die Online-Angebote von etlichen Tageszeitungen und periodischen Publikumszeitschriften gleichfalls in einem Maß kopiert und vermarktet, das dem Glauben an die Würde der Urheberschaft Hohn spricht. Der synoptische Nachrichtendienst “Google News” etwa verweist zwar via Link auf den jeweiligen Schöpfer einer Nachricht.
Nein, Google News verweist nicht auf den “Schöpfer einer Nachricht”. Sondern auf den Artikel im Online-Angebot von Bild.de, Welt Online, Hamburger Abendblatt und was weiß ich noch wie vielen Springer-Postillen. Und was macht Springer? Die Inhalte aus dem Netz nehmen, damit Google nicht weiter auf sie verweisen kann? Oder Google bitten, Welt, Bild und alle anderen Springer-Online-Angebote aus dem News-Angebot zu streichen (was Google augenblicklich tun würde)? Schön bescheuert wären sie. Im Gegenteil: Welt Online unterhält eins der größten und cleversten Suchmaschinen-Optimierungsteams der Branche, das keine andere Aufgabe hat, als Artikel für Suchmachinen besser auffindbar zu machen. Mit Mitteln, die in der Branche nicht immer auf Gegenliebe stoßen.
Nun fordert Springer schon länger ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage, ohne aber verstanden zu haben, was sie da fordern. Und unser um die Urheber besorgter Welt-Autor Werner schreibt:
In den Augen weniger medienkompetenter Nutzer indes dürften die spezifischen Quellenangaben zu einem einzigen, übermächtigen Nachrichtengenerator namens Google verschmelzen. Darunter leiden vor allem Verlagshäuser, die von ihnen erarbeitete journalistische Inhalte dem Internet zur kostenlosen Nutzung einspeisen. Eine gesetzliche Copyright-Regelung, die den Produzenten von Online-Angeboten Gerechtigkeit widerfahren ließe, steht auch in diesem tagesaktuellen Segment aus.
Zum ersten Satz hat “Sandra” bereits einen schönen Kommentar geschrieben:
Google News verweist keineswegs nur “via Link auf den Urheber”, es verweist auf den Artikel selbt. Und selbst der dümmste Internetnutzer begreift das Prinzip.
Naja, vielleicht ja nur die Kollegen der Printausgabe nicht. Zum zweiten Teil: wie leiden denn die Verlagshäuser, wenn sie kostenlos Inhalte veröffentlichen? Dadurch, dass sie keine Verkaufserlöse erzielen? Dann würde ich raten, nicht kostenlos zu veröffentlichen. Denn Artikel kostenlos zu veröffentlichen und dann Geld mit dem Verkauf der Artikel zu verdienen ist – nun ja, wie soll ich mich ausdrücken? – unlogisch.
Bliebe also die Werbung, auf die Springer massiv setzt, sonst würde der Verlag nicht so viel Geld in Suchmaschinenoptimierung investieren (s. oben). Und wie soll da eine “gesetzliche Copyright-Regelung, die den Produzenten von Online-Angeboten Gerechtigkeit widerfahren ließe”, helfen? Ich weiß es nicht. (Robin Meyer-Lucht weiß es auch nicht.) Ich weiß nur eins: wenn mit den Produzenten die Autoren gemeint sein sollen, dann kann es ihnen nicht helfen: denn denen werden per Geschäftsbedingung die Online-Rechte abgezwungen. Wer nicht unterschreibt, bekommt keine Aufträge.
So sieht der Respekt vor dem geistigen Eigentum bei Springer aus. Ganz ehrlich: mir wird schlecht bei so viel Heuchelei.
Apr
29
Fritz Effenberger: Geistiges Eigentum als Heidelberger Postkartenidylle
Filed Under GoogleBooks, Internet Governance, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Publizieren, Urheberrecht, digitales Publizieren | Leave a Comment
Online-Urgestein Fritz Effenberger hat einen schönen Artikel in telepolis veröffentlicht, inkl. “Augsburger Appell”:
Mit Holzschuhen gegen Suchmaschinen: Ein Appell gegen die Technikgeschichte und ihren Lauf. Und eine Kritik dazu
Apr
28
Stephan Russ-Mohl: Die Krise führt zum Tunnelblick
Filed Under Economics, Journalismus, Publizieren, Verlage | 8 Comments
Journalismusforscher Stephan Russ-Mohl hat in der NZZ sehr lesenwert den Jahresbericht zum Zustand der Medien des “Project for Excellence in Journalism” ausgewertet. Ist zwar schon einen Monat alt, aber ich bin erst jetzt dazu gekommen, den Artikel zu lesen. Russ-Mohl schreibt:
Die ökonomische Krise der Tagespresse verengt das Informationsangebot. Dies zeigt eine amerikanische Studie. Danach finden in den USA immer weniger Themen die Aufmerksamkeit der Medien.
Die Gründe dafür:
Die Branche befinde sich nahezu «im freien Fall». Vielleicht würden sich ja «noch ein paar Fallschirme öffnen», aber im dritten Jahr in Folge sei kein Boden in Sicht. Um 23 Prozent sind die Erträge aus dem Anzeigengeschäft in den letzten beiden Jahren eingebrochen, etwa ein Fünftel aller Journalisten, die 2001 noch in einer Redaktion gearbeitet haben, sind entlassen – und das schwierigste Jahr steht mit 2009 wohl noch bevor.
Und dann kommt der Absatz, den sich die deutsche Zeitungsbranche hinter die Ohren, auf Bildschirmschoner, Yellow Stickies, Kühlschrankmagneten und Kaffeetassen schreiben sollte:
Als «noch kaum wahrgenommene, aber wohl wichtigste Veränderung» registriert der Report, dass das Publikum inzwischen beschleunigt ins Internet abwandert und sich auch dort mit Nachrichten versorgt. Allein im letzten Jahr habe der Verkehr bei den 50 wichtigsten Websites, die Nachrichten anbieten, um 27 Prozent zugenommen. Dies vergrössere den Druck auf die Branche, «sich neu zu erfinden» – denn bis heute werden die meisten News-Websites von ihren Mutterhäusern aus Print-Erlösen querfinanziert. Die Hoffnungen, sie künftig aus steigenden Online-Werbeeinnahmen profitabel machen zu können, erweisen sich zusehends als Fata Morgana.
Wenn ich daran denke, dass erst kürzlich beim Branchenhearing Pressemarkt des BMWi ein Vertreter eines Verlegerverbands sinngemäß sagte: “Print wird auf lange Sicht unser Primärprodukt sein, anderes, wie etwa Online-Angebote, davon abgeleitet”, kann ich allerdings nur sagen: dann gute Nacht.
Allerdings will ich nicht verschweigen, dass viele der Anwesenden sich anders geäußert haben und zumindest behaupten zu erkennen, dass sie sich “neu erfinden müssen”. Ob es stimmt, wird man sehen; derzeit sind nicht viele Angebote bekannt, die für eine Zukunft ohne Erlöse aus Printanzeigen gerüstet sind.
Häme ist natürlich nicht angebracht. Denn die große Gefahr ist ja eben, dass das Geld, das auf Dauer für Journalismus zur Verfügung steht, der sich als vierte Gewalt versteht, weniger wird. Vielleicht wird es nie wieder so viele Journalisten geben können wie zu den “goldenen Zeiten”, in denen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage weltweit Traumrenditen erwirtschaftet haben. Nun könnte man argumentieren, dass ja genau diese Traumrenditen schrumpfen können, und guter Journalismus wäre immer noch bezahlbar. Stimmt. Nur ist das in einem System, in dem die Investoren den höchsten Profitraten zustreben, eben sehr unwahrscheinlich. Wenn sich auf Dauer mit Journalismus wenig Geld verdienen lässt, wird es auch weniger Journalismus geben – und damit weniger Journalistinnen und Journalisten.
Zudem denke ich nicht nur an die Verlage. Auch Journalisten müssen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Journalisten, die heute davon ausgehen, in den kommenden 20 Jahre ihren Job so weiter machen zu können wie bisher, geben sich einer trügerischen Hoffnung hin. Ich sage das mit Blick auf die inzwischen zehn Jahre, in denen ich in Journalistenschulen und großen Medienhäusern Journalisten mit aus- und -fortgebildet habe. Wenn ich daran denke, wie wenig neugierig vor allem viele Berufsanfänger beim Thema Internet sind, dann sehe ich für einige von ihnen schwarz. Vor allem in einem schrumpfenden Markt.

Apr
28
Google beantragt Fristverlängerung für Book Settlement
Filed Under Bücher, E-Books, GoogleBooks, Publizieren, Urheberrecht, Verlage, digitales Publizieren | Leave a Comment
Eigentlich sollte die Frist, bis zu der Rechteinhaber entscheiden können, ob sie aus dem Google-Programm aussteigen wollen, am 5. Mai auslaufen. Nun hat Google beantragt, die Frist um 60 Tage zu verlängern. Die US-Autoren- und -Verlegerverbände sollen nach Angaben von Alexander Macgillivray, Googles Associate General Counsel for Products and Intellectual Property, ebenfalls die Verlängerung beim Gericht beantragt haben. Welche Auswirkungen das auf den Gerichtstermin Anfang Juni haben könnte, ist mir unklar. Gut ist es in jedem Fall, denn wie schon sieben Autoren vergangene Woche in einem Brief festgestellt haben: “First, two months’ time is insufficient to understand the implications of a settlement of this scope [...] Second, substantial defects in notice of the settlement undermine authors’ ability to assess their rights; and third, more time is required simply to understand the complex terms of the agreement.” via
Apr
28
Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft”: Für ein vorwärts, nicht rückwärts gerichtetes Urheberrecht
Filed Under Internet Governance, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Open Access, Publizieren, Urheberrecht, Wissenschaft | Leave a Comment
Das Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft” hat erneut Stellung zum “Heidelberger Appell” genommen. Hier der Wortlaut:
Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft hat mit Bedauern und Sorge zur Kenntnis genommen, dass die für die Heidelberger Erklärung Verantwortlichen (Referenz dazu am Ende) ihre verantwortungslose Kampagne fortsetzen und sich nun auch direkt an die Bundeskanzlerin gewandt haben, damit diese sich für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte (so im Titel der Erklärung) einsetzen möge.
Ein solcher Appell wäre an sich sicher in Ordnung, wenn nicht, so der Sprecher des Aktionsbündnisses Prof. Rainer Kuhlen, in der Heidelberger Erklärung ein rückwärts gerichtetes und pur individualistisches Verständnis von Freiheit und Rechten deutlich würde, das an den rechts-konservativen Bund Freiheit der Wissenschaft aus den 70er Jahren erinnert.
Das Aktionsbündnis hat sich durch diesen Vorstoß veranlasst gesehen, sich ebenfalls an die Bundeskanzlerin zu wenden, damit die Heidelberger Erklärung nicht weiteren politischen Schaden für Bildung und Wissenschaft anrichtet. Das Aktionsbündnis hat dabei auch die Kanzlerin daran erinnert, dass sich die Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung das Ziel eines wissenschaftsfreundlichen Urheberrechts vorgenommen hat. Das ist bislang leider nicht erreicht.
Hintergrund
Apr
26
Wie die FAZ Pamela Samuelson verwurstet. Oder: Reim dich, oder ich schlag dich.
Filed Under Creative Commons, E-Books, Open Access, Publizieren, Urheberrecht, Verlage, digitales Publizieren | 4 Comments
Vor einigen Tagen habe ich auf Pamela Samuelsons Aufsatz The Dead Souls of the Google Booksearch Settlement hier im immateriblog hingewiesen. Das hat der Perlentaucher weitergegeben, und so ist es wohl bei der FAZ gelandet, des Perlentauchers liebster Feindin. Naja, so lange die FAZ mit ihren Klagen keinen Erfolg hat, dürfen die RedakteurInnen dort ihn ja auch gern weiter als Quelle nutzen.
Schlimm ist allerdings, was sie daraus machen. Thomas Thiel referiert wenigstens einfach Samuelsons wichtigste These:
Die vorgesehene Vereinbarung, resümiert Samuelson, würde Google und dieser Gesellschaft nur das Monopol auf die größte digitale Bibliothek der Welt sichern. Und es beiden ermöglichen, die Bedingungen zu bestimmen, unter denen „verwaiste Bücher“ in digitaler Form publiziert werden können.
So weit, so richtig. Und so einseitig.
Wirklich los geht’s dann bei Sandra Kegel, die unter dem herrlich originellen Titel Unter Piraten (man hört den Friedberger Oberstudienrat entsetzt aufstöhnen) ihr apokalyptisches Wasser nicht halten kann:
Auch die digitalen Raubdrucker schöpfen bereits erbrachte Leistung ab. Wollen wir das Urheberrecht wirklich dem Gratis-für-alle-Gedanken opfern und damit riskieren, dass diese geistferne Zeit noch ärmer wird? Wollen wir die Kreativen ihrem Schicksal überlassen und die bewährten Versorgungswege von Kultur, Information und Wissen aufgeben? Es wäre ein Schritt zurück in die vormoderne Vergangenheit, die nur Zyniker oder Naive herbeisehnen können, nach dem Motto: Künstlertum war schon immer mit Opfern verbunden.
Ist es eigentlich Zufall, dass man von den Leuten, die sich derzeit ein Urteil erlauben über diese ihnen fremde Welt des Digitalen, die das Urheberrecht, ach, vielmehr gleich unsere Verfassung, nein, auch das wäre tief gestapelt: die unsere Zukunft bedroht! – dass man also von den meisten dieser Leute in dem Zusammenhang noch nie etwas gehört hat? Von Kegel jedenfalls ist bekannt, dass sie sich “Innerhalb des Feuilletons [...] für das Thema Familie” interessiert. Gut zu wissen.
Will ich Menschen verbieten, über ein Thema zu berichten, mit dem sie sich nicht schon Jahre beschäftigt haben? Nein. Aber es ist schon erstaunlich, mit welcher Verbissenheit die FAZ ihre Leser manipuliert, indem entweder nur “eine Seite” zur Sprache kommt (Roland Reuß und Konsorten), oder es einfach verschwiegen wird, wenn jemand auch die andere Seite beleuchtet.
Pamela Samuelson, eine der prominentesten Urheberrechtlerinnen der USA und weltweit, ist bekannt als Kämpferin gegen den Urheberrechts-Maximalismus. Dagegen, Schutzrechte im Sinne der Verwerter (der Buch-, Zeitungs- und Musikverlage, der Filmfirmen und der Softwaregiganten) immer und immer weiter auszuweiten. Sie hat sich gegen den berüchtigten Sonny Bono Copyright Term Extension Act ausgesprochen, besser bekannt als Mickey Mouse Protection Act, der keinem anderen Zweck dient, als die Profite der Unterhaltungsindustrie auf Kosten der Allgemeinheit zu sichern und zu steigern. Und sie spricht sich auch in ihrem Aufsatz gegen diese Strategien, gegen diese Akteure aus:
As galling as it is to realize that the BRR and its registered authors and publishers will derive income from millions of books they didn’t write or publish, it is even more galling that copyright maximalists will almost certain dominate the BRR governing board.
“So ärgerlich es ist, dass die BBR (Book Rights Registry) und die registrierten Autoren Einkommen erzielen aus Millionen Büchern, die sie nicht geschrieben oder herausgegeben haben, so ist es doch noch viel ärgerlicher, dass Copyright-Maximalisten das Direktorium der BBR beherrschen werden.” Das schreibt Samuelson.
Und warum? Weil sich der US-Autorenverband alles unternimmt, um die Vorlesefunktion des “Kindle” eBook-Readers zu verbieten, was vor allem Sehbehinderte auf die Barrikaden getrieben hat, und weil der US-Verlegerverband den freien Zugang zu wissenschaftlichen Werken (Open Access) bekämpft:
(The Authors Guild president, for example, recently complained about the “read aloud” feature of Kindle, denoting it a “swindle,” and a copyright infringement. The AAP is supporting legislation to forbid the National Institutes of Health from promoting “open access” policies for articles written under NIH grants. And of course, the Authors Guild and AAP characterized Google as a thief for scanning books from research libraries.)
Und daher – mit Vertretern einer derartigen Auffassung - die Chancen schwinden, dass z.B. ”verwaiste Werke” unter Creative-Commons-Lizenzen für jeden frei (ja, auch kostenfrei) zur Verfügung stehen könnten:
If asked, the authors of orphan books in major research libraries might well prefer for their books to be available under Creative Commons licenses or put in the public domain so that fellow researchers could have greater access to them. The BRR will have an institutional bias against encouraging this or considering what terms of access most authors of books in the corpus would want.
Erfährt man von all dem etwas in der FAZ? Selbstverständlich nicht. Im Gegenteil: Open Access, Creative Commons – sind das nicht diese spinnerten und gefährlichen Ideen, die dazu beitragen, dass die “bewährten Versorgungswege von Kultur, Information und Wissen” aufgegeben und die “Kreativen ihrem Schicksal überlassen” werden? Ist das nicht gerade das, wogegen sich der “Heidelberger Appell” wendet und was unser aller Zukunft in Gefahr bringt? Und Frau Samuelson hat nicht nur Verständnis dafür, sondern findet diese Ideen auch noch so gut, dass sie sich darum sorgt, dass sie von Copyright-Maximalisten und dem Google Book Settlement unterdrückt werden könnten? Na, dann verschweigen wir den Teil lieber. Wir sind die FAZ. Die Zeiten sind wirr genug. Unsere Leser erwarten, dass wir ihnen Orientierung bieten. Das tun wir. Und wenn wir noch zehn Artikel dieser Art veröffentlichen - oder besser noch gleich solche von Roland Reuß.
(Mein “educated guess”: Kegel weiß weder, was Open Access ist, noch kennt sie Creative Commons).
Apr
25
Der Kampf der Kulturen
Filed Under Bücher, Creative Commons, DRM, Datenschutz, Internet Governance, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Open Access, Publizieren, Urheberrecht, digitales Publizieren | 1 Comment
Ich war am Donnerstag sehr enttäuscht zu sehen, dass die ZEIT schon wieder Susanne Gaschke das Wort erteilt hat, um über “das Internet” zu berichten und den Lesern zu erklären, warum Pirate Bay, Google Books und das ganze Internet so eine große Gefahr darstellt, die wir bekämpfen müssen – noch dazu auf der Titelseite. Ich hatte keine Zeit, etwas darüber zu schreiben, aber wie ich jetzt sehe, hat es Ralf Bendrath getan. Danke dafür.


