iPhone

Ich habe das iPhone (noch) nicht abgeschafft, aber mich oft genug darüber aufgeregt, welche Art von autoritären, kundenfeindlichen und unverschämten Bedingungen damit verbunden sind – und das, obwohl ich ein SIMlock-freies Telefon mit E-Plus nutze. So kann ich etwa Skype auf dem iPhone nicht mit UMTS nutzen, obwohl E-Plus das erlauben würde (wenn ich das iPhone als Modem nutze, kann ich über den PC skypen), denn die Skype-Software muss verkrüppelt werden, damit sie in den App-Store darf.

Und was Arrington beschreibt (auf Englisch), hat auch gar nichts mit der Situation oder den Diensten zu tun, die man in Deutschland derzeit nutzen kann. Aber es zeigt die Haltung der Anbieter, die auf ihre Kunden und deren Wünsche pfeifen (in dem Fall Apple und AT&T, aber T-Mobile ist ja auch nicht besser, s. die wirklich unglaubliche Extra-Gebühr fürs Tethering).

Das Problem ist ja, dass in allen Fällen, in denen man kein physisches Produkt kauft, sondern einen Vertrag über die Erfüllung einer Dienstleistung eingeht, die Anbieter dieser Dienstleistung die Bedingungen dafür ändern können. Ob das legal ist, bezweifeln z.B. die Verbraucherzentralen in vielen Fällen. Aber auch Amazon ist ein hervorragendes Beispiel für diese unsägliche Politik. Dort wird nicht nur die Sprachausgabe für den Kindle abgeschaltet (Amazon, der Kindle und die US-Verleger: Der Papst will nicht zu den Blinden sprechen (lassen)), sondern Amazon will auch verhindern, dass “fremde” E-Books auf den Kindle kommen und nimmt sich mitunter gar das Recht heraus, Nutzern den eigenen Kindle abzuschalten.

Das alles hat natürlich auch einen Vorteil: es bietet Chancen für Anbieter, die ihren Kunden ihre Freiheit lassen. Aber die Kunden müssen das auch wollen. Ich hoffe jedenfalls, bald eine Alternative zum iPhone zu finden. Dann wird es bei mir auch ausgemustert.

Foto von oskay unter CC-by

sind Leiter des Wirtschaftsressorts des Firmenwagenfahrer-Magazins Spiegel und haben online in Ihrer launigen Kolumne »Weltkrise privat« erklärt, wie der Kapitalismus nicht nur harmlose Familienunternehmen dahinmeuchelt, sondern auch die Berufsgruppe der Printjournalisten hinwegzufegen beabsichtigt. »Wir Printjournalisten gelten Skeptikern als die Bergbau-Kumpels des 21. Jahrhunderts, nur ohne Staublunge.«

Sie, Printjournalist Thomas Tuma, sind für uns Skeptiker tatsächlich jemand ohne Staublunge, allerdings auch ohne Schwielen an den Händen und Mumm in den Knochen; nämlich niemand, dem jederzeit der Arbeitsplatz um die Ohren fliegen kann und der im Dreischichtbetrieb für einen Spaßlohn malocht. Mit ehrlicher Arbeit haben Sie nichts zu tun. Sie sind nicht Opfer des Kapitalismus und werden es nie werden, sondern gehören in Ihrer Hamburger Hochdeckenwohnung zu den Schreibtischtätern und Laberbacken, denen man eine zünftige »Diskussion« in einer ehemaligen Zechenkneipe in z.B. Duisburg-Walsum wünscht.

Alles klar?

Mit proletarischem Gruß: Titanic

((c) Titanic, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

titanic1

doc-imageIm März hatte das Internationale Institut für Journalismus von InWEnt die Konferenz Election Times: Harnessing the power of new media veranstaltet. Nancy Scola und Harry Dugmore haben zwei sehr interessante Keynote Speeches gehalten, anschließend habe ich die Diskussionsrunde moderiert.  Nun ist die 52 Seiten starke Dokumentation (PDF, 1,1 MB) erschienen. Sehr gut gemacht, mit den Keynotes von Scola (From ballot casters to collaborators) und Dugmore (Africa rules okay – a short message on African elections and new media) und einem Transkript derDiskussion.

Unterhalten sich zwei Juristen. Bei solch einem ersten Satz werden wohl die meisten einen Witz erwarten. Aber im Gegenteil: wenn Doug Lichtman und Ken Richieri sich unterhalten, ist das zwar nicht witzig, aber höchst aufschlussreich. Lichtman ist Professor an der University of California, Los Angeles, Richieri Syndikus der New York Times Company. Im Januar standen sie noch gegeneinander vor Gericht, nun haben sie sich in einem einstündigen Podcast darüber unterhalten, wie das denn nun mit dem Urheberrecht und dem Internet funktioniert. Zachary M. Seward vom Nieman Journalism Lab der Harvard University hat das Gespräch ausgewertet und ein Transkript des interessantesten Ausschnitts erstellt.

Was Lichtman und Richieri sagen, ist nicht eins zu eins auf die Debatte in Deutschland zu übertragen, da die rechtlichen Regelungen sich nun einmal stark unterscheiden zwischen verschiedenen Rechtssystemen. Dennoch gibt es Etliches, was auch für deutsche Leser (ob Verleger, Juristen oder Journalisten) interessant ist. Wie zum Beispiel das hier:

Richieri: Lassen Sie uns doch einfach mit dem Thema Verlinkungen anfangen. Es fällt mir schwer, das als Urheberrechtsverstoß zu sehen. Links sind das, was das Web zum Web macht. Ohne Links wäre das Web nicht das Web. Mit Links kommt man von einem Ort zum anderen. Wenn Produzenten von Inhalten sich beschweren – oft, wenn Sie mich fragen -, wenn sie sich über die Auswirkungen von Links auf das Urheberrecht beschweren, dann sagen sie eigentlich: “Ich kann nicht so viel mit dem Traffic verdienen, wie ich gern würde.” Das ist eigentlich die Beschwerde, die dem zugrunde liegt. Wenn es wirklich ums Urheberrecht ginge, würden sie dagen sagen: “Weil es einen Link gibt, kommen die Leute nicht auf meine Seite. Sie lesen bloß den Link und das reicht ihnen.” Aber das sagen sie nicht. Deshalb glaube ich nicht, dass man das einfach gleichsetzen kann. (Meine Übersetzung; alle, die Englisch können, sollten unbedingt auch den Rest lesen.)

Ist schon lange her, dass man so etwas Schlaues von einem Verlagsvertreter gehört hat (selbst in den USA, noch nie in Deutschland). Stattdessen machen sie sich zum Büttel ihrer (vermeintlich) durchgedrehten Verleger, die es ja auch (fast) alle besser wissen, aber nach dem Prinzip verfahren: wenn man den Mist nur lange genug wiederholt, wird er schon irgendwann geglaubt. Statt sich zu überlegen, wie man es besser machen kann.

Für mich ein weitere Beleg dafür, dass die New York Times zu einem der wenigen Orte gehört, in dem wichtigen Fragen offen diskutiert werden. Und dafür, wie billig zum Beispiel der Verriss bei Jon Stewart war (schreibe offline, habe den Link gerade nicht parat), der im Netz gehypt wird wie nichts Gutes, und den ich für komplett überbewertet halte. Wenn die Hälfte der Menschen, die im Journalismus arbeiten, nur die Hälfte der Ahnung der Leute bei der New York Times hätten, würden die Debatten nicht so hirntot verlaufen, wie sie es tun. Schade, dass sie dort so viele andere Fehlentscheidungen getroffen haben, die ihr Unternehmen viel stärker gefährden, als es das Internet tut.

Mobile reporting can be a frustrating experience. The worst part is lack of connectivity. G3 is just not fast enough to make uploading video files and even audio files a worthwhile experience, and when travelling the signal is to unstable to do anything other than checking email (with a client, no web mail) and Twittering.

Technical difficulties add to the problem: my – very interesting – short Audioboo interview with Thomas H. Kaspar, Executive Editor for Community at Chip, a community with 1.5 million members and outlets in more than 10 European countries and India, vanished from the face of the earth without the option to make a backup before publication. And the Qik videos my colleague Van from Vietnam supposedly live streamed this morning during our visit to jetzt.de never showed up on the website. I have no idea where they went.

During the session with Jochen the mic didn’t work but checking the sound was impossible because the phones outlet refused to provide anything but noise. So I found out afterwards that we cannot use it. The Zoom recorder switched itself off towards the end of the session with Thomas and right at the beginning of the session with Dirk von Gehlen at jetzt.de, even though I had just replaced the batteries. Luckily, Lauben noticed and let me know immediately. And finally, when editing in Audacity, the project crashed and ate up all the work in such a sophisticated a way it even made it impossible to recover the saved sessions.

So that’s probably one of the reasons why Twitter has become so successful: very short messages, very reliable (ok, when their server’s up) and just very fast. So have a peek at the IIJ’s Twitter feed (also in the right hand column on this site) and try to derive whether we had a good time or not.

Ok, I’ll give it away: we had a very good time. Talking to Thomas Kaspar saved every participant a couple of thousand Euros in consulting fees (have a look at a presentation very similar to the one he gave us, also available as a combined presentation/podcast but watch out, it’s big), and Dirk amplified Thomas’s words by giving us some good examples of the idea that journalism nowadays needs to be a conversation rather than a lecture. So some very nice discussions for us, but not to lot to show.

Beim ersten Termin unserer Study Tour zum Thema Online-Journalismus waren wir zu Gast bei focus.de. Jochen Wegner hat sich zwei Stunden Zeit genommen, mit uns zu sprechen, und ich hoffe, bald wird es eine Audio-Version davon online geben. Zum Schluss hatte ich noch die Gelegenheit, ihn kurz zum focus.de-Projekt nachrichten.de (noch nicht online) zu befragen. Nicht gerade ein investigatives Interview, aber mehr war unter den Umständen nicht zu machen. Interessant ist es trotzdem.

Warum die Steuerung abgeschitten ist, weiß ich nicht. Aber drauklicken geht ja.

Ankunft in München

Ankunft in München

Wer sich über die seltsamen Tweets wundert, die derzeit ab und an über meinen Account kommen: seit heute bin ich mit 15 Journalisten aus 11 Entwicklungsländern unterwegs durch Deutschland. Was genau wir vorhaben, steht unten auf Englisch erklärt. Ich unterrichte derzeit wieder beim Internationalen Institut für Journalismus (IIJ) den Kurs „Multimedia and Online Journalism“, der neun Wochen dauert und auch diese Exkursion mit einschließt. Obwohl ich den Kurs bereits zum dritten Mal unterrichte, ist es meine erste Exkursion, da wir immer zwei Dozenten sind und in der Vergangenheit die Kollegen die Study Tour geleitet haben.

Ich kann nicht verhehlen, dass ich recht stolz auf das Programm bin, das uns zu acht interessanten Online-Redaktionen bringt, wo wir mit den verantwortlichen RedakteurInnen sprechen. Ich denke, dass das eine oder andere auch für meine deutschen Follower interessant sein könnte. Daher habe ich unter Tweetdeck, das ja mehrere Accounts erlaubt, auch den IIJ-Account eingerichtet und werde das meiste, was ich twittere, auf beide Accounts schicken. Wer sich für mehr Informationen von der Tour interessiert, der sollte Follower von IIJ werden, denn die Tweets, die andere vom IIJ-Account aus schreiben, kommen natürlich nicht über meinen spielkamp-Account.

Hier das Programm:

Montag

  • Vormittag: Focus.de; Gesprächspartner: Jochen Wegner, Chefredakteur
  • Nachmittag: Chip.eu; Gesprächspartner: Thomas Kaspar, Chefredakteur Community

Dienstag

  • Vormittag: jetzt.de, Gesprächspartner: Dirk von Gehlen, Chefredakteur
  • Nachmittag: Rese nach Köln

Mittwoch

  • Vormittag: Deutsche Welle, Englisches Programm; Gesprächspartnerin: Kate Bowen, Redakteurin
  • Nachmittag: KStA Online; Gesprächspartner: Tobias Kaufmann, stellvertretender Chefredakteur Online

Donnerstag

  • Vormittag: DerWesten; Gesprächspartnerin: Katrin Scheib, Chefin vom Dienst
  • Nachmittag: Reise nach Hamburg

Freitag

  • Vormittag: Hamburger Abendblatt; Gesprächspartner: Claus Strunz, Chefredakteur
  • Nachmittag: Einestages (Spiegel Online); Gesprächspartner: Michail Hengstenberg, Chefredakteur

Samstag

  • Sightseeing in Hamburg, Rückfahrt nach Berlin

Und hier noch die Details zu Technik und Organisation auf English:

This being an online / multimedia course it should go without saying that we should try to do multimedia reporting. But this becomes more difficult the closer you look at it. Most of the participants don’t have laptops, and even if they have: free broadband connections are hard to come buy. We have two Nokia N82 mobile phones with t-mobile daily data flats (5 Euros per day). Twittering from a mobile like this is a pain in the butt if you don’t use a Bluetooth keyboard – which is impossible to use without a desk. So twittering will probably be limited to our Q&A sessions with the editors where we’ll set up a Bluetooth keyboard. We have assigned tweeters for each session and I’ll try to instruct them to not forget to indicate who’s tweeting (they are …).

Technonolgywise it’s been a frustrating experience so far. I succeeded to establish a G3 Internet connection on my MacBook with my SonyEricsson K610i and E-Plus as my service provider long ago, and tethering with the iPhone was a piece of cake once I had iPhone OS3 installed (also with E-Plus) and discovered this marvellous Austrian iPhone site. But I can neither get the N82 to work with my Mac nor the Sony Ericsson with t-mobile as the service provider. I hate tech when it comes to this. Plug and pray is a much too friendly expression for this. It plainly sucks.

So what does that mean for our endeavours on the road? I don’t know yet. It might mean we’ll only be able to post some tweets and pictures and a Qik video once in a while – that’s it. That would be a disappointment considering that I am carrying a Canon HD camera (HF10), a Flip camera and a Zoom audio recorder. But if there’s no proper access there’s no online publishing. I might post some AudioBoos as well and try to set up notifications via Twitter.

For those of you who still would like to follow what little reporting we’ll do, make sure to follow IIJ on twitter, IIJTrainer on Qik, and matthias on AudioBoo. I’ll try to update these channels as often and timely as possible. But don’t expect too much.

Tomorrow we hope for a sunny day in this dreadful summer that’s way to cold and rainy even for the taste of us Germans. We are planning to got to the mountains, visit a traditional Bavarian farm and take the cable car up to the Hochrieshütte to have a beer on the Hochries peak at  1569 meters ( above sea level.

Ohne Worte.

Vodafone-Werbung “Heroes” Satire from Generation Upload on Vimeo.

klicksafe-largeGerade in Zeiten des Web 2.0, wo jeder Inhalte ins Internet einstellen und „mitmachen“ kann, muss betont werden, dass das Internet kein Rechtsfreier Raum ist und nicht alles, was geht, auch erlaubt ist. Gemeinsam stellen iRights.info und klicksafe deshalb ab heute im Rahmen einer Themenreihe Informationen zu rechtlichen Fragen im Netz zur Verfügung.

Ziel der gemeinsamen Themenreihe von iRights.info und klicksafe ist es, aktuelle medienbezogene Themen aus rechtlicher Sicht zu beleuchten. Aus Sicht der Internetnutzer relevante Themenschwerpunkte sollen über die Rechtslage aufklären, Hinweise auf den Umgang mit dem Medium Internet geben und so das Rechtsbewusstsein und die Medienkompetenz der Nutzer stärken. Neben Fragen wie „Darf man Fotos anderer Personen auf sein Social-Network-Profil hochladen?“ oder „Wie zitiere ich richtig im Blog?“ werden auch Tipps gegeben, wo „freie Inhalte“ im Netz zu finden sind.

Aktueller Schwerpunkt: Urheber- und Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken
In Sozialen Netzwerken wie schülerVZ, Facebook oder wer-kennt-wen werden alle Inhalte wie Nachrichten, Texte, Fotos, Videos oder Musikdateien von den Nutzern selbst eingestellt. Die Profilinhaber werden dadurch – meist ohne sich darüber bewusst zu sein – auch rechtlich für ihr Handeln verantwortlich. Vor allem kommt es immer wieder zu Verstößen gegen das Persönlichkeits- und gegen das Urheberrecht. Was es beim Füllen der Profile rechtlich zu beachten gibt, was man tun kann, wenn man unerwünschte Bilder von sich im Netz findet oder wie man auf eine Abmahnung reagiert erfahren Sie auf unseren neu eingerichteten Informationsseiten.

Diese Frage zu stellen, kommt vielen in der aufgeheizten Diskussion über den “Raub geistigen Eigentums” (oder: wie verpacke ich zwei unsinnige Gedanken in einen Ausdruck?), der angeblich vornehmlich im Internet stattfindet, nicht mehr in den Sinn. Das ist schlecht, denn darüber wird oft genug vergessen, dass ein staatlich verliehenes Monopol – und nichts anderes ist das Urheberrecht – einer gesellschaftlichen Rechtfertigung bedarf. Und es ist ebeneso schlecht zu vergessen, dass ein Grundgedanke des Urheberrechts der Interessenausgleich zwischen Urhebern, Verwertern und Nutzern ist. Egal, was die feudalistischen Heidelberger Werkherrscher dazu sagen.

Nachdem schon iRights.info-Redakteur Till Kreutzer in seiner Dissertation einen Entwurf zu einer Neuordnung des Urheberrechts vorgelegt hat, folgt nun Gerd Hansen: Warum Urheberrecht? lautet der Titel seiner Dissertation, deren Untertitel die Beschäftigung verspricht mit der “Rechtfertigung des Urheberrechts unter besonderer Berücksichtigung des Nutzerschutzes”. Aus dem Pressetext:
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