Na, besser hätte es gar nicht laufen können. Gestern habe ich beim kontext-Stipendiatentreffen einen Vortrag darüber gehalten, wie man das Netz nutzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Der Vortrag ist gut angekommen und es gab eine sehr spannende Diskussion, die länger als eine Stunde gedauert hat – was zeigte, dass das Thema die Kolleginnen und Kollegen wirklich beschäftigt.

Selbstverständlich habe ich die Slides veröffentlicht, damit sich alle in Erinnerung rufen können, worüber wir gesprochen haben.

Und bis heute um 18 Uhr gab’s bereits acht Erwähnung anderer Twitterer, darunter einige mit Folower-Zahlen, die in Deutschland als sehr hoch gelten dürfen (UPDATE: Nachdem nun noch einige hinzu gekommen sind, habe ich die Tabelle aktualisiert und werde das auch weiter tun, wenn es mehr Erwähnungen werden – nicht bis in alle Ewigkeit, aber so lang ist die Halbwertzeit dann ja auch wieder nicht):

Twitter-NameFollower
mediummagazin3344
Askowronek1283
pstawowy1016
hemartin981
KarolaRiegler964
mobilefriend765
bibliothekarin394
dingstweets325
DJV_RLP216
morphem109
gesamt9397
.

(Habe zum ersten Mal das Tabellen-Plugin WP-Table Reloaded verwendet. Keine Ahnung, ob und wie man Links einfügen kann, daher sind die Twitter-Namen nicht aktiv.)

Beim Stipendiatentreffen des Vereins kontext habe ich heute einen Vortrag gehalten über die Frage, wie Journalistinnen und Journalisten Social Media und Creative Commons nutzen kann, um sich selbst besser zu positionieren und von Auftraggebern unabhängig zu machen. Die Präsentation allein ist sicher wenig verständlich (ich habe leider vergessen, dass man das ganze auch auf Video hätte aufnehmen können), aber ich wollte sie zumindest für diejenigen zur Verfügung stellen, die dabei waren. Und wenn auch andere etwas interessantes darin finden, umso besser. Hier also die Slides zum Durchklicken, und natürlich auch als PDF zum Download (5,8 MB).

Am Donnerstagabend war ich zwei Stunden (!) lang zu Gast beim Medienradio. Philip hat inzwischen eine sehr schöne Linkliste zu unserem mäandernden Gespräch (siehe die Kategorieneinordnung oben…) gemacht. Das MP3 (Achtung: 75 MB!) gibt’s hier.

Man neigt ja dazu, alles nur noch zu twittern, was in Kürze mitgeteilt werden kann, aber ich denke, diese Nachricht rechtfertigt schon einen eigenen Blogeintrag: Die Wikipedia-Community hat sich mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, alle Inhalte neben der GNU Free Documentation License (GFDL) auch unter die Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike (CC-BY-SA) zu stellen. Besser, als es Henrik Moltke von Wikipedia Dänemark bei identi.ca geschrieben hat, kann man es wohl nicht zusammenfassen: Wikimedia/pedia adopting CC a giant leap; will unite & focus strengths, facilitate participation + convey strenghts of free licensing.

Die Abrufzahlen von ZDF-Programminhalten bei Youtube und Co könnten eines Tages auch Einfluss auf die Progammgestaltung nehmen, sagt Robert Amlung, Digital-Chef des ZDF. Außerdem  will Amlung das Lizenzsystem Creative Commens beim ZDF weiter vorantreiben (bei 5:30  min.). Amlung gab Auskunft bei der next09-Konferenz in Hamburg. Nichts wirklich Neues, was man von Amlung erfährt, aber dennoch ein sehr interessantes Interview, weil man merkt, wie er tickt – und dass er wirklich etwas von seinem Geschäft versteht. Einen Laden wie das ZDF in die digitale Welt zu führen, ist ja keine kleine Aufgabe.

Am Freitag werde ich die Diskussion mit Larry Lesig bei Spielstand Spezial: Copyright Wars – Vergnügen und Unbehagen an der digitalen Kultur der Böll-Stiftung moderieren. Wie sich das für einen Moderator gehört, werde ich dem  Publikum den Vortritt lassen. Aber dazu gehören ja auch die, die am Freitag nicht dabei sein können. Daher wüsste ich gern, welche Fragen Sie / Ihr an Lessig haben / habt. Unter Umständen kann ich ja die eine oder andere stellen. Bitte einfach in die Kommentare schreiben. Danke!

Die Böll-Stiftung lädt für Freitag, den 15. Mai um 19 Uhr, in die Sophiensaele in Berlin zu einem Vortrag von Lawrence Lessig mit anschließender Diskussion (die ich die Ehre haben werde zu moderieren). Titel:

Spielstand-Spezial:

Copyright Wars

Vergnügen und Unbehagen an der digitalen Kultur
Eintritt frei / Sprache: Englisch

Die Ankündigung:

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht der Untergang des Abendlandes beschworen wird. Aufgeschreckt durch den schwedischen PirateBay-Prozess und das Scan-Projekt von Google verstricken sich juristische Laien in den Feuilletons, betroffene Kulturschaffende und Vertreter der Content-Industrien in eine lautstarke Debatte zur Zukunft des Urheberrechts. Dabei nimmt die Frontstellung zwischen den Befürwortern einer digitalen Tauschökonomie und den Anwälten eines Schutzes von geistigem Eigentum Züge eines ideologisch verbohrten Kulturkampfes an.

Unterschiedliche Sozialisationsmuster und Interessen scheinen eine Verständigung zwischen beiden Lagern unmöglich zu machen. Dabei liegen schon längst pragmatische Vorschläge auf dem Tisch, wie die gewandelten Konsumptions- und Produktionsbedingungen im Internet durch neue Verkehrsformen abgebildet werden könnten. So soll etwa eine Kulturflatrate den Zugang zu Tauschbörsen entkriminalisieren und gleichzeitig die Vergütung von Kreativen gewährleisten.

Prof. Lawrence Lessig, Gründer der Creative-Commons-Initiative und Vordenker der Urheberrechtsevolution, versucht in einer Spezialausgabe der Reihe SPIELSTAND, die amerikanischen Erfahrungen mit den Copyright Wars für die europäische Debatte nutzbar zu machen.

Zur Person:

Lawrence Lessig (www.lessig.org) ist Verfassungsrechtler an der Stanford Law School und ein Guru der internationalen Netzgemeinde. Er ist ein entschiedener Kritiker eines restriktiven Copyrights im Bereich immaterieller Güter. Lessig entwickelte das Konzept einer „freien Kultur“ und unterstützt die kollaborative Arbeit an Software durch die Open-Source-Bewegung. Außerdem gründete er die Creative-Commons-Initiative und ist Mitglied der Electronic Frontier Foundation. Sein letztes Buch „Remix: Making Art And Commerce Thrive In The Hybrid Economy” (2008) ist ein flammendes Plädoyer für ein radikales Neudenken von künstlerischer und wirtschaftlicher Praxis vor dem Hintergrund gewandelter medientechnologischer Bedingungen.

Freier Download unter:

http://www.bloomsburyacademic.com/remix.htm

Pressestimmen:

“Lessig’s proposals for revising copyright are compelling, because they rethink intellectual property rights without abandoning them.” (The New Yorker)

“Lessig… has written a splendid combative manifesto – pungent, witty and persuasive.” (Financial Times)

“Lessig is surely right that digital culture requires governance that is more subtle and ecological, judging a balance of forces between commerce and community, than precise and draconian.”
(The Independent)

Information:

Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstraße 8
10117 Berlin

Jan Engelmann
Referent Kunst + Kultur
engelmann@boell.de
030 – 285 34- 252

Cologne Commons - Konferenz und Festival für freie Musikkultur

Moritz “Mo” Sauer, Musikjournalist, Netlabel-Betreiber, Herausgeber und Chefredakteur des tollen Online-Magazins Phlow, veranstaltet die zweitägige Cologne Commons -  Konferenz und Festival für freie Musikkultur:

Am 12. und 13. Juni 2009 findet die erste Cologne Commons im KunstWerk und Gebäude 9 statt. Die Konferenz und das Festival für freie Musikkultur thematisieren den Aufbruch in eine neue Kulturlandschaft, in der Inhalte zunehmend unter einer Creative-Commons-Lizenz verteilt werden. Diese von Künstlern selbst gewählte  Lizenz erlaubt ausdrücklich die freie Vervielfältigung der eigenen Schaffenswerke.

Die Cologne Commons versteht sich als Plattform für freie Musik, Musik-Labels und Künstler – und das in zweierlei Hinsicht: Tagsüber vermitteln Fachspezialisten in Workshops und Panels Wissen und diskutieren über die Zukunft der Kulturindustrie. Abends präsentieren sich auf den Konzerten junge, engagierte und im Internet erfolgreiche Musiker.

Das wird spannend und unterhaltsam zugleich werden. Hier die komplette Pressemitteilung (PDF, 528 MB).

Vor einigen Tagen habe ich auf Pamela Samuelsons Aufsatz The Dead Souls of the Google Booksearch Settlement hier im immateriblog hingewiesen. Das hat der Perlentaucher weitergegeben, und so ist es wohl bei der FAZ gelandet, des Perlentauchers liebster Feindin. Naja, so lange die FAZ mit ihren Klagen keinen Erfolg hat, dürfen die RedakteurInnen dort ihn ja auch gern weiter als Quelle nutzen.

Schlimm ist allerdings, was sie daraus machen. Thomas Thiel referiert wenigstens einfach Samuelsons wichtigste These:

Die vorgesehene Vereinbarung, resümiert Samuelson, würde Google und dieser Gesellschaft nur das Monopol auf die größte digitale Bibliothek der Welt sichern. Und es beiden ermöglichen, die Bedingungen zu bestimmen, unter denen „verwaiste Bücher“ in digitaler Form publiziert werden können.

So weit, so richtig. Und so einseitig.

Wirklich los geht’s dann bei Sandra Kegel, die unter dem herrlich originellen Titel Unter Piraten (man hört den Friedberger Oberstudienrat entsetzt aufstöhnen) ihr apokalyptisches Wasser nicht halten kann:

Auch die digitalen Raubdrucker schöpfen bereits erbrachte Leistung ab. Wollen wir das Urheberrecht wirklich dem Gratis-für-alle-Gedanken opfern und damit riskieren, dass diese geistferne Zeit noch ärmer wird? Wollen wir die Kreativen ihrem Schicksal überlassen und die bewährten Versorgungswege von Kultur, Information und Wissen aufgeben? Es wäre ein Schritt zurück in die vormoderne Vergangenheit, die nur Zyniker oder Naive herbeisehnen können, nach dem Motto: Künstlertum war schon immer mit Opfern verbunden.

Ist es eigentlich Zufall, dass man von den Leuten, die sich derzeit ein Urteil erlauben über diese ihnen fremde Welt des Digitalen, die das Urheberrecht, ach, vielmehr gleich unsere Verfassung, nein, auch das wäre tief gestapelt: die unsere Zukunft bedroht! – dass man also von den meisten dieser Leute in dem Zusammenhang noch nie etwas gehört hat? Von Kegel jedenfalls ist bekannt, dass sie sich “Innerhalb des Feuilletons [...] für das Thema Familie” interessiert. Gut zu wissen.

Will ich Menschen verbieten, über ein Thema zu berichten, mit dem sie sich nicht schon Jahre beschäftigt haben? Nein. Aber es ist schon erstaunlich, mit welcher Verbissenheit die FAZ ihre Leser manipuliert, indem entweder nur “eine Seite” zur Sprache kommt (Roland Reuß und Konsorten), oder es einfach verschwiegen wird, wenn jemand auch die andere Seite beleuchtet.

Pamela Samuelson, eine der prominentesten Urheberrechtlerinnen der USA und weltweit, ist bekannt als Kämpferin gegen den Urheberrechts-Maximalismus. Dagegen, Schutzrechte im Sinne der Verwerter (der Buch-, Zeitungs- und Musikverlage, der Filmfirmen und der Softwaregiganten) immer und immer weiter auszuweiten. Sie hat sich gegen den berüchtigten Sonny Bono Copyright Term Extension Act ausgesprochen, besser bekannt als Mickey Mouse Protection Act, der keinem anderen Zweck dient, als die Profite der Unterhaltungsindustrie auf Kosten der Allgemeinheit zu sichern und zu steigern. Und sie spricht sich auch in ihrem Aufsatz gegen diese Strategien, gegen diese Akteure aus:

As galling as it is to realize that the BRR and its registered authors and publishers will derive income from millions of books they didn’t write or publish, it is even more galling that copyright maximalists will almost certain dominate the BRR governing board.

“So ärgerlich es ist, dass die BBR (Book Rights Registry) und die registrierten Autoren Einkommen erzielen aus Millionen Büchern, die sie nicht geschrieben oder herausgegeben haben, so ist es doch noch viel ärgerlicher, dass Copyright-Maximalisten das Direktorium der BBR beherrschen werden.” Das schreibt Samuelson.

Und warum? Weil sich der US-Autorenverband alles unternimmt, um die Vorlesefunktion des “Kindle” eBook-Readers zu verbieten, was vor allem Sehbehinderte auf die Barrikaden getrieben hat, und weil der US-Verlegerverband den freien Zugang zu wissenschaftlichen Werken (Open Access) bekämpft:  

(The Authors Guild president, for example, recently complained about the “read aloud” feature of Kindle, denoting it a “swindle,” and a copyright infringement. The AAP is supporting legislation to forbid the National Institutes of Health from promoting “open access” policies for articles written under NIH grants. And of course, the Authors Guild and AAP characterized Google as a thief for scanning books from research libraries.)

Und daher – mit  Vertretern einer derartigen Auffassung - die Chancen schwinden, dass z.B. ”verwaiste Werke” unter Creative-Commons-Lizenzen für jeden frei (ja, auch kostenfrei) zur Verfügung stehen könnten:

If asked, the authors of orphan books in major research libraries might well prefer for their books to be available under Creative Commons licenses or put in the public domain so that fellow researchers could have greater access to them. The BRR will have an institutional bias against encouraging this or considering what terms of access most authors of books in the corpus would want.

Erfährt man von all dem etwas in der FAZ? Selbstverständlich nicht. Im Gegenteil: Open Access, Creative Commons – sind das nicht diese spinnerten und gefährlichen Ideen, die dazu beitragen, dass die “bewährten Versorgungswege von Kultur, Information und Wissen” aufgegeben und die “Kreativen ihrem Schicksal überlassen” werden? Ist das nicht gerade das, wogegen sich der “Heidelberger Appell” wendet und was unser aller Zukunft in Gefahr bringt? Und Frau Samuelson hat nicht nur Verständnis dafür, sondern findet diese Ideen auch noch so gut, dass sie sich darum sorgt, dass sie von Copyright-Maximalisten und dem Google Book Settlement unterdrückt werden könnten? Na, dann verschweigen wir den Teil lieber. Wir sind die FAZ. Die Zeiten sind wirr genug. Unsere Leser erwarten, dass wir ihnen Orientierung bieten. Das tun wir. Und wenn wir noch zehn Artikel dieser Art veröffentlichen - oder besser noch gleich solche von Roland Reuß.

(Mein “educated guess”: Kegel weiß weder, was Open Access ist, noch kennt sie Creative Commons).

Ich war am Donnerstag sehr enttäuscht zu sehen, dass die ZEIT schon wieder Susanne Gaschke das Wort erteilt hat, um über “das Internet” zu berichten und den Lesern zu erklären, warum Pirate Bay, Google Books und das ganze Internet so eine große Gefahr darstellt, die wir bekämpfen müssen – noch dazu auf der Titelseite. Ich hatte keine Zeit, etwas darüber zu schreiben, aber wie ich jetzt sehe, hat es Ralf Bendrath getan. Danke dafür.

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