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	<title>immateriblog.de &#187; Lobbyismus</title>
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	<description>Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt</description>
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		<title>Offener Brief an Gabor Steingart: Über Verlage, freie Autoren, Urheberrecht und innere Pressefreiheit</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 10:10:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[AGB]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
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		<description><![CDATA[Kürzlich habe ich das erste Mal für das Handelsblatt geschrieben (bzw. den Online-Ableger). Es war eine Entgegnung auf Christoph Keese, der in einem Beitrag geschrieben hatte: &#8220;Zugleich aber drückt abnehmender Respekt vor geistigem Eigentum den Umsatz&#8221;. Er meint damit (selbstverständlich) den Umsatz der Verlage. Warum das Unsinn ist, habe ich ihm dargelegt.
Heute war ein Brief [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich habe ich das erste Mal für das Handelsblatt <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/online-journalismus-was-christoph-keese-verschweigt/6325792.html">geschrieben</a> (bzw. den Online-Ableger). Es war eine Entgegnung auf Christoph Keese, der in einem Beitrag geschrieben hatte: &#8220;Zugleich aber drückt abnehmender Respekt vor geistigem Eigentum den Umsatz&#8221;. Er meint damit (selbstverständlich) den Umsatz der Verlage. Warum das Unsinn ist, habe ich ihm dargelegt.</p>
<p>Heute war ein Brief des Handelsblatt-Chefredakteurs, Gabor Steingart, in der Post (s. unten). Es ist der inzwischen schon klassische Versuch eines Verlags, mir per Total-Buyout alle Rechte an meinem Text zu nehmen. Ich könnte darauf antworten: &#8220;Abnehmender Respekt vor geistigem Eigentum drückt meinen Umsatz&#8221;. Ich könnte auch all die dreisten Falschdarstellungen und Unverschämtheiten des konkreten Schreibens analysieren, aber dafür habe ich keine Zeit. Das ist auch an vielen anderen Stellen bereits passiert. Ebenso die Darlegung, was das alles mit dem Leistungschutzrecht zu tun hat, das die Presseverlage fordern.</p>
<p>Aber ich habe Steingart ein Fax geschickt, in dem ich ihn auch auf diese Aspekte hinweise, und den Text möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Steingart,</p>
<p>haben Sie vielen dank für Ihr Schreiben vom 21. März 2012, mit dem Sie mich darauf hinweisen, dass Sie – Ihrer Ansicht nach – alle ausschließlichen Nutzungsrechte an einem Text erworben haben, den Sie bei mir in Auftrag gegeben haben.</p>
<p>Daher möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass erstens Ihre Behauptung falsch ist, dass „seit jeher“ mit jeder Honorarzahlung alle diese Rechte ausschließlich an Sie abgetreten wurden. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass das eine dreiste Lüge ist, denn Sie bzw. Ihr Justiziariat (müssten) wissen, dass das nicht so ist. Die Begründung dafür spare ich mir an dieser Stelle; das können Sie sich bei Bedarf sicher von Ihrer Rechtsabteilung erläutern lassen.</p>
<p>Zweitens möchte ich meiner Enttäuschung darüber Ausdruck geben, dass Sie als Chefredakteur mit der Total-Buyout-Politik Ihres Verlags einverstanden sind, was Sie durch Ihre Unterschrift unter dem Schreiben belegen. Es gab Zeiten, in denen sich Chefredakteure als Anwälte ihrer Journalisten verstanden haben, und die sich, wenn es Not tat, auch gegen die Interessen Ihres Verlags gestellt haben, um die Journalisten und den Journalismus zu schützen. Diese Haltung, die auch sehr viel mit der inneren Pressefreiheit zu tun hat, wird nun also nicht einmal mehr behauptet.</p>
<p>Dass dieses Fax genauso gut an die meisten Ihrer Kollegen in anderen Verlagen gehen könnte, von denen ich ähnliche Briefe bekommen habe, macht die Sache nicht besser. Angesichts des Beitrags, den ich für Sie verfasst habe (<a href="http://bit.ly/hb-keese">http://bit.ly/hb-keese</a>), ist in diesem Fall die Ironie allerdings nur schwer erträglich.</p>
<p>Drittens weise ich Sie darauf hin, dass ich Ihre Redakteurin vor Vertragsschluss auf meine AGB hingewiesen habe, so dass diese Geltung erlangt haben, nicht Ihre.</p>
<p>Wenn Sie an Hintergrundinformationen zum Konflikt zwischen Verlagen und Ihren freien Autoren interessiert sind, empfehle ich Ihnen die Lektüre meiner Rede auf dem Publishers’ Forum 2011 „Über Brain Drain in Verlagen“ (<a href="http://bit.ly/braindrain-verlage">http://bit.ly/braindrain-verlage</a>) oder meines Debattenbeitrags auf dem Diskursportal des Deutschlandfunks „Unendliche Geschichte Urheberrecht“ (<a href="http://bit.ly/diskurs-urheberrecht">http://bit.ly/diskurs-urheberrecht</a>).</p>
<p>Der Text dieses Faxes erscheint auch in meinem Weblog.</p>
<p>Auf gute Zusammenarbeit</p>
<p>Matthias Spielkamp</p></blockquote>
<p>Hier Steingarts Schreiben: </p>
<div style="width:477px" id="__ss_12205478"><strong style="display:block;margin:12px 0 4px"><a href="http://www.slideshare.net/spieli/schreiben-des-handelsblatts" title="Schreiben des Handelsblatts">Schreiben des Handelsblatts</a></strong><object id="__sse12205478" width="477" height="650"><param name="movie" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/doc_player.swf?doc=hb-120329045058-phpapp02&#038;stripped_title=schreiben-des-handelsblatts&#038;userName=spieli" /><param name="allowFullScreen" value="true"/><param name="allowScriptAccess" value="always"/><param name="wmode" value="transparent"/><embed name="__sse12205478" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/doc_player.swf?doc=hb-120329045058-phpapp02&#038;stripped_title=schreiben-des-handelsblatts&#038;userName=spieli" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" wmode="transparent" width="477" height="650"></embed></object>
<div style="padding:5px 0 12px">View more <a href="http://www.slideshare.net/">documents</a> from <a href="http://www.slideshare.net/spieli">spieli</a>.</div>
</div>
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		<title>Er so: &#8220;Googles U-Boot!&#8221; Ich so: &#8220;Journalismus!&#8221; &#8211; Eine Antwort auf Christoph Keese</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 08:25:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Regulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Lobbyismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verlage]]></category>

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		<description><![CDATA[Christoph Keese, Absolvent der Henri-Nannen-Schule, Ex-Chefredakteur der FTD und der Welt am Sonntag, behauptet in seinem Online-Tagebuch presseschauder, ich engagiere mich &#8220;schwungvoll&#8221; in der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL).
Offenbar trifft auf Keese zu, was Hans Leyendecker gern in Vorträgen etlichen seiner Kollegen unterstellt: Recherche bedeute für sie, sich von der Sekretärin eine Telefonnummer heraussuchen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2239" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><img class="wp-image-2239 size-full" title="boell-LSR" src="http://immateriblog.de/wp-content/uploads/2011/08/boell-LSR.jpg" alt="" width="450" height="137" /><p class="wp-caption-text">kleines Ratespiel: Wer wird hier von wem wofür bezahlt? Auflösung am Ende des Beitrags</p></div>
<p><a href="http://www.axelspringer.de/presse/Personalie-Christoph-Keese-wird-Konzerngeschaeftsfuehrer-Public-Affairs-der-Axel-Springer-AG_36400.html">Christoph Keese</a>, Absolvent der Henri-Nannen-Schule, Ex-Chefredakteur der FTD und der Welt am Sonntag, <a href="http://www.presseschauder.de/der-igel-und-seine-freunde/">behauptet</a> in seinem Online-Tagebuch presseschauder, ich engagiere mich &#8220;schwungvoll&#8221; in der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (<a href="http://leistungsschutzrecht.info/">IGEL</a>).</p>
<p>Offenbar trifft auf Keese zu, was Hans Leyendecker gern in Vorträgen etlichen seiner Kollegen unterstellt: Recherche bedeute für sie, sich von der Sekretärin eine Telefonnummer heraussuchen zu lassen. Aber das muss den Ex-Journalisten Keese auch nicht mehr kümmern, denn er ist jetzt &#8220;<a href="http://www.scroogle.org/cgi-bin/nbbw.cgi?Gw=au%C3%9Fenminister+keese">Außenminister</a>&#8221; der Axel Springer AG, was offiziell Konzerngeschäftsführer Public Relations heißt.</p>
<p>Womöglich glaubt er jedenfalls, dass man es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlichkeitsarbeit">auf der anderen Seite des Schreibtischs</a> mit den Fakten nicht so genau nehmen muss. Ich tue das allerdings, daher<strong> möchte ich hier feststellen, dass ich mich nie in der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht engagiert habe, weder schwungvoll noch schleppend. Ferner beabsichtige ich auch nicht, das zu tun.</strong> Sollte Keese einen Beleg für das Gegenteil haben, würde ich ihn gern sehen. Sein Online-Tagebuch-Eintrag wäre der richtige Platz gewesen, ihn zu veröffentlichen.</p>
<p><span id="more-2232"></span></p>
<p>Die Rede, deren Veröffentlichung Keese veranlasst hat, seinen Text zu verfassen, habe ich im Übrigen am 30. März dieses Jahres gehalten, also vor etwa fünf Monaten. Am selben Tag ist sie im <a href="http://irights.info/index.php?q=node/1851&amp;Kategorie=Leistungsschutzrecht">von deutschen Presseverlagen hoch geschätzten</a> Literaturmagazin <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/6832.html">Perlentaucher erschienen</a>. Da hat wohl Keeses <a href="http://www.google.de/search?aq=0&amp;hl=de&amp;gl=de&amp;tbm=nws&amp;btnmeta_news_search=1&amp;q=leistungsschutzrecht&amp;oq=leistu#q=leistungsschutzrecht&amp;hl=de&amp;gl=de&amp;tbm=nws&amp;source=lnt&amp;tbs=sbd:1&amp;sa=X&amp;ei=qMFWTtbLLoPJswaCv5zaCg&amp;ved=0CBoQpwUoAQ&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.&amp;fp=ea7fa889391fbb90&amp;biw=1092&amp;bih=645">Google-Alert</a> versagt.</p>
<p>Keese fragt: &#8220;zahlt ihm (mir, M.S.) Eco Geld für seine Rede gegen ein Leistungsschutzrecht und für kostenlose Snippets?&#8221;</p>
<p>Selbstverständlich. Ich bin freiberuflicher Journalist. Ich muss meinen Lebensunterhalt damit bestreiten, für meine Arbeit bezahlt zu werden &#8211; in Form von Artikeln, Seminaren, Beratungen oder eben Vorträgen. Problematisch wäre es gewesen, wenn ich mir meinen Vortrag vom Eco nicht hätte bezahlen lassen. Das wäre dann nämlich Aktivismus gewesen. Oder Lobbyismus, wenn mich jemand dafür bezahlt hätte, <em>eine bestimmte Ansicht zu vertreten</em>. So, wie das die Konzerngeschäftsführer Public Affairs dieser Welt tun.</p>
<p>Womit wir bei des Pudels Kern wären. Die Frage, die Keese insinuiert, ist natürlich eine andere: Hält Spielkamp eine Rede gegen das Leistungsschutzrecht, <strong><em>weil</em></strong> Eco ihn dafür bezahlt? Meine Antwort: Nein. Aber warum sollte man mir das glauben?</p>
<p>Ich will es mal so versuchen: Vielleicht hat Keese einfach nur vergessen (oder nie gewusst), was es bedeutet, journalistisch zu arbeiten: Ein Thema kommt auf (sagen mir mal so etwas wie, ähm, &#8220;Die Presseverleger fordern ein Leistungsschutzrecht&#8221;). Man klemmt sich vor den Rechner und ans Telefon, spricht mit Menschen, die sich damit besser auskennen als man selbst, und am Ende findet man (hoffentlich) heraus, was stimmt. Darüber schreibt man.</p>
<p>Hoppla, werden jetzt vielleicht einige Leser sagen, der Spielkamp glaubt, er kennt die Wahrheit! Nein, glaubt er nicht. Aber im Gegensatz zur <a href="http://www.huffingtonpost.com/jay-rosen/he-said-she-said-journali_b_187682.html">He-said-she-said-Berichterstattung</a> der (meisten) Mainstream-Medien hängt er auch nicht der Idee einer <em>falschen Mitte </em>an, die davon ausgeht, dass man zwei Leute fragt, die konträre Ansichten zum selben Thema haben, und dann berichtet, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Sondern dass, wenn man nur lange genug recherchiert, man <a href="http://blog.niemanwatchdog.org/?p=53">herausfinden und berichten kann (und muss)</a>, wer Recht hat.</p>
<p>Ich beschäftige mich jetzt seit acht Jahren mit dem Thema Urheberrecht und seit mehr als zwei Jahren mit dem Thema Leistungsschutzrecht, und ich bin zur Überzeugung gekommen, dass es eine schlechte Idee ist, Presseverlegern ein Leistungsschutzrecht zuzugestehen. Dafür nehme ich in Anspruch, bessere Argumente zu haben, als Keese und seine Mitstreiter, die im Gegensatz zu mir eigene Interessen verfolgen. Wer das überprüfen möchte, kann z.B. <a href="http://irights.info/index.php?q=node/2096&amp;Kategorie=Leistungsschutzrecht">hier nachlesen</a>, oder sich die <a href="http://carta.info/18287/leistungsschutzrecht-carta-live/">Podiumsdiskussion ansehen</a>, in der ich mich direkt mit Keese und seinen Argumenten auseinandersetze &#8211; und sich dann selbst ein Bild machen (und noch <a href="http://irights.info/?q=Leistungsschutzrecht&amp;Kategorie=Recht">viel ausführlicher hier</a>, für die Junkies).</p>
<p>Kann sein, dass Keese sagt, das sei alles längst veraltet, so wie er gerade auf die Stellungnahme der Bundesrechtsanwaltskammer <a href="http://www.presseschauder.de/leistungsschutzrecht-anmerkung-zur-stellungnahme-der-bundesrechtsanwaltskammer/">reagiert</a> hat, über die wir <a href="http://irights.info/index.php?q=node/2094&amp;Kategorie=Leistungsschutzrecht">bei iRights.info berichteten</a>. Aber das ist eben auch nur eine seiner Strategien: zu behaupten, die Verleger sind immer schon weiter als ihre Kritiker und haben deren Argumente widerlegt &#8211; in Dokumenten, die aber noch vertraulich sind, und die dann in sich zusammenfallen, wenn sie veröffentlicht werden, so dass die Verleger sagen, man sei schon weiter und habe die Argumente der Kritiker widerlegt, aber die Dokumente dazu sind vertraulich&#8230;</p>
<p>Keese schließt mit dem Postskriptum: &#8220;Ich selbst bin bei der Axel Springer AG beschäftigt. Jeder weiß das. Es ist absolut transparent.&#8221;</p>
<p>Abschließend daher ein längerer Auszug aus meinem Artikel <a href="http://irights.de/index.php?q=node/840&amp;Kategorie=Magazin">Die Lobbyisten der Unfreiheit</a>, in dem ich bereits 2009 für die <a href="http://www.message-online.com/">Message &#8211; Internationale Zeitschrift für Journalismus</a> nachgezeichnet habe, wie es um die Transparenz von Keeses Aktivitäten bestellt ist (Disclosure: die Message hat mich dafür bezahlt, diesen Beitrag zu recherchieren und zu schreiben):</p>
<blockquote><p>Döpfners Interviewaussage war nicht der Beginn dieser Kampagne. Bereits Monate zuvor hatte der Verlag öffentlich und hinter den Kulissen daran gearbeitet, dass das Leistungsschutzrecht seinen Platz auf der öffentlichen Agenda findet.</p>
<p>So lief Anfang April dieses Jahres in den Büros einiger Bundestagsabgeordneter ein Fax der Axel Springer AG ein. Absender war das Büro des »Konzerngeschäftsführers Public Affairs«, Christoph Keese. Der Inhalt: Neun Seiten »Memorandum« unter dem Betreff »Leistungsschutzrecht für Presseverleger«. Der Verfasser: Jan Hegemann, Partner der deutschen Dependance der weltweit tätigen Anwaltskanzlei »Hogan &amp; Hartson Raue L.L.P«. In Deutschland gehört die Firma zu den bekannteren Kanzleien, die sich mit Medienrecht beschäftigen.</p>
<p>Hegemann selbst ist Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin; zu seinen Klienten gehören große deutsche Verlage, darunter immer wieder die Axel Springer AG. In dem Papier argumentiert Hegemann, dass der Schutz nicht ausreicht, den Presseverleger durch das Urheberrecht derzeit erhalten. Daher müsse ein neues Recht eingeführt werden, das nicht vom Recht der Autoren abgeleitet ist und den Verlagen ein eigenes Recht an Veröffentlichungen einräumt. Veröffentlicht wurde dieses Gutachten nicht.</p>
<p><strong>FAZ-Autor als Lobbygutachter</strong></p>
<p>Am 9. April erschien unter der Überschrift »Kopierte Inhalte – Schutzlos ausgeliefert im Internet« in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein ausführliches Essay. Der Autor behauptet darin, dass eine Analyse des geltenden Zivil- und Urheberrechts zu der Erkenntnis führe, »dass es an einem durchsetzbaren originären Investitionsschutz für den Presseverleger fehlt. Ein Schutz der Leistungen des Presseverlegers in der digitalisierten Welt muss aber vom Gesetzgeber garantiert werden, da eine Demokratie ohne Presse und Pressevielfalt nicht lebensfähig ist. Dazu bedarf es eines Leistungsschutzrechts der Presseverlage.«</p>
<p>Unter dem Artikel wird der Verfasser vorgestellt: »Professor Dr. Jan Hegemann ist Rechtsanwalt in Berlin. Er lehrt als Honorarprofessor Urheber- und Medienrecht an der Freien Universität.« Kein Wort davon, dass Hegemann deutsche Großverlage vertritt und dass er Autor des Lobby-Gutachtens ist.</p>
<p>Reinhard Müller, Leiter des FAZ-Ressorts, in dem Hegemanns Text erschienen ist, erkennt kein Problem darin: »Jeder Autor hat Interessen oder vertritt welche. Der Versuch, darauf hinzuweisen, wird schnell zum uferlosen Unterfangen, so das denn überhaupt möglich ist: So verschweigen auch renommierte Hochschullehrer gelegentlich ihre bezahlten Gutachtertätigkeiten. Letztlich steht ein Artikel für sich; man muss sich mit seinen Argumenten auseinandersetzen. Und man kann natürlich widersprechen.«</p>
<p>Hegemann selbst ist der Ansicht, dass informierte Leser von Qualitätszeitungen gut einschätzen können, vor welchem Hintergrund derartige Stellungnahmen gedruckt werden: »Wenn die FAZ meine Funktion als Rechtsanwalt nennt, dann weiß jeder kundige Leser der Seite „Staat und Recht“, dass ein Rechtsanwalt Parteiinteressen wahrnimmt. Das fand ich eigentlich ausreichend deutlich.«</p>
<p>[...]</p>
<p><strong>Kein Hinweis auf die Tätigkeit für den Verlag</strong></p>
<p>Bevor ein Gesetzesvorschlag erarbeitet werden kann, muss dem Justizministerium und der interessierten Öffentlichkeit klar sein, dass ein solches Gesetz notwendig ist. Das führt zurück zu Springers Gutachter Hegemann. Am 10. Mai veröffentlichte Die Welt ein Interview mit ihm unter dem Titel »Die wichtigsten zehn Fragen zum Urheberrecht«.</p>
<p>Auf die Frage »Wie sollte das geistige Eigentum künftig geschützt werden?«, antwortete Hegemann: »Die Leistung des Presseverlegers ist nach geltendem Recht unzureichend geschützt. Musiklabels, Sendeunternehmen und Konzertveranstalter gewährt das Urheberrecht eigene Leistungsschutzrechte. Dahinter steht der Gedanke, dass diese Firmen organisatorische, wirtschaftliche und kreative Leistungen erbringen, die für sich genommen schutzwürdig sind.«</p>
<p>Und weiter heißt es: »Die Tätigkeit der Presseverleger steht dem in nichts nach. Es ist deshalb nicht einsichtig, dass das Urheberrecht ihnen Leistungsschutz vorenthält. Ein eigenes Leistungsschutzrecht der Verleger ist gerade wegen der digitalen Vervielfältigungsmöglichkeiten für den Erhalt der Presselandschaft unabdingbar.« Mit den »Leistungen der Presseverleger« ist gemeint, dass sie unter anderem eine Themenauswahl treffen, Beiträge in Auftrag geben, sie redigieren, gestalten, veröffentlichen oder das finanzielle Risiko übernehmen.</p>
<p>Der Autorenhinweis unter dem Text: »Antworten stammen von Professor Jan Hegemann. Er ist Anwalt bei der Kanzlei Hogan &amp; Hartson in Berlin«. Kein Hinweis darauf, dass er als Gutachter für den Springer-Verlag tätig ist, in dem die Welt erscheint.</p>
<p>Konzerngeschäftsführer Keese gesteht ein, dass es angebracht gewesen wäre, hält das Fehlen aber nicht für problematisch: »Das hätte man drunter schreiben können, aber das ist sicher nicht mit bösem Willem geschehen, denn Hegemann ist einer der fünf bis zehn Leute, die man fragt, wenn man etwas zum Urheberrecht wissen will.«</p>
<p>Es müsste wohl heißen: Leute, die Springer fragt, wenn es ums Urheberrecht geht. Hegemann ist zwar ein bekannter Medien- und Presserechtler. Er gehört aber nicht zum Kreis der Juristen, die regelmäßig das Urheberrecht kommentieren. Seine Selbstdarstellung auf den Seiten von Hogan &amp; Hartson Raue verzeichnet eine einzige Publikation zum Thema: »Für ein Leistungsschutzrecht der Presseverleger«, erschienen im August 2009 in AfP, einer Fachzeitschrift für Medien- und Kommunikationsrecht. Darin: die selben Argumente, die er auch schon im Springer-Gutachten ausgearbeitet hat.</p></blockquote>
<p>Zu weiteren Fehlschlüssen Keeses s. auch <a href="http://sixtus.cc/christoph-keese-sie-haben-jehova-gesagt">Sixtus</a>.</p>
<p><em>Auflösung des Ratespiels: Keese (2.v.l.), Außenminister der Axel Springer AG, wird von der Axel Springer AG dafür bezahlt, das Leistungsschutzrecht gut zu finden. Spielkamp (m.), freier Journalist, wird von der Heinrich-Böll-Stiftung dafür bezahlt, eine <a href="http://irights.info/blog/arbeit2.0/2010/01/21/googles-beitrag-podiumsdiskussion-leistungsschutzrecht/">Podiumsdiskussion</a> zu moderieren.</em></p>
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		<title>In eigener Sache: Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen</title>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 16:16:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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		<description><![CDATA[
Endlich Urlaub! Leider vorbei. Aber der Grund dafür, dass hier seit recht langer Zeit nichts mehr zu sehen war. Passiert ist dennoch einiges. Unter anderem bin ich in den Vorstand der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen berufen worden. Eine große Ehre, zweifellos. Ich werde mich bemühen, ihr gerecht zu werden.
Wie zu erwarten, soll ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="wp-image-2226 size-full" src="http://immateriblog.de/wp-content/uploads/2011/05/rog_logo_neu.gif" title="rog_logo_neu" alt=""/><br />
Endlich Urlaub! Leider vorbei. Aber der Grund dafür, dass hier seit recht langer Zeit nichts mehr zu sehen war. Passiert ist dennoch einiges. Unter anderem bin ich in den <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ueber-uns/rog-in-deutschland/vorstand.html">Vorstand der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen</a> berufen worden. Eine große Ehre, zweifellos. Ich werde mich bemühen, ihr gerecht zu werden.</p>
<p>Wie zu erwarten, soll ich mich im Vorstand vor allem um Pressefreiheit im Netz kümmern. Das wird dort eine besonders spannende Aufgabe sein, denn RoG hatte schon seit langem meine Sympathie, weil sie sich immer wieder für Blogger und Internetaktivisten eingesetzt haben, als deutsche Journalisten noch über die Frage <a href="http://www.immateriblog.de/archives/000207.html">Sind Blogger Journalisten?</a> diskutiert haben &#8211; die auch in demokratischen Ländern wie Deutschland sinnlos (<a href="http://www.stevenberlinjohnson.com/2006/08/five_things_all.html">bzw. längst beantwortet</a>) ist, in Ländern mit stark eingeschränkter Pressefreiheit sogar gefährlich sein kann. Denn dort sind es oft genug Blogger, die die Aufgabe übernehmen, die eigentlich die Presse übernehmen müsste.</p>
<p>Passend zum Thema Pressefreiheit und RoG hat mein Kollege David Pachali gerade das Seminar <a href="http://wannseeforum.de/blog/2010/05/24/meine-meinung/">“Das ist meine Meinung!”- Meinungs- und Pressfreiheit in Europa</a> für Berliner Auszubildende und Jugendliche am Wannseeforum mitgeleitet und einen Film produziert, der das heftig umstrittene ungarische Pressegesetz aufs Korn nimmt (und RoG kommen auch vor):</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/23982683?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" width="400" height="300" frameborder="0"></iframe>
<p><a href="http://vimeo.com/23982683">…und Orbán kann glücklich sein</a> from <a href="http://vimeo.com/wannseeforum">wannseeFORUM</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
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		<title>Interview zum Urheberrecht bei DCTP-TV</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 13:05:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Philip Banse hatte mich während des Abschlussworkshops der dritten Initiative des Internet &#38; Gesellschaft Collaboratory gefragt, warum es einen so heftigen Streit ums Urheberrecht gibt. Nun ist das Video online:

 ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://philipbanse.de/wp/">Philip Banse</a> hatte mich während des Abschlussworkshops der <a href="http://collaboratory.de/initiative-03">dritten Initiative des Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</a> gefragt, warum es einen so heftigen Streit ums Urheberrecht gibt. Nun ist das Video online:</p>
<p><iframe width="512" scrolling="no" height="308" frameborder="0" src="http://www.dctp.tv/embed/c7ae535fa3634514b418c21ae65ed30b/" name="dctp-teaser" marginwidth="0" marginheight="0"><br /></iframe></p>
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		<title>Verdi-Zeitschrift über Debatte zum Verdi-Urheberrechtspapier, ICOMP zu Microsoft und LSR, Offene Daten in Europa</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 17:56:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einige aktuelle Links:

Die Verdi-Zeitschrift &#8220;M &#8211; Menschen Machen Medien&#8221; berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe über die Debatte über das Verdi-Positionspapier zum Urheberrecht, über die ich hier auch schon geschrieben hatte.
ICOMP antwortet zu Microsoft, SuMa und Leistungsschutzrecht 
Für Golem habe ich einen Artikel über ein wichtiges Urteil des (EuGH) geschrieben: Bürger brauchen &#8220;Zugang zu allen relevanten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einige aktuelle Links:</p>
<ul>
<li>Die Verdi-Zeitschrift &#8220;M &#8211; Menschen Machen Medien&#8221; berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe <a href="http://mmm.verdi.de/archiv/2011/03/titelthema-medienkonferenzen/alles-gratis-oder-was">über die Debatte über das Verdi-Positionspapier zum Urheberrecht</a>, über die ich <a href="Verdi-Fachgruppe Medien will keine Internet-Überwachung">hier auch schon geschrieben hatte</a>.</li>
<li><a title="ICOMP antwortet zu Microsoft, SuMa und Leistungsschutzrecht" href="../in-eigener-sache/icomp-antwortet-zu-microsoft-suma-und-leistungsschutzrecht/">ICOMP antwortet zu Microsoft, SuMa und Leistungsschutzrecht </a></li>
<li>Für Golem habe ich einen Artikel über ein wichtiges Urteil des (EuGH) geschrieben: <a href="http://www.golem.de/1103/82276.html">Bürger brauchen &#8220;Zugang zu allen relevanten Informationen&#8221;</a></li>
</ul>
 ]]></content:encoded>
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		<title>ICOMP antwortet zu Microsoft, SuMa und Leistungsschutzrecht</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 17:42:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vorgestern hatte ich in einem Beitrag die Behauptung aufgestellt, Microsoft unterstützt (indirekt) Forderung nach einem Leistungsschutzrecht. Heute hat mir ICOMP geantwortet:
Sehr geehrter Herr Spielkamp,
unsere Agentur arbeitet seit mehreren Jahren als Projektbüro für die Initiative ICOMP. Wir haben mit Interesse Ihren Blogeintrag gelesen, der zeigt, dass Sie die Arbeit unserer Initiative sehr genau beobachten, aber leider [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vorgestern hatte ich in einem Beitrag die Behauptung aufgestellt, <a href="http://immateriblog.de/in-eigener-sache/microsoft-unterstutzt-indirekt-forderung-nach-einem-leistungsschutzrecht/">Microsoft unterstützt (indirekt) Forderung nach einem Leistungsschutzrecht</a>. Heute hat mir ICOMP geantwortet:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Spielkamp,</p>
<p>unsere Agentur arbeitet seit mehreren Jahren als Projektbüro für die Initiative ICOMP. Wir haben mit Interesse Ihren Blogeintrag gelesen, der zeigt, dass Sie die Arbeit unserer Initiative sehr genau beobachten, aber leider zu den falschen Schlußfolgerungen kommen.</p>
<p>Denn die Initiative war immer transparent über die Rolle Microsofts als Initiator und Hauptsponsor – wie auch auf der Website zu lesen ist. Da gibt es überhaupt nichts zu verstecken.</p>
<p>Zu Ihren Ausführungen, die wir heute mit Herrn Sander-Beuermann besprochen hatten, meinte dieser: Wenn jemand behauptet, dass ICOMP eine Organisation von Microsoft ist, dann muss er auch behaupten, dass die Firefox Foundation eine Organisation von Google ist, denn sie wird überwiegend von Google finanziert.</p>
<p>Mittlerweile hat ICOMP 20 zahlende Mitglieder, wie der französische Zeitungsverlegerverband SPQN, die britische Premier League, die internationale Werbeagentur Wunderman, den europäischen Dachverband der Bildagenturen CEPIC oder die zwei neuen deutschen Mitglieder Euro Cities AG und Hot Maps Medien GmbH. Darüber hinaus gibt es 40 Unterstützer-Organisationen. Hier von einer „Strohorganisation“ zu sprechen diskreditiert die Arbeit und das Engagement der anderen Mitglieder.</p>
<p>Leistungschutzrecht</p>
<p>Aufgrund der Teilnahme von Christoph Keese an einer unserer Diskussionsveranstaltungen im Jahr 2009 schlussfolgern Sie, ICOMP unterstütze die Forderungen nach einem Leistungsschutzrecht der Verleger. Außerdem schreiben Sie, dass die Verlage „Springer, Burda, Holtzbrinck und all die anderen, die ein Leistungsschutzrecht fordern“ sich von ICOMP „unter die Arme greifen lassen“ würden. Dies ist uns nicht bekannt, wir haben bisher nicht für ein Leistungsschutzrecht lobbyiert. Dass Herr Keese unser Panel für seine Positionen nutzt ist ein vollkommen normaler Vorgang, den man bei allen Teilnehmern solcher Veranstaltungen beobachten kann.</p>
<p>In unseren Leitlinien heißt es:</p>
<p>„Geistiges Eigentum und Urheberrecht fördern Kreativität und Innovationen, vor allem im Online-Bereich, denn sie ermöglichen es Firmen und Privatpersonen, die kommerziellen Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Sämtliche Interessengruppen und Teilhaber der Internetwirtschaft müssen Autoren- und Verlegerrechte respektieren, um die Legitimität und Nachhaltigkeit internetbasierter Geschäftsmodelle zu gewährleisten.“</p>
<p>Schutz des geistigen Eigentums: Ja &#8211; aber auch im Sinne der Autoren. Richtig ist, dass wir die Debatte zum Thema Urheberrecht im Internet verfolgen und – wie 2009 bei der Podiumsdiskussion – den beteiligten Akteuren eine Plattform bieten um darüber zu diskutieren. Auch berichten wir auf unserem deutschen Blog über aktuelle Entwicklungen in der Diskussion. Wir haben jedoch kein Statement für oder gegen das von den Verlegern geforderte Leistungsschutzrecht abgegeben. Auch in dem von Ihnen zitierten White Paper äußern wir uns nicht zum Thema  Leistungsschutzrecht.</p>
<p>Wir würden uns daher freuen, wenn Sie diesen Sachverhalt richtig stellen.</p>
<p>Wir sind an Kooperation und zukunftsfähigen Lösungen für das Internet interessiert. Wenn Sie weitere Fragen haben oder in einem Gespräch mit einem unserer deutschen Mitglieder mehr über ICOMP und die Arbeit der Initiative erfahren möchten, helfen wir Ihnen jeder Zeit gern weiter.</p>
<p>Beste Grüße,</p>
<p>Helena Friebel</p>
<p>c/o ICOMP-Sekretariat</p></blockquote>
<p>Ich denke, das meiste steht für sich. Ein wenig am Kopf kratzen musste ich mich bei Sander-Beuermanns Aussage, da in meinem Artikel nirgends steht, &#8220;dass ICOMP eine Organisation von Microsoft ist&#8221;, sondern, dass sie lange ausschließlich von Microsoft finanziert wurde. Daran ist nichts richtig zu stellen.</p>
<p>Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass ich kein Regulierungsgegner bin und von Kalifornischem Technoliberalismus nichts halte. Ich teile Sander-Beuermanns Einschätzung, dass Google eine gefährliche Größe erreicht hat; seine konkrete Kritik fand ich in der Vergangenheit wenig überzeugend. Vielmehr empfehle ich das Buch <a href="http://felix.openflows.com/node/103">Deep Search &#8211; Politik des Suchens jenseits von Google</a>.</p>
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		<title>Microsoft unterstützt (indirekt) Forderung nach einem Leistungsschutzrecht</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 11:15:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beitrag aktualisiert am 21. März um 12.50 Uhr, s. Ende des Textes
Beitrag erneut aktualisiert am 23. März, s. Ende des Textes

Der Presseschauer macht mich auf einen Artikel aufmerksam, der bereits im Dezember 2010 veröffentlicht wurde, den ich aber leider übersehen habe: Dark forces gunning for Google von Milo Yiannopoulos bei telegraph.co.uk. Es geht um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Beitrag aktualisiert am 21. März um 12.50 Uhr, s. Ende des Textes</em></p>
<p><em>Beitrag erneut aktualisiert am 23. März, s. Ende des Textes<br />
</em></p>
<p>Der <a href="http://www.presseschauer.de/">Presseschauer</a> macht mich auf einen Artikel aufmerksam, der bereits im Dezember 2010 veröffentlicht wurde, den ich aber leider übersehen habe: <a href="http://www.telegraph.co.uk/technology/8184065/Dark-forces-gunning-for-Google.html">Dark forces gunning for Google</a> von <a href="http://www.telegraph.co.uk/journalists/milo-yiannopoulos/">Milo Yiannopoulos</a> bei telegraph.co.uk. Es geht um die Initiative <a href="http://i-comp.org/">ICOMP</a>, über die ich bereits 2009 berichtet hatte (s. unten). Milo schreibt:</p>
<blockquote><p>ICOMP is a organisation whose sole purpose appears to be to attack Google: it was set up to protest against Google&#8217;s DoubleClick acquisition and has spent the last few years churning out blog posts slamming the search giant and approaching journalists out of the blue with carefully primed stories. Why does this matter? Because ICOMP is almost entirely funded &#8211; and not always wholly transparently &#8211; by Microsoft, one of Google&#8217;s main competitors in search.</p></blockquote>
<p>Ein guter Artikel, der offenlegt, dass ICOMP nichts anderes ist als eine &#8220;Strohorganisation&#8221;, die übernimmt, was Microsoft nicht offen tun möchte: Google zu attackieren. Auf EU-Ebene geschieht das dadurch, dass Google vorgeworfen wird, eine Markt beherrschende Stellung auszunutzen.</p>
<p>Für uns in Deutschland ist interessant, dass ICOMP die Forderung nach dem <a href="http://immateriblog.de/category/leistungsschutzrecht/">Leistungsschutzrecht</a> unterstützt  und Verlagen wie der Axel Springer AG und seinem Cheflobbyisten Christoph Keese ein Podium bietet. In meinem Artikel <a href="http://www.message-online.com/94/spielkamp.html">Die Lobbyisten der Unfreiheit</a> im September 2009 in der <em>Message &#8211; internationale Zeitschrift für Journalismus</em> hatte ich geschrieben:</p>
<blockquote><p>Beim Bundesjustizministerium ist zu diesem Zeitpunkt die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht bereits bekannt. Der Springer-Verlag hatte sie wiederholt ins Spiel gebracht, etwa bei der Tagung »Digitale Revolution – Chance oder Bedrohung für die Kreativwirtschaft« am 5. Februar 2009. Veranstaltet wurde die Konferenz von der Europa-Union, einer Organisation zur Förderung der europäischen Idee, und ICOMP, der »Initiative for a Competitive Online Marketplace« (Initiative für einen wettbewerbsfähigen Online-Markt).</p>
<p>Als Sekretariat der ICOMP agiert PR-Agentur Burson Marsteller, die bereits die Belange der Regierungen Nigerias während des Biafra-Kriegs vertrat, Indonesien nach den Massakern in Ost-Timor beriet und für Rumänien während der Ceausescu-Diktatur arbeitete. ICOMP ist nach eigenen Angaben »eine Industrie-Initiative für Organisationen und Unternehmen, die im Internet-Geschäft tätig sind, vor allem Online-Verlage und -Werbetreibende, Internet-Service- und Netzwerk-Provider und Agenturen für Online-Werbung«.</p></blockquote>
<p>Wie erfolgreich das Lobbying war, ist inzwischen allen klar, die sich <a href="http://leistungsschutzrecht.info/">mit dem Thema beschäftigen</a>. Auch <a href="http://wuv.wuv.de/nachrichten/digital/bdzv_begruesst_bing_angriff_auf_google">BDZV und VDZ</a>, <a href="http://www.presseschauer.de/?p=1027">Keese</a> und <a href="http://carta.info/18559/fair-share-verlage-leistungsschutzrecht-robert-schweizer/">Burda-Lobbyist Robert Schweizer</a> berufen sich bei vielen Gelegenheiten auf &#8220;Fair Search&#8221; und &#8220;Fair Share&#8221; als Bewertungsmaßstäbe einer &#8220;gerechten&#8221; Funktion von Suchmaschinen, speziell natürlich Google. Und wo werden diese Maßstäbe definiert? In einem White Paper von ICOMP (<a href="../wp-content/uploads/2010/07/ICOMP_IP_German.PDF">Deutsch</a> – PDF, 1,4 MB | <a href="http://www.i-comp.org/%7Eicomppsb/ICOMP_IP_English_v8_HIRES%20FINAL.pdf">English</a> – PDF, 952 kb). Inzwischen gibt es auch die Organisation <a href="http://www.fairsearch.org/">FairSearch.org</a>, die die Interessen zwar transparenter macht, die aber erst im Dezember 2010 gegründet wurde. Hier übrigens die sehr lesenswerten Entgegnungen von Googles <em>Vice President of Search Products &amp; User Experience</em> Marissa Mayer (<a href="http://googlepublicpolicy.blogspot.com/2010/07/our-op-ed-regulating-what-is-best-in.html">Do not neutralise the web’s endless search</a>) und Suchmaschinenguru Danny Sullivan (<a href="http://searchengineland.com/regulating-the-new-york-times-46521">The New York Times Algorithm &amp; Why It Needs Government Regulation</a>) auf die Forderung nach &#8220;Fair Search&#8221;.</p>
<p>Ich stimme Milo zu, dass Google eine Menge Dinge tut, die untersucht werden sollten und bin selber erfreut darüber, dass die <a href="http://www.golem.de/1011/79773.html">EU sich das Geschäftsgebaren der Firma näher ansieht</a>. Und selbstverständlich sind die Google-Lobbyisten keine Altruisten, auch wenn sie so auftreten. Dennoch schließe ich mich Milo auch in seiner Schlussfolgerung an:</p>
<blockquote><p>if Microsoft wants to have an open, honest debate on the merits of privacy &#8211; not to mention anti-trust &#8211; it should do so in the public square, and not hide behind &#8220;initiatives&#8221; that fail to adequately disclose their relationship with the mother ship.</p></blockquote>
<p>Das gleich gilt für Springer, Burda, Holtzbrinck und all die anderen, die ein Leistungsschutzrecht fordern und sich dabei von Microsoft via ICOMP/Marson Bursteller bereitwillig unter die Arme greifen lassen.</p>
<p><strong>Aktualisierung (21.3., 12.50 Uhr):</strong> Ebenfalls übersehen hatte ich, dass Detlef Borchers die Rolle von ICOMP in der Januarausgabe der <a href="http://www.heise.de/ix/artikel/Bruecken-bauen-Bruecken-abbrechen-1153263.html">IX näher beleuchtet</a> hatte. Wolfgang Sander-Beuermann, Vorsitzender des Suma e.V. und ICOMP-Beiratsmitglied, hatte daraufhin eine <a href="http://www.i-comp.org/blog/?p=391">Entgegnung im ICOMP-Blog</a> geschrieben. Den Blogeintrag, den ich begonnen hatte zu schreiben, als ICOMP den <a href="http://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBMQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.i-comp.org%2Fresources%2Fview%2F559%2Ffile&amp;rct=j&amp;q=SUma%20ICOMp&amp;ei=KDuHTbrPAseSswbjmbytAw&amp;usg=AFQjCNFJkaqBh9PEuhDdXZAUIww93vaCjA&amp;cad=rja">Beitritt des Suma e.V. zu ICOMP</a> (PDF) verkündet hatte, habe ich leider nie beendet. Schade.</p>
<p><strong>Aktualisierung (23.3., 18.50 Uhr): </strong><a href="http://immateriblog.de/in-eigener-sache/icomp-antwortet-zu-microsoft-suma-und-leistungsschutzrecht/">ICOMP antwortet zu Microsoft, SuMa und Leistungsschutzrecht</a></p>
 ]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Qualitätsprobleme im Journalismus und ihre Ursachen: Protokoll veröffentlicht</title>
		<link>http://immateriblog.de/in-eigener-sache/qualitatsprobleme-im-journalismus-und-ihre-ursachen-protokoll-veroffentlicht/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 10:04:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<category><![CDATA[angemessene Vergütung]]></category>

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		<description><![CDATA[
Zum öffentlichen Expertengespräch &#8220;Qualitätsprobleme im Journalismus und ihre Ursachen&#8221; des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien, an dem ich am 23. Februar 2011 teilgenommen habe, steht seit einiger Zeit bereits das Video zur Verfügung, nun auch das Wortprotokoll (PDF,193 kb).
Ich veröffentliche hier nicht mein Eingangsstatement, sondern meine Antwort zur Frage nach dem Leistungsschutzrecht, weil das der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object type="application/x-shockwave-flash" data="http://webtv.bundestag.de/iptv/swf/xflv/showIt3.swf" width="400" height="255" id="showIt" style="width: 400px; height: 255px;"><param name="movie" value="http://webtv.bundestag.de/iptv/swf/xflv/showIt3.swf"/><param name="menu" value="true" /><param name="quality" value="high" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="swliveconnect" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="scalemode" value="showall" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="flashvars" value="plugin_version=9.0.115&amp;bandwidth=514&amp;xasxTemplate=xasx_od.xml&amp;autoPlay=false&amp;skin=od_embed_ext&amp;application=144277506&amp;playerLink=http://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/od_player.html&amp;baseUrl=http://iptv.cdn.tv1.de/iptv/player/macros&amp;params=?r=r$contentId=1011774$singleton=true$forcedWidth=400$forcedHeight=225$keepVideoAspectRatio=true&amp;language=de" /></object></p>
<p>Zum öffentlichen Expertengespräch &#8220;<a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/33462205_kw08_pa_kultur_medien/index.html">Qualitätsprobleme im Journalismus und ihre Ursachen</a>&#8221; des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien, an dem ich am 23. Februar 2011 teilgenommen habe, steht seit einiger Zeit bereits das Video zur Verfügung, nun auch das <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a22/oeffentliche_Sitzungen/31_journalismus/protokoll.pdf">Wortprotokoll</a> (PDF,193 kb).</p>
<p>Ich veröffentliche hier nicht mein Eingangsstatement, sondern meine Antwort zur Frage nach dem Leistungsschutzrecht, weil das der konkretere und wahrscheinlich für viele Leser interessantere Teil ist:</p>
<p><span id="more-2149"></span></p>
<p><strong>Abg. Herbert Behrens (DIE LINKE.):</strong> Meine Frage geht an Herrn Spielkamp. Es geht auch noch einmal um die Frage der wirtschaftlichen Situation der handelnden Akteure. Ich würde ganz gerne einmal die Seite wechseln und die Verlegerseite von Ihnen beleuchtet sehen angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren von dieser Seite immer wieder Entscheidungen getroffen worden sind, die sehr zu Lasten des Journalismus und der Qualität gegangen sind. Ob es nun um den Tagesspiegel ging oder um Outsourcing in Redaktionen oder ob wir uns vor Augen führen, dass aktuell Redakteure und Journalisten bei den Tageszeitungen um ihre Tarife kämpfen und die Verleger sagen: „Es darf aber nur ein bisschen weniger sein.“ Über Zuwächse wird gar nicht mehr diskutiert. Das deutet darauf hin, dass die Verleger gegenüber den Akteuren eine ungemeine Macht zu haben scheinen. Nun gehören Sie zu den herausragenden Kritikern des Leistungsschutzrechtes, was ja quasi noch ein neuer Punkt ist, um den Verlegern weitere Einnahmemöglichkeiten zu schaffen.Was sind eigentlich die zentralen Kritikpunkte, die zu beachten sind? Wie Sie wissen, befinden wir uns ja gerade in einer Diskussion, in der es unter anderem um Leistungsschutzrechte der Zeitungsverlage geht.</p>
<p><strong>Matthias Spielkamp (Projektleiter iRights.info):</strong> Ich danke Herrn Abg. Behrens für seine Frage zum Leistungsschutzrecht, denn diese Frage gibt mir die Möglichkeit, noch einmal auf einen wichtigen Konflikt hinzuweisen. Ebenfalls möchte ich in meine Antwort den Beitrag von Herrn Dr. Wolfgang Storz und die Frage von Frau Abg. Dr. Lukrezia Jochimsen mit einbeziehen.</p>
<p>Es ist tatsächlich der Fall, dass sich die wirtschaftliche Lage der freiberuflichen Journalisten zunehmend verschlechtert. Die wirtschaftliche Lage der festangestellten Journalisten ist noch nicht abzusehen, da gerade die Tarifverhandlungen laufen. Die zuständigen Verbände haben errechnet, dass danach ein Journalist, der heute einen Vertrag unterschreibt, im Alter von 40 Jahren mit entsprechender Berufserfahrung, ungefähr 30 bis 35 Prozent weniger verdienen wird als ein Journalist, der heute in der gleichen Situation ist.Wenn dies in anderen Branchen geschehen würde, wäre mit Protesten zu rechnen.</p>
<p>Auch möchte ich darauf hinweisen, dass es für freiberufliche Journalisten gemeinsame Vergütungsregeln gibt. Ich selbst bin seit 15 Jahren Mitglied bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Fachgruppe dju. Meiner Meinung nach ist es eine Katastrophe, was die dju gemeinsam mit dem DJV ausgehandelt hat. Die sogenannte angemessene Vergütung, die sichergestellt werden soll, beginnt bei 47 Cent pro Zeile. Wenn man ausrechnet, was Journalisten für eine saubere Recherche an Zeit benötigen und diese dann auch noch zu Papier gebracht werden muss, sind das Arbeitsbedingungen, die schwer vorstellbar sind. Es ist meiner Meinung nach offensichtlich, dass unter diesen Bedingungen keine Qualität entstehen kann.</p>
<p>Explizit möchte ich nochmals anführen, da dies in engem Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht steht, dass auf der anderen Seite die Presseverleger stehen, die für sich ein zusätzliches Recht beanspruchen wollen. Im Koalitionsvertrag ist dies bereits festgehalten, dass dieses Leistungsschutzrecht geschaffen werden soll. Das Gesetz bringt meiner Meinung nach verschiedene Gefahren mit sich, aber keine Verbesserungen. Selbst Christoph Keese, der sozusagen der Botschafter in Politik und Öffentlichkeit war, sagt, dass, wenn das Leistungsschutzrecht käme, dies die Verlage nicht retten werde. Ich frage mich aber, warum dafür so hart gekämpft wird. Denn es ist ja so, wenn ein Leistungsschutzrecht eingeführt werden würde, müsste für das gewerbliche Lesen von Informationen, die von den Verlagen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, eine Abgabe gezahlt werden. Zum Beispiel ist Welt Online ein Angebot, das der Axel Springer Verlag kostenlos zur Verfügung stellt. Das müsste der Verlag nicht tun, er könnte dieses Angebot auch einfach hinter eine Paywall stellen. Doch obwohl er das nicht tut, müssten für das Lesen der kostenlos angebotenen Artikel dann, auch vom Deutschen Bundestag, Gebühren gezahlt werden. Diese Gebühren würden über Verwertungsgesellschaften an die Verlage und nicht an die Journalisten ausgeschüttet. Die Journalisten hätten, solange sie Freiberufler sind, ein doppeltes Problem, denn sie wären nicht mehr in der Lage, weiterhin über ihre eigenen Werke zu verfügen. Das Leistungsschutzrecht ginge über das hinaus, was das Urheberrecht vorsieht, nämlich, dass man seine eigenen Werke lizenzieren kann. Als Journalist habe ich das Recht, einem Verlag aufzuerlegen, meinen Artikel nach meinen Vorstellungen zu nutzen. Gäbe es das Leistungsschutzrecht, würde der Verlag ein eigenes Recht an diesem Artikel bekommen. Mir als Journalist würde untersagt, diesen Artikel weiter zu lizenzieren, also an weitere Anbieter weiter zu verkaufen und ein Honorar dafür zu erhalten, während den Verlagen dieses Recht eingeräumt würde. Ich bin der Meinung, dass dies unter Berücksichtigung der aktuellen Verhandlungsposition, in der sich die Journalisten befinden, nicht möglich sein kann.</p>
<p>Ich möchte noch darauf hinweisen, dass keine Untersuchung vorliegt, welches Problem mit dem Leistungsschutzrecht gelöst werden sollte oder gelöst werden könnte, wenn es denn eingeführt werden sollte.</p>
<p>Ein weitaus dringenderes Problem, was noch auf die Gesellschaft zukommen könnte, ist, dass sogenannte Snippets unter ein Schutzrecht gestellt werden würden. Snippets sind kurze Ausschnitte, die bisher nicht urheberrechtlich geschützt werden, weil sie keine sogenannte Schöpfungshöhe haben. Durch das Leistungsschutzrecht würden sie allerdings geschützt. Damit bestünde die Gefahr zumindest einer Teilmonopolisierung der Sprache. Davor kann nicht genug gewarnt werden.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Interview mit den Netzpiloten: Leistungsschutzrecht, Verlage, Wikileaks</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 16:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor fast genau einem Jahr, zur re:publica10, hat mich Meike Laaff für die Netzpiloten zu den Themen Leistungsschutrecht, Zukunft der Verlage, Wikileaks etc. befragt. Irgendwie ist das dort wohl liegen geblieben, so dass es erst jetzt veröffentlicht wurde. Ich bette es hier dennoch ein, denn es ist durchaus spannend zu sehen, wie wenig die Diskussion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor fast genau einem Jahr, zur re:publica10, hat mich Meike Laaff für die <a href="http://www.netzpiloten.de/2011/03/17/m-spielkamp-zum-thema-leistungsschutzrecht/">Netzpiloten</a> zu den Themen Leistungsschutrecht, Zukunft der Verlage, Wikileaks etc. befragt. Irgendwie ist das dort wohl liegen geblieben, so dass es erst jetzt veröffentlicht wurde. Ich bette es hier dennoch ein, denn es ist durchaus spannend zu sehen, wie wenig die Diskussion vorangekommen ist in den letzten 11 Monaten. An anderen Stellen wiederum ist interessant, was sich dann doch getan hat. Wenn ich z.B. sage, dass ich gespannt bin zu erfahren, wie die FDP sich verhielte, wenn sich ein wichtiger Industrieverband gegen das Leistungsschutzrecht positioniert, dann kann man das <a href="http://leistungsschutzrecht.info/stimmen-zum-lsr/presseartikel/fdp-staatssekretaer-fordert-von-den-verlagen-vermitteln-sie-ihr-anliegen-praegnanter">nun beobachten</a>, denn der <a href="http://leistungsschutzrecht.info/stimmen-zum-lsr/stellungnahme/gemeinsame-erklaerung-zum-vorhaben-eines-leistungsschutzrechts-fuer-presseverleger">BDI hat inzwischen genau das getan</a>. Es sieht natürlich etwas dumm aus, wenn ich von Wikileaks und ihrem Scoop mit dem Irak-Video spreche, aber genau deshalb erläutere ich hier die Hintergründe.</p>
<p>(Der Vimeo-Embed zerschießt mein Blog und ich kann den Grund dafür nicht finden &#8211; daher Klick auf das Bild und ab geht&#8217;s zu den Netzpiloten.)</p>
<p><a href="http://www.netzpiloten.de/2011/03/17/m-spielkamp-zum-thema-leistungsschutzrecht/"><img class="wp-image-2146 size-medium" title="Video-Interview Matthias Spielkamp bei den Netzpiloten" src="http://immateriblog.de/wp-content/uploads/2011/03/netzpiloten-300x171.png" alt="" width="300" height="171" /></a></p>
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		<title>Verdi-Fachgruppe Medien will keine Internet-Überwachung</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 08:57:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Regulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Lobbyismus]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Delegierten der Bundesfachgruppenkonferenz Medien 2011 der Gewerkschaft Verdi haben mit großer Mehrheit einen Antrag verabschiedet, der sich gegen Warnschilder für potenzielle Urheberrechtsverletzer ausspricht.
Der Beitrag hätte eigentlich am vergangenen Samstag erscheinen sollen,  dem Welttag gegen Internetzensur. Aber besser spät als nie, vor allem,  wenn es gute Nachrichten gibt.
Nach diesen guten Nachrichten sah es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Delegierten der <a href="http://www.verdi.de/medien-kunst-industrie/medien/fachgruppe_medien/bundesfachgruppenkonferenz-2011">Bundesfachgruppenkonferenz Medien 2011</a> der Gewerkschaft Verdi haben mit großer Mehrheit einen Antrag verabschiedet, der sich gegen Warnschilder für potenzielle Urheberrechtsverletzer ausspricht.</strong></p>
<p>Der Beitrag hätte eigentlich am vergangenen Samstag erscheinen sollen,  dem Welttag gegen Internetzensur. Aber besser spät als nie, vor allem,  wenn es gute Nachrichten gibt.</p>
<p>Nach diesen guten Nachrichten sah es lange Zeit nicht aus. Eine Arbeitsgruppe der Gewerkschaft hatte im Juli vergangenen Jahres im Verdi-Mitgliedernetz den Entwurf für ein Positionspapier mit dem Titel &#8220;<a href="https://medien-kunst-industrie.verdi.de/medien/data/ver.di-Bundesvorstand-Positionspapier-zum-Urheberrecht-7-Seiten.pdf">Internet und Digitalisierung – Herausforderungen für die Zukunft des Urheberrechts</a>” (PDF) veröffentlicht.</p>
<p>Den Entwurf selbst hatten <a href="http://immateriblog.de/in-eigener-sache/kolleginnen-macht-die-augen-auf-zum-verdi-positionspapier-zum-urheberrecht/">ich</a> und <a href="http://immateriblog.de/urheberrecht/unwetterwarnungen-bei-shitstorm-gefahr-andrea-kamphuis-zum-verdi-positionspapier-zum-urheberrecht/">andere</a> Verdi-Mitglieder aus verschiedenen Gründen kritisiert; bemängelt haben wir außerdem die Art, wie <a href="http://immateriblog.de/in-eigener-sache/kolleginnen-eure-ansichten-sind-uns-egal-oder-wie-bei-ver-di-eine-monatelange-intensive-diskussion-aussieht/">mit dieser Kritik umgegangen</a> wurde. Das Positionspapier wurde vom Bundesvorstand am 25. Okotber verabschiedet, inklusive der Forderung nach Warnhinweisen, die auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hinweisen sollen.</p>
<p>Die Kritik, die daraufhin auch öffentlich geäußert wurde (<a href="http://www.irights.info/index.php?q=node/1937">iRights.info</a>, <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/ver-di-will-irgendwie-stoppschilder-gegen-urheberrechtsverletzungen/">netzpolitik.org</a>, <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/urheberrecht-verdi-gewerkschaft-an-der-sperr-spitze-1.1021142">Süddeutsche Zeitung</a>), wurde von den Verantwortlichen als Missverständnis dargestellt; zum Teil wurden auch <a href="http://www.irights.info/?q=content/denn-sie-wissen-nicht-was-sie-fordern">Vorwürfe</a> laut, das Papier sei absichtlich missverstanden worden, um Verdi in ein schlechtes Licht zu rücken. Das war besonders pikant angesichts der Tatsache, dass der europäische Gewerkschaftsdachverband <a href="http://immateriblog.de/urheberrecht/gewerkschaftsdachverband-fordert-netzwerkmanagement-zur-bekampfung-von-urheberrechtsverletzungen/">UNI-MEI eine Totalüberwachung  jeglichen Netzverkehrs fordert</a>, um Urheberrechtsverletzungen zu bekämpfen. Verdi ist Mitglied der <a href="http://www.uniglobalunion.org/apps/iportal.nsf/pages/sec_20081016_gbkcEn">UNI-MEI</a>, <a href="http://www.verdi.de/medien-kunst-industrie/bereich_kunst_und_kultur/bereichsleiter_heinrich_bleicher-nagelsmann">Heinrich Bleicher-Nagelsmann</a>, Bereichsleiter Kunst und Kultur bei Verdi, außerdem Bundesgeschäftsführer des VS – Verband deutscher Schriftsteller bei Verdi, ist Präsident der UNI-MEI.</p>
<p>Doch Verdi ist eine große Gewerkschaft und kein monolithischer Block. Was dazu führte, dass erstens eine <a href="http://immateriblog.de/in-eigener-sache/alles-gratis-alles-umsonst-urheberrecht-und-informationsfreiheit-im-netz/">Podiumsdiskussion zu den Forderungen des Positionspapiers</a> organisiert wurde, zu der Kritiker wie Falk Lüke (nicht Verdi-Mitglied) und ich (immer noch Verdi-Mitglied) eingeladen waren. Zweitens wurde von <a href="http://dju-berlinbb.verdi.de/vorstand">Vorstand</a> des <a href="http://www.dju-berlin.de/">dju-Landesbezirks Berlin-Brandenburg</a> ein Antrag mit dem Titel &#8220;<a href="http://immateriblog.de/wp-content/uploads/2011/03/Antrag-Presse-Informaions-und-Meinungsfreiheit-im-Internet.pdf">Presse-, Informations- und Meinungsfreiheit im Netz sichern</a>&#8221; (PDF) gestellt, der sich explizit gegen das Positionspapier des Bundesvorstands richtet. Nicht nur die ersten Absätze lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:</p>
<blockquote><p>ver.di setzt sich offensiv für die Presse-, Informations- und Meinungsfreiheit im Internet ein und gegen Hinweis- und Stoppschilder auf Internetseiten, Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren. Inhalte, die über das Netz transportiert werden, werden nicht gefiltert oder diskriminiert.</p>
<p>Gleichzeitig setzt sich ver.di dafür ein, dass moderne Anwendungen und Technologien wie „Deep Packet Inspection“ zum Filtern oder Überwachen von Inhalten im Internet bei den Netzbetreibern unzulässig bleiben. Richterliche Vorbehalte gegen die Herausgabe von Nut-zerdaten und die Sperrung von verbotenen Inhalten müssen erhalten bleiben.</p>
<p>Alle ver.di-Positionen zum Internet werden darauf hin überprüft und gegebenenfalls revidiert. Gegen gegenteilige Positionen von internationalen Gewerkschaftsorganisationen (UNI-MEI, UNI-Europe) wird ver.di sich öffentlich positionieren.</p></blockquote>
<p>Dieser Antrag wurde am Samstag, dem 26. Februar, von den Delegierten der Fachgruppenkonferenz mit großer Mehrheit angenommen. Das ist auf der Verdi-Seite bisher nicht zu sehen, wird aber von den Verantwortlichen bei Verdi bestätigt.</p>
<p>Beschlossen wurde auch, dass der Antrag an die Bundesfachbereichskonferenz des Fachbereichs 8  (Medien, Kunst und Industrie) am 16./17. April und den Verdi-Bundeskongress im September weitergeleitet wird. Der stellvertretende Verdi-Chef und Leiter des Fachbereichs 8, <a href="http://aufbau.verdi.de/bundesvorstand/frank_werneke">Frank Werneke</a>, hatte sich nicht nur in seinem offenen Brief hinter das Positionspapier gestellt, sondern diese Haltung auch noch einmal in seinem Vortrag auf der Bundesfachgruppenkonferenz bekräftigt. Ob er und der Bundesvorstand das Votum zum Anlass nehmen werden, das Positionspapier zu überarbeiten, ist ebenso unklar, wie die Antwort auf die Frage, wie sich Verdi innerhalb der UNI-MEI verhalten wird. Es bleibt also spannend.</p>
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