06_07

Ilja Braun hat sich der Frage angenommen, was Verlage E-Book-Käufern (sind es überhaupt “Käufer”?) vorschreiben wollen, was davon rechtens ist, wie’s in der Frage weitergeht. Hier sein Ergebnis.

Die Verwertungsgesellschaft Wort versucht zum dritten Mal, Geld für Texte im Internet auszuschütten. Freiberufliche Autoren werden dabei unter Umständen doppelt übergangen – zugunsten der Verlage. Die VG Wort hat es in der Hand, das zu ändern. Doch sie tut es nicht. Ilja Brauns Text bei iRights.info: Die VG Wort stellt sich taub

Wer die Überschrift liest und einen Schrecken bekommt, weil er denkt, ich habe jetzt auch den Heidelberger Appell unterzeichnet, der kann beruhigt sein. Ich habe die sinnlose Gegenüberstellung nur verwendet, weil die WELT es auch macht:

umfrage-WELT

Beam me up, Scotty, there’s no intelligent life on this planet.

Eigentlich hatte Hendrik Werner einen erstaunlich differenzierten Artikel über die Petition zu Open Access geschrieben – und dann haut ihm die (Online-)Redaktion diese idiotische Umfrage in die Seite. Klick mich oder ich schlag Dich. An Werners Stelle würde ich die Kollegen mal schnell ins Gebet nehmen.

Ich erspare mir jetzt zu erläutern, warum niemandes Urheberrechte in Gefahr sind, der seine Werke Open Access zugänglich macht. Das habe ich oft genug getan. Wer’s nicht weiß, aber interessiert ist, der lese den Wikipedia-Eintrag.

Ach ja: Hier geht’s zur Petition.

Ich finde, das hat was: Internet-Unternehmer – turned Blogger – turned Suchmaschinenbetreiber – turned Vodcaster Jason Calacanis skizziert ein Szenario, in dem Verleger geschlossen mit Bing (oder Yahoo) verhandeln, dass ihre Inhalte dort gegen Gebühr indexiert werden.

Gleichzeitig wird Google blockiert. Wer will die Suchmaschine nutzen, bei der er dann die Inhalte der New York Times, von CNN und der Washington Post nicht mehr findet? Wenn das erstmal gelungen ist, kann man auch von Google Geld eintreiben.

Ich wäre für Hinweise dankbar, warum ich das nicht gut finden soll. Denn im Moment sehe ich nur den Charme dieser Strategie: Googles Konkurrenz zu stärken, um sich in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen. Genau das soll ja eine Marktwirtschaft mit Konkurrenz ermöglichen. Und die Debatte um ein Leistungsschutzrecht können sich die Verleger damit auch klemmen.

Ist schon klar: Die Verlage würden zunächst sehr viel Traffic verlieren, denn z.B. in Deutschland ist der Marktanteil von Bing und Yahoo verschwindend gering. Aber bei dem, was auf dem Spiel steht, halte ich es für denkbar, dass sich genug zusammenschließen. Allerdings würde schon ein prominenter Ausreißer, wie Spiegel Online, die Erfolgsaussichten sehr schmälern. Und auch das wäre Marktwirtschaft…

Nun gut: Jeff Jarvis ist der Ansicht, dass die Strategie aus dem Grund, den ich auch genannt habe (die Konkurrenz unter den News-Anbietern) niemals funktionieren wird. Außerdem verliere Google so gut wie gar nichts, da in den ersten Treffern der Suche Verlagsangebote kaum eine Rolle spielen. Und nicht zuletzt (so habe ich in Gesprächen in den letzten Tagen auch schon häufiger argumentiert) kann man Seiten hochziehen, die Verweise anbieten, die wiederum von Google indexiert werden. Ich will mich auch gar nicht dazu versteigen zu behaupten, dass das funktionieren kann. Allerdings denke ich schon, dass die Aufmerksamkeit, die der Google-Konkurrenz zukommen würde, recht groß wäre.

Hier noch eine gute Zusammenfassung von Netzökonom Holger Schmidt.

Begrenzter-Journalismus

Gerade ist beim Mainzer Mediendisput die Studie Begrenzter Journalismus (PDF, 1,2 MB) erschienen und wird wohl auch angeregt diskutiert, wie ZEIT online berichtet. Demnach hat sich Kurt Beck dafür ausgesprochen, Qualitätsjournalismus zu fördern. Wie, das hat er (natürlich) offen gelassen. (Christiane Schulzki-Haddouti hatte mich für die Studie befragt.)

Interessant in dem Zusammenhang der Hinweis, dass ich am kommenden Montag auf einer Podiumsdiskussion des Instituts für Medien- und Kommunikatiosnpolitik (IfM) zusammen mit Christoph Keese und Markus Beckedahl über das Leistungsschutzrecht diskutieren werde. Etwas ärgerlich ist, dass es unter der Überschrift >Die “Hamburger Erklärung” gegen das “Internetmanifest”< angekündigt ist und auch so verstanden wird. Ich habe allerdings nichts mit dem Internetmanifest zu tun.

Ich habe heute folgenden Kommentar bei netzpolitik zur Meldung geschrieben, dass das Buch Reboot_D: Digitale Demokratie – Alles auf Anfang, herausgegeben von Ulrike Reinhard und Hendrik Heuermann, nun erhältlich ist:

Schön, dass das Buch unter CC zur Verfügung steht. Interessant ist, dass das PDF so lausig strukturiert ist, dass man es unmöglich für einen eReader tauglich machen kann. Es ist vielleicht Kritik an die falsche Adresse, weil das wahrscheinlich alles LowBudget ist, aber gerade bei solchen Projekten sollte man das bedenken. Es sei denn, es ist bedacht worden: als DRM…

Die DRM-Bemerkung war nur halb ernst gemeint, aber immerhin hätte es eine Motivation gegeben, die ich nicht unbedingt verwerflich gefunden hätte: bei einem Dual-Licensing-Modell dafür zu sorgen, dass das Buch einen größeren Nutzen hat. Ulrike Reinhard sagt mir aber, dass das nicht der Fall ist, sondern (wie ich ja auch vermutet hatte) der Tatsache geschuldet ist, dass sich niemand damit auskennt und auch keiner dran gedacht hatte. Jedenfalls würde sie es gern auch als eBook-Format anbieten, weiß aber nicht, wie.

Ich weiß es auch nicht, sondern nur, dass die zum PDF gemachte Quark-Xpress-Version einen ganz tollen Formatierungszauber hinlegt:

d-eBook

Aber es wäre doch gelacht, wenn man Ulrike nicht helfen könnte, oder? Tipps und sachdienliche Hinweise bitte in den Kommentaren! Und vorab schon mal vielen Dank.

In der FTD schreibt Joachim Dreykluft:

Verleger und auch die allermeisten Journalisten sind fälschlicherweise davon überzeugt, dass ihre Leser tatsächlich für gedruckte Inhalte zahlen.

Dann dröselt er – recht umständlich – auf, was er für den Irrglauben hält (dass für Inhalte bezahlt werde) und kommt zu dem Schluss, es werde nicht für Inhalte bezahlt, denn es gebe ja Anzeigen:

Doch wer bezahlt die Inhalte, also die Journalisten? Hierfür haben sich Verleger schon vor Hunderten von Jahren eine zweite Einnahmequelle ausgedacht: Anzeigen. So gut wie kein Blatt der Welt verzichtet darauf. Bislang fiel die Tatsache, dass gar nicht die Leser die Journalisten bezahlen, nicht weiter auf.

Nun gut, es ist sicher nicht verkehrt, mal wieder daran zu erinnern, dass die Kosten- und Erlösstrukturen bei Verlagen komplex sind. Dann frage ich mich allerdings, warum Dreykluft keine Zahlen nennt. Hier sind sie:

erloeseQuelle: BDZV

Die Verhältnisse haben sich im Gegensatz zum Vorjahr verschoben, als noch 45,8 Prozent aus Anzeigen stammte, 44,8 Prozent aus dem Vertrieb und 9,3 Prozent aus Fremdbeilagen. Was aber sicher daran liegt, dass die Anzeigenerlöse immer weiter sinken. Dreykluft fährt fort:

Denn alle Einnahmen kamen in der guten alten Zeit in einen Pott. Druckereierlöse, Vertriebserlöse, Anzeigenerlöse. Am Ende wurde zusammengezählt. Heraus kaum oft eine schöne schwarze Zahl.

Wenn Dreykluft die Zahlen der Zeitungsverleger bezweifelt, dann hätte ich das gern gewusst und auch einen Beleg dafür gesehen, warum er es tut.  Aber eins kann man  sicher nicht schließen:

Denn der Leser ist nicht bereit, neben den Distributionskosten auch noch den Inhalt zu finanzieren.

So schön es auch ist, wenn Bewegung in die Diskussion kommt, indem die Verlage selber solche Standpunkte zulassen und sie in ihren Publikationen diskutieren, so sehr hätte ich mir gewünscht, dass es etwas differenzierter gemacht wird.

Na, besser hätte es gar nicht laufen können. Gestern habe ich beim kontext-Stipendiatentreffen einen Vortrag darüber gehalten, wie man das Netz nutzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Der Vortrag ist gut angekommen und es gab eine sehr spannende Diskussion, die länger als eine Stunde gedauert hat – was zeigte, dass das Thema die Kolleginnen und Kollegen wirklich beschäftigt.

Selbstverständlich habe ich die Slides veröffentlicht, damit sich alle in Erinnerung rufen können, worüber wir gesprochen haben.

Und bis heute um 18 Uhr gab’s bereits acht Erwähnung anderer Twitterer, darunter einige mit Folower-Zahlen, die in Deutschland als sehr hoch gelten dürfen (UPDATE: Nachdem nun noch einige hinzu gekommen sind, habe ich die Tabelle aktualisiert und werde das auch weiter tun, wenn es mehr Erwähnungen werden – nicht bis in alle Ewigkeit, aber so lang ist die Halbwertzeit dann ja auch wieder nicht):

Twitter-NameFollower
mediummagazin3344
Askowronek1283
pstawowy1016
hemartin981
KarolaRiegler964
mobilefriend765
bibliothekarin394
dingstweets325
DJV_RLP216
morphem109
gesamt9397
.

(Habe zum ersten Mal das Tabellen-Plugin WP-Table Reloaded verwendet. Keine Ahnung, ob und wie man Links einfügen kann, daher sind die Twitter-Namen nicht aktiv.)

Beim Stipendiatentreffen des Vereins kontext habe ich heute einen Vortrag gehalten über die Frage, wie Journalistinnen und Journalisten Social Media und Creative Commons nutzen kann, um sich selbst besser zu positionieren und von Auftraggebern unabhängig zu machen. Die Präsentation allein ist sicher wenig verständlich (ich habe leider vergessen, dass man das ganze auch auf Video hätte aufnehmen können), aber ich wollte sie zumindest für diejenigen zur Verfügung stellen, die dabei waren. Und wenn auch andere etwas interessantes darin finden, umso besser. Hier also die Slides zum Durchklicken, und natürlich auch als PDF zum Download (5,8 MB).

oa-woche

Am vergangenen Montag habe ich Auftaktveranstaltung zur internationalen Open-Access-Woche in München (Open Access – eine Option für alle Wissenschaftsbereiche?) moderiert. Dort diskutierten Gudrun Gersmann, Historikerin vom Deutschen Historischen Institut in Paris, Gerhard Lauer, Literaturwissenschaftler der Universität Göttingen,
Rainer Jonas, Biowissenschaftler vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung, Joachim Wambsgans, Astronom der Universität Heidelberg und Anke Beck, Vice President Publishing beim Verlag Walter deGruyter.

Inzwischen sind die Videos der Diskussion online.

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