Jun
16
Ist Kreativität die neue Steinkohle?
Filed Under Arbeit2.0, E-Books, GoogleBooks, Lobbyismus, Musik, Publizieren, Urheberrecht, Veranstaltungen, Verlage, Wirtschaft, digitales Publizieren | 3 Comments
Ein seltsames Erlebnis, bei der Jahreskonferenz der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft zu sein. Kaum einer der (vielen) vermeintlich kreativen Podiumsteilnehmer verzichtete auf den Appell an „den Staat“ oder „die Regierung“. Der eine versteht darunter, dass subventionierter Gewerberaum zur Verfügung gestellt wird, der nächste möchte gern, dass deutsche Kreativität im Ausland vermarktet wird (mit steuerfinanzierten Subventionen), der dritte will Kreativitätsausbildung an Schulen, und dann gibt es noch die, die gern neue Gesetze zum Schutz „geistigen Eigentums“ hätten. Schwer zu glauben, dass man sich in einem Raum voller „Kreativer“ befunden haben soll.
Ausnahmen wie der Designer Michael Michalsky bestätigen die Regel, aber der kommt auch aus einer Industrie, die traditionell so gut wie überhaupt keinen Schutz genossen hat, sondern sich immer gegen enorme Konkurrenz behaupten musste. Im Gegensatz zu den angeblich Not leidenden Unternehmen der Musikindustrie und, the new kid on the block, den Presseverlagen. Der allgegenwärtige Dieter „Musikindustrie“ Gorny war da, und fehlen durfte nicht Christoph Keese, der sich nicht entblödete, sich in den Tagungsunterlagen als „Außenminister“ (im Original ohne Anführungszeichen) der Axel Springer AG vorstellen zu lassen. Auf der einen Seite will er damit offenbar die grenzenlose Selbstsicherheit eines globalen Konzerns darstellen, der im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielt hat und in große Stil Expansionspläne schmiedet – der aber zugleich nicht nur staatlichen Schutz fordert (ein Leistungsschutzrecht für seine Produkte), sondern auch gerichtlich bestätigt bekommen hat, dass die Geschäftsbedingungen, mit denen er seine freien Journalisten knebeln will, gegen geltendes Recht verstoßen.
Bösewicht Google durfte natürlich nicht fehlen, und auch da geht der Appell an den Staat. Staatsminister Neumann will die EU in Anschlag bringen, um das Unternehmen in die Schranken zu weisen, das wie kein anderes mit unvorstellbarer Kreativität in den vergangenen Jahren neue Produkte und Dienste auf den Markt gebracht hat, nach denen sich die Kunden reißen. Und das im Internet, dem am härtesten umkämpften Wirtschaftsraum, den es je gegeben hat.
Moderatorin Amelie Fried ließ sich (und wahrscheinlich dem größten Teil des Publikums) erklären, was Browser-Games sind und konterte Andreas Steinhausers (txtr.com) Begeisterung für E-Book-Reader mit der Bemerkung: „Ich habe das eigentlich ganz gern, wenn nach dem Urlaub Sand aus den Seiten rieselt.“ Das sei ihr ja unbenommen, aber wenn man den Eindruck bekommt, die deutschen Buchverleger finden das auch, dann weiß man ziemlich genau, wer als nächstes nach staatlicher Hilfe schreien wird.
1986 musste ich in der Schule mal in SoWi (Sozialwissenschaften) ein Berufsportrait schreiben. Das war der Versuch, Gymnasiasten in der 10. Klasse, als andere in den Arbeitsmarkt geschubst wurden, mit dem Berufsleben zu konfrontieren. Ich habe mir den Werbekaufmann rausgesucht, Schwerpunkt „Multimedia“ (ja, das gab’s damals schon!). Da habe ich genau das beschrieben, was in den Pausen geboten wurde: es gab Tanztheater, kombiniert mit Nebelschwaden, Laserstrahlen und in den Hintergrund projizierten Computergrafiken. Ein sehr kreativer (keine Ironie) Regisseur, Produzent und Unternehmer sagte in der Pause dann auch: „Hier ist alles irgendwie 80er – die Herangehensweise, die Haltungen, die Musik. Nur dass man in den 80ern da noch ein Streichquartett hingesetzt hätte. Und da sieht man dann doch, dass sich etwas geändert hat.“ Der Mann ist ganz offensichtlich unverbesserlicher Optimist. In 20 Jahren werden also die Gespräche in der heutigen Gegenwart angekommen sein. Man darf gespannt sein.
Einziger Lichtblick: Staatssekretärin Dagmar Wöhrl aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die in ihrer Rede tatsächlich sagte, das „Verhältnis zwischen Urhebern und Verwertern ist ein wenig aus der Balance geraten“. Das kann man wohl sagen. Aber daher wurden wohl keine Vertreter von Autoren, Musikern, Programmierern auf die vier Podien eingeladen (ok, Olaf Zimmermann war da, Geschäftsführer des deutschen Kulturrats – nicht gerade ein großer Anteil bei 19 Podiumsteilnehmern).
Jun
6
Morgengrauen: zu Gast beim Medienradio 004
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Am Donnerstagabend war ich zwei Stunden (!) lang zu Gast beim Medienradio. Philip hat inzwischen eine sehr schöne Linkliste zu unserem mäandernden Gespräch (siehe die Kategorieneinordnung oben…) gemacht. Das MP3 (Achtung: 75 MB!) gibt’s hier.
Mai
22
Doller Service: Die Böll-Stiftung stellt die Diskussion mit Lessig online
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Das wäre ja noch nix Besonderes, aber es gibt sie schön nach Fragen portioniert. Vorbildlich.
Mai
12
Meine Präsentation für die internationale Urheberrechtskonferenz des BMJ in Berlin
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Mär
28
Ist doch klar.
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Weil Peter Praschl es kann.
Mär
6
Das Ende der Rocky Mountain News
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Am 27. Februar 2009 erschien die letzte Ausgabe der Rocky Mountain News in Denver, nach 149 Jahren und 311 Tagen. Die Redaktion hat einen wunderschönen, traurigen Film gemacht über das Ende einer Institution.
Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.
Feb
4
Suuuper: die Wirtschaft als “natürlicher Partner” der Justiz (sagt die GVU)
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Wenn da mal nicht der Bock zum Gärtner gemacht wird:
Liebe Medienpartner,
bereits vergangene Woche fanden die 3. Berliner Sicherheitstage statt. Im Rahmen dieser Diskussionsrunde sprach sich die GVU für öffentliche-private Partnerschaften zur Etablierung von Kompetenzzentren für Internetkriminalität bei den Strafverfolgungsbehörden aus.
Das scheibt die GVU, die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V., in einer Pressemitteilung. Und weiter:
Fehlende Mittel, zu wenig Mitarbeiter, zu viele unterschiedliche Aufgabenbereiche beklagten unisono die Teilnehmer der 3. Berliner Sicherheitsgespräche aus Polizei, Staatsanwaltschaft, Politik und Wirtschaft am 26. Januar. Bei Online-Straftaten seien zunehmende Reaktionsunfähigkeit des Rechtsstaats und reine Kriminalitätsverwaltung die Folgen, lautete die erschreckende Bilanz aus den Reihen der Strafverfolgungsbehörden. “Eine wirksame Bekämpfung der Internetkriminalität erfordert die Schaffung von Kompetenzzentren bei Polizei und Justiz sowie die feste Verankerung von Internet-Fachwissen in der dortigen Aus- und Weiterbildung”, resümiert daher auch Dr. Matthias Leonardy, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU), die Diskussionsrunde zum Thema Der virtuelle Tatort. Nur so könne die quantitative und qualitative Überlastung der Dienststellen bei Internetfällen aufgefangen werden, führt Leonardy weiter aus. Dafür erachtet der GVU-Geschäftsführer die Wirtschaft als natürlichen und notwendigen Partner und schlägt eine Public Private Partnership gegen Internetkriminalität vor.
Wieso werde ich immer ganz furchtbar misstrauisch, wenn es ein “Public-Private-Partnership” bei der Strafverfolgung geben soll (ohnehin schon eine sehr zweifelhafte Einrichtung), und der “private” Parter ganz eindeutige Interessen vertritt, die nicht immer (nur) darin bestehen, das geltende Recht durchzusetzen?
Dass dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, ist bekannt und dokumentiert. Nun kann es immer mal vorkommen, dass Fehler passieren, wobei die GVU schon zu oft Mist gebaut hat, um noch daran zu glauben, dass das alles nur Unachtsamkeiten sind. Viel wichtiger ist aber, dass das Prinzip, eine private Interessenvetretung zu einem Gutachter in Strafverfahren zu machen, natürlich eine Aushöhlung des Rechtsstaats bedeutet. Das hat auch das Langericht Kiel erkannt. Wollen wir hoffen, dass es Justizministerium und Strafverfolgungsbehörden auch so sehen.
(Und von dem unsäglichen Bilogismus-Ideologie-Dummgeschwätz der Mitteilung will ich gar nicht erst anfangen…)
Nov
28
Wie geht’s weiter mit der Schutzdauerverlängerung für Musikaufnahmen?
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Martin Kretschmer berichtet von der komplexen Auseiandersetzung um die Schutzdauerverlängerung für Musikaufnahmen, die er ablehnt (mein Interview dazu hier). Besonders aufschlussreich: “Several MEP assistants told me that they had received offers for concert tickets of famous artists.” (”Einige Assistenten von MdEP haben mir erzählt, dass ihnen Karten für Konzerte berühmter Musiker angeboten wurden.”).
Was es schwierig mache, die MdEP davon zu überzeugen, dass die Schutzdauerverlängerung den Musikern nichts nützt, sei natürlich vor allem, dass sich Interessenverbände von Musikern dafür einsetzen. In England gab es sogar eine Videobotschaft im Namen von 38.000 Musikern, die die Verlängerung fordert. Das wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Probleme, die die Interessenvertreter mit der Empirie haben. Leider ist das in Deutschland oft nicht anders.
Martins eMail gewährt einen interessanten Einblick in das, was derzeit in Brüssel veranstaltet wird. Leider nur auf Englisch, aber ich habe keine Zeit, sie zu übersetzen.
Copyright Extension Directive
Dear colleagues,
Many of you have asked for an update. The process has become so complex that it is hard to provide a short summary. Read more
Okt
28
Es wird spannnend / dringend: Neues zur Schutzdauerverlängerung für Musikaufnahmen
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Martin Kretschmer, den ich kürzlich zu den Plänen der EU-Kommission interviewt habe, die Schutzdauer für Musikaufnahmen auf 95 Jahre zu verlängern (von derzeit 50), hat nun eine Stellungnahme (PDF, 248 KB) dazu verfasst.Sie antwortet im Detail auf die Behauptungen der Kommission und der Lobbyisten der Musikindustrie.Zusätzlich hat er einen offenen Brief an die Abgeordneten des EU-Parlaments geschrieben, in dem er erläutert, warum die Unterzeichner die Richtlinie zur Schutzdauerverlängerung als “eins der schlimmsten Beispiele für ein Plädoyer im Eigeninteresse” ansehen: “Die Vorgeschlagene Richtlinie wird europäische Innovation und Kreativität erheblich schädigen.”Unterzeichnet, neben Kretschmer, von einigen der prominentesten Urheberrechtlern Europas: Professor Lionel Bently und Dr Rufus Pollock, Centre for Intellectual Property & information Law (CIPIL), University of Cambridge; Professor Reto Hilty, Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, München; Professor Bernt Hugenholtz, Institute for information Law, Universität Amsterdam.Der gesamte Brief (Englisch): Read more
Okt
28
Wall Street Journal: Microsoft Battles Low-Cost Rival for Africa
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Wer gut Englisch spricht, sollte den Artikel aus dem WSJ lesen. Ein bedrückendes Beispiel für die Methoden eines Fast-Monopolisten, dessen Gründer sich gern als Wohltäter der Welt gibt. Kleiner Recherche-Tipp nebenbei: Der Artikel wird nicht vollständig angezeigt, weil er angeblich nur für Abonnenten gedacht ist. Aber wer ihn über Googles News-Suche aufruft, bekommt ihn komplett. Wie lange, weiß ich allerdings nicht.


