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Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

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Seltsam: Ein Beitrag, zu dem ich nie befragt wurde, in dem ich aber ganz viel sage

Mai 20th, 2009 · 3 Comments · digitales Publizieren, E-Books, GoogleBooks, In eigener Sache, Open Access, Publizieren, Urheberrecht, Verlage, Wissenschaft

Das Deutschlandradio Kultur hat einen Beitrag mit dem Titel Wissen und Eigentum – Vom ewigen Wandel des Urheberrechts von Guido Graf veröffentlicht. Es ist eine seltsame Erfahrung zu lesen, was ich vermeintlich auf bestimmte Fragen geantwortet habe, diese Fragen mir aber anders und in einem anderen Zusammenhang gestellt wurden. Ich habe nämlich dem literaturcafe.de-Macher Wolfgang Tischer ein Interview gegeben (mp3, 20 Min., 9,3 MB), nicht Guido Graf vom Deutschlandradio. Und das war auch schon Anfang April, bei der re:publica. Seitdem bin ich ja auch schlauer geworden, habe mit Reuß und Vittorio Klostermann über den „Heidelberger Appell“ debattiert, es ist mehr bekannt über das Google-Settlement usw. usf. Nun wird das ganze so verkauft, als hätte ich aktuell Stellung dazu bezogen.

In Texten war das, was Graf hier gemacht hat, ja schon immer möglich: andere zu zitieren. Und solange nichts aus dem Zusammenhang gerissen und in einen falschen gestellt wird (wie es mir beim Tagesspiegel auch schon pasiert ist – man beachte den Kommentar), will ich mich auch gar nicht gleich beklagen (mit den oben genannten Einschränkungen).

Dennoch habe ich den Eindruck, dass bei einem Radiobeitrag wie diesem bei den Hörern der Eindruck entsteht, ich sei direkt dazu befragt worden. Es gibt ihn leider nicht zum Nachhören (warum nicht?), daher kann man sich dieses Eindrucks nicht vergewissern.

Und noch etwas: fällt das ganze noch unter die Zitatschranke? Es geht mir dabei gar nicht um meine Rechte. Aber Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de hat sich die nicht unerhebliche Arbeit gemacht, mich zu interviewen. Nun wird das Interview für einen anderen Beitrag ausgeschlachtet. Ist er gefragt worden?

Die Podcastisierung des Radios. Ich muss offenbar noch ein wenig darüber nachdenken, um mir darüber klar zu werden, was ich davon halte.

Update (21. Mai): Wolfgang Tischer schreibt, dass Graf ihn gefragt hat, ob er einen „kleinen Ausschnitt“ verwenden darf, wogegen Wolfgang natürlich nichts einzuwenden hatte. „Klein“ ist halt relativ…

Update (21. Mai): Habe gerade mit Guido Graf telefoniert, der sich wegen des Beitrags bei mir gemeldet hatte. Er hat mir glaubhaft erläutert, dass es verschiedene Gründe gab (u.a. abgesprungene Gesprächspartner), die dazu geführt haben, dass er sehr viel mehr Inhalt aus dem Tischer-Interview übernommen hat als ursprünglich geplant, und um Entschuldigung gebeten. Das finde ich anständig, aber auf der Entschuldigung hätte ich gar nicht bestanden. Denn Graf und ich sind uns einig, dass es prinzipiell begrüßenswert ist, in Zeiten der Verfügbarkeit von Audio-Inhalten die Möglichkeit zu haben, derartige  Aussagen zu verwenden. Nur muss dann eben ein Weg gefunden werden, vorher zu klären, ob alle Beteiligten einverstanden sind. Das sei in diesem Fall aus Zeitgründen nicht möglich gewesen, was er sehr bedauere. Ich freue mich, dass Graf damit so offen umgeht, und die Sache ist damit für mich im Guten beigelegt.

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3 Comments so far ↓

  • Philip Banse

    Also wenns ein Zitat sein soll, muss wenigstens die Quelle angegeben werden, oder? Das ist in dem Beitrag zumindest nicht passiert.

  • Matthias Spielkamp

    Doch, die Quelle hat er angegeben: „Matthias Spielkamp, Journalist und einer der Gründer und Herausgeber der Website iRights.info im Gespräch auf literaturcafe.de.“ Ist aber doch eher zurückhaltend…

  • Joachim

    Interessanter Fall. Bisher war mir nicht bewusst, dass es rechtlich offenbar in Ordnung ist, O-Ton-Aussagen aus Interviews in diesem Umfang in einem Beitrag zu verwenden, ohne den Interviewten selbst um Erlaubnis zu fragen. Es hat ja schon eine andere Qualität, ob ein paar Sätze aus einem Zeitungsinterview zitiert werden (normalerweise ja auch eingeführt mit „sagte in der XY-Zeitung…“), oder ob das gesprochene Wort 1:1 wie im Original erklingt.