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Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

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Über Brain Drain in Verlagen: “Journalisten nicht wie Bittsteller behandeln”

Mai 2nd, 2010 · 2 Comments · In eigener Sache, Leistungsschutzrecht, Publizieren, Urheberrecht, Veranstaltungen, Verlage, angemessene Vergütung

Am vergangenen Montag habe ich einen Vortrag beim Publishers’ Forum gehalten; heute ist er nun – leicht überarbeitet und mit Links versehen – bei kress online erschienen. Es geht darum, wie Verlage ihre freien Mitarbeiter behandeln, und dass das zu einem Brain Drain führen kann:

Eine Hand voller Content

Seit etwas mehr als zehn Jahren unterrichte ich an Journalistenschulen, in Volontärskursen und an Universitäten Journalismus. Und obwohl es dabei in den allermeisten Fällen nicht um Ethik des Journalismus oder vergleichbar Grundsätzliches geht, sondern um so profane, praxisrelevante Themen wie Recherche oder Online-Journalismus, kommt doch immer wieder die Frage auf, welche Aufgabe der Journalismus hat oder haben sollte, welche Motivation Journalisten antreibt, ihren Job zu machen.

Darauf gibt es viele schlaue Antworten: Man kann vom Journalismus als der vierten Gewalt im Staat sprechen, die die anderen drei kontrollieren soll, von der Wächterfunktion, die er übernimmt, um in einem System der Checks and Balances dafür zu sorgen, dass die Gewaltenteilung funktioniert.

Man kann aber auch sagen, und manchmal tue ich das: Lesen Sie Rafik Schamis Buch “Eine Hand voller Sterne”, dann wissen Sie es.

Hier geht’s weiter.

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2 Comments so far ↓

  • Hans Rosental

    Matthias, danke für diesen Text. Er entspricht meinen Erfahrungen und damit dem Gefühl, dass mich seit Beginn meiner freiberuflichen Tätigkeit als Wortjournalist begleitet: ständig gedemütigt zu werden für meine Fähigkeit und Leidenschaft, ernsten Journalismus zu betreiben.

    Da ich es satt habe, für perspektivlose 40 bis 50 Euro am Tag zu arbeiten (denn das bleibt bei den allermeisten Aufträgen brutto übrig – auch denen, die von namenhaften Medien kommen), gehe ich jetzt andere Wege: Ich studiere Lehramt.

    Lehrer werden händeringend gesucht, regelmäßig bezahlt und behandelt. Und dieser Beruf hat viel gemein mit dem Journalist: Der Lehrer ist die Mutter aller Kommunikationsberufe. Das Publikum ist maximal desinteressiert und man muss Informationen richtig gut vorbringen können, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

    Eines Tages, wenn ich meinen zweiten Uniabschluss gemacht habe, das Referendariat abgeschlossen habe, in Anstellung oder verbeamtet bin und sich nach den ersten Jahren die Routine im Unterrichten einstellt, dann bin ich endgültig frei. Ungefähr in acht bis neun Jahren ab jetzt.

    Befreit davon werde ich sein, mich von Redakteuren demütigen zu lassen mit Taschengeldern für Texte, die sie so gut finden, dass sie sie ohne eine einzige Veränderung veröffentlichen. Denn dann stehen meine Texte nicht mehr in ihren Tageszeitungen, Magazinen und auf ihren Onlineseiten, sondern auf den Plattformen derjenigen, die den Wert handwerklich korrekt aufbereiteter Nachrichten kennen. Gehört Carta dazu? Muss ich nachsehen, aber so ungefähr.

    PR, also das Besabbeln der Öffentlichkeit mit Schwachsinn, können andere machen und ich weiß, dass viele journalistische Kollegen dabei unter einem ganz schlechten Gewissen leiden. Ich aber bin nicht Journalist geworden, um bestellte Meinungsmache zu betreiben. Ich bin Braindrain.

  • MR023 Journalisten und Verlage at Medienradio.org

    [...] Spielkamp, Journalist und Dozent, hat vor kurzem einen Vortrag über den “Brain Drain” bei deutschen Presse-Verlagen gehalten. Außerdem hat er mit seinen Kollegen beim Urheberrechts-Informationsportal irights.info [...]

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