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Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

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Axel-Springer-Verlag: Wir haben es nicht kapiert, aber verschärft mal bitte das Urheberrecht

Februar 5th, 2009 · 6 Comments · digitales Publizieren, Economics, Internet Governance, Internet-Regulierung, Journalismus, Lobbyismus, Publizieren, Urheberrecht, Verlage

Christoph Keese, bei der Axel Springer AG mit dem Titel „Leiter Public Affairs“ ausgestattet (wie es sich für einen deutschen Zeitungsverlag gehört), möchte das Urheberrecht verschärft sehen. Hat er bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin gesagt. Besonderer Dorn im Auge ist ihm, dass man das Internet auf dem eigenen PC speichern darf, ohne extra dafür zu bezahlen. Wie bitte? Na gut, das hat er nicht ganz so gesagt, aber er hat Proxy-Server „Vervielfältigungsmaschinen“ genannt.

Damit das nicht so bleibt, soll §44a (Vorübergehende Vervielfältigungshandlungen) verschärft werden. Wie er sich das vorstellt, geht aus dem Artikel nicht hervor, aber, lieber Herr Keese, ich kann Ihnen das ja mal erklären: wenn diese vorübergehenden Vervielfältigungshandlungen nicht möglich wären, dann bliebe Ihr Bildschirm schwarz (oder weiß, oder so). Dann ist nix mehr mit Titten angucken bei Bild.de! Oder, besser gesagt: nur noch gegen Gebühr. Für jede Webseite, die aufgerufen wird. Ob man die nun aus Versehen aufruft oder nicht, ob sie einem was bringt oder nicht – egal, was drauf steht. Oder wollen Sie den Browser fragen lassen: ‚tschuldigung, Sie wollen jetzt eine Webseite aufmachen, das kostet einen Cent, wollen Sie das wirklich? Da könnten Sie nämlich fragen: Was weiß denn ich? Ich weiß ja nicht mal, was draufsteht! Egal, Sie können sie sich nicht anzeigen lassen, ohne dass die Seite auf Ihrem Rechner  gespeichert wird. Doof? Ja, ziemlich doof. Aber der Vorschlag ist ja auch nicht von mir, sondern von Ihnen. Vielleicht mal ein Technikseminar für Einsteiger besuchen? Oder sich nicht immer was von begriffsstutzigen E-Mail-Ausdruckern einflüstern lassen? Es wäre ein Anfang.

Und der Vergleich mit Bloomberg, nun, der ist so dämlich, dass es einem die Sprache verschlägt. Die nehmen Geld für ihre Inhalte! Sowas! Na, dann machen Sie das doch auch! Niemand hindert sie daran. Außer dem Markt. Der will nämlich nicht dafür bezahlen. Dass das ein Dilemma ist und schlecht für den Journalismus als Institution, da gebe ich Ihnen (Überraschung!) übrigens völlig Recht. Nur, wie sie das mit einer Urheberrechtsverschädrfung in den Griff bekommen wollen, das müssen Sie dann nochmal ausführen. Aber erst, wenn Sie die Grundlagen verstanden haben.

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6 Comments so far ↓

  • Martin

    Diese dumpfe Unkenntnis gepaart mit eifrigem Lobbyismus ist die Plage unserer Zeit, scheint mir.

  • Immateriblog.de - Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

    […] fordert Springer schon länger ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage, ohne aber verstanden zu haben, was sie da fordern. Und unser um die Urheber besorgter Welt-Autor schreibt: In den Augen weniger […]

  • Immateriblog.de - Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

    […] Weiterhin: die Frage, ob z.B. Nachrichten überhaupt urheberrechtlich geschützt sind, ist alles andere als klar. Hört sich überraschend an? Mag sein, aber Tatsachen an sich sind natürlich nicht schützbar (auch wenn das mancher gern anders hätte). Hat eine möglichst faktengetreue und präzise Darstellung einer Tatsache also die Schöpfungshöhe, die erreicht werden muss, damit es sich um ein Werk im Sinne des UrhG handelt? Eher nein. Bei Reportagen und Features, die auch von den Agenturen angeboten werden, ist das wahrscheinlich anders. Wenn die dpa wirklich gegen die WAZ klagt, wäre das eine sehr spannende Auseinandersetzung. Sieht aber im Moment noch nicht so aus. (Und wenn doch, dann sollten sie sich Berater einkaufen, die nicht so ahnungslos sind wie dpa-Chef Herlyn: “Ich erinnere etwa an Matthias Döpfner, den Vorstandschef des Axel Springer Verlags, der die Idee des Copyrights und des Kopierschutzes auch für das Internet aufgebracht hat.” Ist klar, bisher gibt es kein Copyright im Internet, und Kopierschutz für Textinhalte ist auch eine Super-Idee…) […]

  • AFP-Abmahnungen: eine Gefahr für Blogs? — CARTA

    […] Wenn die dpa wirklich gegen die WAZ klagt, wäre das eine sehr spannende Auseinandersetzung. Sieht aber im Moment noch nicht so aus. (Und wenn doch, dann sollten sie sich Berater einkaufen, die nicht so ahnungslos sind wie dpa-Chef Herlyn: “Ich erinnere etwa an Matthias Döpfner, den Vorstandschef des Axel Springer Verlags, der die Idee des Copyrights und des Kopierschutzes auch für das Internet aufgebracht hat.” Ist klar, bisher gibt es kein Copyright im Internet, und Kopierschutz für Textinhalte ist auch eine Super-Idee…) […]

  • Guttenberg, Plagiate und die BILD « teilzeitheld.de

    […] politischen Lieblingskind der BILD. Für alle Anderen muss das Urheberrecht verschärft werden, wie BILD selbst fordert, aber Herr Guttenberg…achwas alles nich so […]

  • Guttenberg, Plagiate und die BILD

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