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“Denken fürs Web” statt “Schreiben fürs Web”

September 17th, 2011 · 4 Comments · Journalismus

Update 19. September – ich habe den Beitrag umformuliert und ergänzt, weil in der ersten Fassung u.U. nicht ganz klar wurde, was das mit den Geschichten auf sich hat.

Sitze in einer Diskussion zur Frage “Hat das iPad die Verlage gerettet” bei der DJV-Tagung “Besser Online”. Jemand sagte, dass die ganzen Schulungen zum “Schreiben fürs Web” übertrieben bis unsinnig seien, da es in erster Linie im Journalismus immer noch um Geschichten gehen müsse.

Da klafft offenbar eine riesige kognitive Lücke, und ich merke gerade, dass ich selber 10 Jahre dazu beigetragen habe – so lange habe ich nämlich Seminare mit dem Titel “Schreiben fürs Web” unterrichtet. Und nun merke ich, dass es von Anfang an “Denken für das Web” hätten heißen müssen. Denn natürlich geht es im Journalismus oft um Geschichten – s. dazu auch das Video unten. (Allerdings lange nicht immer, und auch das ist gut so.)

Aber Geschichten können unendlich viele Formen annehmen, und es kommt eben darauf an, sie für jedes Medium angemessen zu erzählen. Daher habe ich in meinen Seminaren immer versucht herauszuarbeiten, dass es nicht um den Schreibstil geht, der im Internet anders sein müsse, wie es von vielen lange behauptet (und gepredigt) worden war – denn der hängt davon ab, wen man mit der Geschichte erreichen will (ja, der Zielgruppe, auch wenn ich den Begriff selber ungern verwende). Sondern es geht darum, eine dem Medium angemessen Form zu finden.

Im Grunde ist es das, was “Multimedia Storytelling” aussagen soll, aber darin liegt wieder das Problem, dass dann jeder mit tiefer Überzeugung sagt, es bringe nichts, überall bunte Bildchen und schlecht gemachte Videos (”der tägliche Bewegtbildunfall” – +Markus Hündgen ) dranzuhängen. Aber genau darum geht es nicht, sondern darum, was Alan Rusbridger so ausgedrückt hat: “We want our journalism to be linked in with the web – be ‘of the web’, not simply be on the web.”

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