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Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

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Freischreiber: Schluss mit der Politik der Buy-Out-Verträge!

Mai 18th, 2009 · 2 Comments · AGB, digitales Publizieren, Journalismus, Lobbyismus, Publizieren, Urheberrecht, Verlage

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Der Journalistenverband Freischreiber weist auf die Doppelzüngigkeit der Verlage hin und beschreibt den Druck, dem freie Journalistinnen und Journalisten ausgesetzt sind:

Mit ihrer Marktmacht setzen die Verlage Verträge durch, die ausschließlich die Interessen der Verwerter bedienen, nicht die der Urheber. […] Seit Jahren beobachten wir eine Verschärfung der Arbeitsbedingungen freier Journalisten. Die Honorare sind seit Jahren nicht mehr gestiegen, in vielen Medienhäusern wurden sie sogar gesenkt. Gleichzeitig sind freie Journalisten inzwischen nahezu branchenweit gezwungen, Verträge zu unterschreiben, in denen sie sämtliche Rechte gegen eine Pauschalvergütung an Verlage abtreten.

Ich bin allerdings mit der Überschrift des Beitrags (Was Google mit den Verlagen macht, machen die Verlage mit ihren Autoren) nicht einverstanden, denn wieder wird einfach die Annahme übernommen, dass Google die Verlage ausnutzt und Ihnen schadet. Das ist – zumindest in dieser Verkürzung – ziemlicher Unsinn. Lesenswert dazu Danny „Mr. Ich-weiß-alles-über-Suchmaschinen“ Sullivans Artikel Google’s Love For Newspapers & How Little They Appreciate It. Wäre schön, wenn das endlich mal jemand zur Kenntnis nähme. Auf die Heuchelei der Verlage habe ich in diesem Zusammenhang schon hingewiesen.

(Disclosure: ich bin MItglied bei Freischreiber und habe mit dem Vorstand über die AGB der Verlage gesprochen, bin aber nicht an der Ausarbeitung evtl. Forderungen beteiligt.)

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2 Comments so far ↓

  • Kai Schächtele

    Als einer der Verfasser der Freischreiber-Pressemitteilung ist es mir wichtig, an dieser Stelle einzuhaken: Die Überschrift besagt weder, dass Google den Verlagen schaden möchte noch dass die Verlage ihren Autoren schaden wollen.

    Sondern: Die Verlage beklagen sich im Moment darüber, dass Google versucht, mit der zur Verfügung stehenden Marktmacht Regeln zu setzen, die die Interessen der Verlage nicht angemessen berücksichtigen. Das Gleiche passiert im Moment im Verhältnis zwischen Verlagen und ihren freien Autoren: Die Verlage verschicken Verträge, in denen sie sich sämtliche Rechte an den Texten ihrer Autoren sichern, ohne dieses Rechtepaket angemessen zu vergüten, und betonen gleichzeitig, dass die Zusammenarbeit für jeden beendet ist, der einen solchen Vertrag nicht unterschreiben möchte.

    Wir sagen nicht, dass die Verlage ihren Autoren schaden wollen, wohl aber, dass sie den freien Journalisten zunehmend die Grundlagen dafür entziehen, Qualitätsinhalte abzuliefern.

  • Matthias Spielkamp

    Mh. Ich bleibe dabei: die Überschrift ist zumindest äußerst missverständlich. Denn wenn es um die Buchverlage geht (und nur denen gegenüber setzt Google auf seine Marktmacht), haben die erstens ganz andere Interessen als Zeitungsverlage, zweitens fordern sie auch kein Leistungsschutzrecht. Das tun die Zeitungsverlage. Und denen gegenüber nutzt Google nicht seine Marktmacht aus. Das behaupten die Zeitungsverlage zwar ständig (aus strategischen Gründen), aber es stimmt nicht. Dazu der Hinweis auf den Artikel von Sullivan.