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Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

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Die New York Times über Google und SEO: Die schmutzigen kleinen Suchtricks

Februar 13th, 2011 · Journalismus

In dem fantastischen Artikel The Dirty Little Secrets of Search beschreibt David Segal, wie die Firma für Suchmaschinen-Optimierung (SEO) SearchDex, offenbar im Auftrag der US-Kaufhauskette J.C. Penny, erfolgreich Googles Relevanz-Algorithmus hereingelegt hat. Die Geschichte ist ein Recherche-Lehrstück und zugleich spannende Aufklärung darüber, wie Googles Suche funktioniert.

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Bundesregierung: lieber Microsoft als Freie Software

Februar 13th, 2011 · Free and Open Source Software, Lobbyismus

Henning Tillmann analysiert einen „politisch verschleierten Text“: die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion unter Federführung von Oliver Kaczmarekan, ob diese plane, ihre IT-Infrastruktur im Auswärtigen Amt von freie Software auf proprietäre Software umzustellen. Und er kommt überzeugend zu dem Schluss:

Die Bundesregierung bestätigt, dass sie nicht mehr voll auf freie Software setzen will. Durch geschickte Formulierungen wird das Ausmaß allerdings erst bei der zweiten Betrachtung klar: Alle Arbeitsplatzrechner auf proprietäre Software umzustellen wird vermutlich sehr, sehr teuer. Der ehemalige IT-Chef im Auswärtigen Amt Schuster sprach davon, dass ein „100-Millionen-Projekt“ für die IT-Ausrüstung dank freier Software nur 17 Millionen Euro gekostet hat. Nun wird man wohl die Zahlen umdrehen dürfen.

All das erinnert mich fatal an das, was vor zweieinhalb Jahren in dem hervorragenden Artikel Microsoft Battles Low-Cost Rival for Africa im Wall Street Journal beschrieben war: mit welchen Mitteln es Microsoft schafft, freie Software aus den Verwaltungen afrikanischer Länder herauszuhalten.

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Facebook mit neuen Fotofunktionen, weiterhin ohne Creative-Commons-Lizenzen

Februar 12th, 2011 · AGB, Creative Commons, Fotos, Social Media, Urheberrecht, User Generated Content

Mashable berichtet über Facebooks neue Foto-Optionen, die innerhalb der nächsten Wochen allen Nutzern zur Verfügung stehen sollen. Alles natürlich technisch ganz toll: Mit der „lightbox“-Ansicht kann man einfacher eine große Menge Fotos anschauen, außerdem gibt es nun Fotos in hoher Auflösung, Links für den direkten Foto-Download und die Möglichkeit, viele Fotos zugleich zu verschlagworten / taggen.

Nur: Weiterhin gibt es keine Möglichkeit zu sagen, dass man die Fotos unter Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht – im Gegensatz zu Flickr, wo inzwischen (nach Flickr-Angaben) knapp 175 Millionen (!) Fotos unter CC-Lizenzen zur Verfügung stehen.

Zwar hat Facebook nach großen Auseinandersetzungen seine (immer noch drastischen) Nutzungsbedingungen geändert. Dennoch ist die Lizenz, die man Facebook gewährt, sehr weitgehend:

you grant us a non-exclusive, transferable, sub-licensable, royalty-free, worldwide license to use any IP content that you post on or in connection with Facebook („IP License“).

Das ist aber nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist, dass man anderen Nutzern nicht auf einfache Art & Weise deutlich machen kann, dass man ihnen weitgehende Rechte an den eigenen Fotos gewährt, eben über eine CC-Lizenz.

Auch hier kann man sich also nur wünschen, dass Facebooks Dominanz – und damit seine Arroganz – so schnell wie möglich gebrochen wird. Ein frommer Wunsch, vor allem Angesichts der Tatsache, dass die meisten Nutzer all das nicht im geringsten interessiert. Und sie sind die einzigen, die für Veränderungen sorgen könnten. Aber der Wunsch wird erlaubt sein…

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Crossmedia: Website des 9. Jahrgangs der Evangelischen Journalistenschule

Februar 5th, 2011 · Ausbildung, digitales Publizieren, In eigener Sache, Journalismus

Hüte aus Zuckerwatte, ein ehemaliger Boxstar, ein Gentrifizierungs-Multiplikator, Berlins berühmteste Currywurstbude – all das und mehr ist zu bewundern auf der Site Crossmedia.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 9. Jahrgangs der Evangelischen Journalistenschule in Berlin haben in den vergangenen fünf Wochen einiges gelernt und ausprobiert: wie man gute Fotos macht und sie bearbeitet, wie man eine Audio-Slideshow erstellt und Videos dreht. Die Ergebnisse sind jetzt zu sehen, und sie können sich sehen lassen.

Technische Schwierigkeiten gab es genug; da kommt beim Kodieren schon mal ein Seitenverhältnis raus, das so nicht hätte sein sollen, aber die Zeit reicht nicht, es neu zu machen, oder der Ton bei der Slideshow ist nicht richtig gepegelt. Das gehört zum Lernen dazu, und wie immer gilt: Content ist King – was zählt, ist der Inhalt. Davon gibt es genug, und spannend ist er in jedem Fall.

Ich selbst habe in der vergangenen Woche dafür gesorgt, dass die, die noch keinen Eindruck davon hatten, wie man ein CMS installiert, konfiguriert und nutzt, jetzt etwas besser Bescheid wissen (richtig zur Sache geht’s in der dreiwöchigen Online-Lehrredaktion im Spätsommer), und dann mit allen zusammen die Inhalte ins Netz gebracht. Nun kann man sich davon überzeugen, wie’s gelungen ist. Viel Spaß dabei.

Übrigens: Am Donnerstag hat Lorenz Matzat gezeigt, wie Google Fusion Tables funktioniert, so dass es nun auch noch einen kleinen „Datenjournalismus“-Anteil gibt.

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Sarah Palins Atem und die Sprachlosigkeit bei Christiansen

Januar 14th, 2011 · Video

Mario Sixtus präsentiert ein schickes Fundstück zu Sarah Palin:

Schön gemacht – und erinnert mich an eine großartige Collage der Neue Ufer Medienproduktion:

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Offener Brief von Frank Werneke – oder: die begrenzte Einsichtsfähigkeit großer Organisationen

Dezember 13th, 2010 · Abmahnungen, In eigener Sache, Internet Governance, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Urheberrecht

Verdi-Vize Frank Werneke hat einen offenen Brief geschrieben, der in der M veröffentlicht wurde (und „auch ins Netz gestellt“, wie die Website freudig vermeldet – total digital, die KollegInnen). In ihm verteidigt er das unsägliche Positionspapier Internet und Digitalisierung – Herausforderungen für die Zukunft des Urheberrechts (PDF, 120 kb) seiner Gewerkschaft, das er persönlich durchgewunken hat.

Ich habe gerade etwas anderes zu tun, als hier noch einmal den ganzen Prozess darzustellen, daher kurz in Stichworten:

Wernke schreibt

Die teilweise – bewusst oder unbewusst – falsche Berichterstattung in einigen Blogs verfälscht und verzerrt die Aussagen des Beschlusses. Dabei wird z.T. ver.di in Nähe von Zensurbefürwortern gerückt.

Das Problem ist und bleibt nicht die Berichterstattung (die nur aus Verdis Sicht falsch ist), sondern die beharrliche Weigerung der Verdi-Veratwortlichen, zur Kenntnis zu nehmen, dass Warnhinweise nur zum Preis der Überwachung des Internet-Datenverkehrs zu haben sind. Daher ist es völlig gleichgültig, wenn Werneke schreibt, die „Wahrung und Sicherung einer freien Kommunikation und Information ist für ver.di essentiell wichtig“ – solange Verdi nicht von der Forderung nach Warnhinweisen abrückt. Es gibt auch hier kein „wasch mir den Pelz (Warnhinweise), aber mach mich nicht nass (keine Überwachung)‘, und den Boten zu prügeln, hat in der Sache noch nie etwas genützt (wohl aber beim Ziel des persönlichen Machterhalts).

So lange bei Verdi nicht die technische Kompetenz vorhanden ist, das zu verstehen, bleibt eine Auseinandersetzung zu dem Thema aussichtslos. S. dazu auch die entsprechende Berichterstattung bei iRights.info Denn sie wissen nicht, was sie fordern und meinen Netzkommentar Verdis digitale Welt.

Weiterhin hat Wernke die Frechheit zu wiederholen, das Positionspapier sei in einem transparenten Verfahren zustande gekommen:

Bei diesem Positionspapier handelt es sich auch nicht um einen Schnellschuss, sondern um das Ergebnis intensiver Arbeit und Diskussion – zwischen den betroffenen Fachbereichen in der ver.di und in den betroffenen Gremien. Auch in das Mitgliedernetz von ver.di wurde das Papier zur Diskussion eingestellt. Jede und jeder, der sich zu dem Beschluss äußern wollte, konnte dies also tun. Viele haben davon Gebrauch gemacht. Viele Inhalte dieser Stellungnahmen sind auch in die Überarbeitungen eingeflossen.

Dass das eine dreiste Verzerrung des tatsächlichen Ablaufs ist, ist hier im Blog ausführlich – und transparent – dokumentiert:

Ganz abgesehen von den vertraulichen Gesprächen mit Verdi-Mitgliedern, die mich darauf aufmerksam gemacht haben, wie hermetisch und intransparent innerhalb der Gewerkschaft dafür gesorgt wurde, dass das Papier in dieser Fomr verabschiedet werden konnte. Dass es diese Menschen dort gibt, ist übrigens der einzige Grund, warum ich weiterhin Mitglied bleibe. Und mit wachsendem Ärger und Frust mitansehe, wie sich Verdi einmauert. Es ist ein Trauerspiel.

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Netzregulierung: Freischreiber fordern Blogger zum Zusammenschluss auf

Dezember 6th, 2010 · Abmahnungen, Bürgerjournalismus, Citizen Journalism, digitales Publizieren, Internet Governance, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Publizieren, Social Media

Drüben bei Freischreibers gibt es den Vorschlag, einen Bloggerverband zu gründen:

Natürlich wissen wir, wie heterogen die Blogszene ist, und dass sich schon bei der Erwähnung des Wortes „Verband“ manchem Blogger die Nackenhaare aufstellen. Aber auch wir haben die Verbandsgründung – mit kollegialer Unterstützung – geschafft: Der Verband der Freischreiber verdankt seine Entstehung auch der Hilfe der Fotografen-Vereinigung Freelens, mit der wir gern und eng zusammenarbeiten.

Wir glauben, dass eine Interessenvertretung der Blogger angesichts der zunehmenden politischen Versuche, das Netz zu regulieren, überfällig ist. Es würde uns deshalb freuen, wenn aus der Mitte der Blogs eine Initiative käme, die wir unterstützen könnten – so wie der Verein Freelens uns bei den Vorbereitungen der Freischreiber-Gründung geholfen hat.

Die nächste re:publicaKonferenz in Berlin wäre eine gute Gelegenheit, die Idee eines Bloggerverbands mit Leben zu erfüllen.

Bin gespannt.

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Wikileaks, Paypal, Amazon

Dezember 5th, 2010 · In eigener Sache

Ich habe gerade mein Paypal-Konto geschlossen und dem Kundenservice und der Pressestelle folgende Mail geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Verhalten im Fall Wikileaks ist nicht anders zu beschreiben als empörend und ungeheuerlich. Ich verweise auf Daniel Ellbsergs offenen Brief an Amazon und erspare mir weitere Begründungen. Was er schreibt, trifft für Sie ebenso zu.

Mein Konto bei Ihnen werde ich noch heute kündigen.

Matthias Spielkamp

Bei Amazon werde ich nicht mehr einkaufen. Man  kann nicht wirklich sein Konto kündigen (Amazon Prime nutze ich ohnehin nicht), was schade ist, denn es würde mich jedes Mal daran erinnern, dass es einen Grund gibt, dort nicht zu kaufen, sollte ich schwach werden.

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Gewerkschaftsdachverband fordert Netzwerkmanagement zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen

November 23rd, 2010 · Internet Governance, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Urheberrecht

Jürgen Scheele berichtet im Linke-Blog über Pläne von UNI-Europa, der europäische Sektion des internationalen Dachverbands der Gewerkschaften des Medien- und Unterhaltungssektors (UNI-MEI),  eine Totalüberwachung jeglichen Netzverkehrs einzurichten,Urheberrechtsverletzungen zu bekämpfen:

Nicht nur sollten Technologien des Netzwerkmanagements zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Netz zum Einsatz kommen, sondern auf deren Basis auch Nutzerinnen und Nutzer illegaler Angebote im Vorfeld auf die Rechtswidrigkeit des Aufrufs illegaler Angebote hingewiesen werden sowie geeignete Schritte für ein Access-Blocking solcher Inhalte ergriffen werden.

Passt natürlich hervorragend zur Debatte um das ver.di-Postionspapier, in dem ähnliches vorgeschlagen wird.

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Unwetterwarnungen bei Shitstorm-Gefahr: Andrea Kamphuis zum Verdi-Positionspapier zum Urheberrecht

November 20th, 2010 · Internet Governance, Internet-Regulierung, Leistungsschutzrecht, Urheberrecht, Wissenschaft, Übersetzer

see-nothingFoto: OldOnliner, CC-by-nc-nd/2.0/

In einem Gastbeitrag erläutert Andrea Kamphuis, warum sie nach der Verabschiedung des Urheberrechtspositionspapiers aus ver.di ausgetreten ist.

Der letzte Akt meiner gut elfjährigen Gewerkschaftsmitgliedschaft währte ungeplant exakt ein halbes Jahr: vom 30. April bis zum 30. Oktober 2010. Über den Anlass des Austritts, das am 25. Oktober verabschiedete Positionspapier „Internet, Digitalisierung und die Zukunft des Urheberrechts“, ist schon viel geschrieben worden, zum Beispiel bei netzpolitik.org, im Immateriblog, bei iRights.info und von Thomas Hoeren. Daher kann ich mich auf eine – zwangsläufig subjektive – Darstellung der Vorgeschichte konzentrieren. [Read more →]

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