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Hürlimann: Hoppla, alle Rechte weg (Perlentaucher vs. FAZ)

April 6th, 2009 · No Comments · AGB, Publizieren, Urheberrecht, Verlage

Es gibt einen wichtigen Nachtrag zu meinen Einträgen zur Forderung der FAZ, der Perlentaucher solle ein Zitat des Schriftstellers Thomas Hürlimann bezahlen (hier, hier und hier):

Neue Volte im Kampf um das Hürlimann-Zitat, für das die FAZ dem Perlentaucher eine Rechnung von 590 Euro gestellt hat (die nun aber nicht mehr eingetrieben werden soll). Gestern hat uns Thomas Hürlimann geschrieben: Er hatte vergessen, dass er der FAZ im Jahr 2004 die Rechte an Texten, die er für die FAZ schreibt, an diese abtritt. Die Freischreiber haben heute einen Vertrag, wie ihn die FAZ freien Autoren vorlegt, als pdf online gestellt. Wenn Hürlimann diesen Vertrag unterschrieben hat (2004 gab’s vielleicht noch andere), dann hätte er die FAZ fragen müssen, bevor er seinen Artikel an den Tages-Anzeiger weiterverkauft! Der Autor räumt dem Verlag „ausschließliche zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte“ Rechte an seinen Beiträgen ein. Die FAZ darf Dritten Nutzungsrechte an dem Beitrag des freien Autors „gewähren“, sie darf die Texte vermieten und sie beansprucht ein „Bearbeitungsrecht, das heißt, das Recht zur Übersetzung Ihrer Texte oder einzelner Teile davon sowie zur sonstigen sinnwahrenden Bearbeitung, insbesondere Kürzung (bspw. in abstracts)“. Mit der Zahlung des Zeilengeldes ist das alles abgegolten. Falls der Autor seinen Text selbst gern weiterverkaufen möchte, versichert ihm die FAZ: „die dafür notwendigen Nutzungsrechte werden wir Ihnen gerne einräumen, soweit dies die Verwertung der vorstehend eingeräumten exklusiven Nutzungsrechte nicht unbillig behindert“.

Dumm gelaufen. Bleibt festzuhalten: Als Autor sollte man sich genau anschauen, welche Verträge man unterschreibt. Auch ich habe einen solchen Total-Buyout-Vertrag der FAZ hier rumliegen, aber nie unterschrieben. Wäre ja noch schöner. Zweitens ist es der FAZ aber auch nicht wirklich wichtig, ob sie die Rechte hat oder nicht, wie Ilja Braun bereits festgestellt hat. Es war also Pech für den Perlentaucher, dass Hürlimann das tatsächlich in vollem Umfang getan hatte, er sich aber selbst nicht mehr daran erinnern konnte. Drittens war es zum einen ein PR-GAU der FAZ, eine solche Forderung zu stellen (was man ja auch darin sieht, dass sie zurückgezogen wurde), zum anderen natürlich eine auch in der Höhe völlig unverschämte Forderung. In der FAZ müsste man knapp vierhundert (schlecht bezahlte) Zeilen unterbringen, um auf ein solches Honorar zu kommen. Und nicht zuletzt: Wenn man die Zeilen wirklich als ein Zitat beurteilt, spielt der ganze Zirkus ohnehin keine Rolle.

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