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Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt

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Thierry Chervel: Die Akademie als Ort der Urheberrechtsdebatte?

Mai 12th, 2009 · No Comments · Bücher, Bürgerjournalismus, Citizen Journalism, digitales Publizieren, E-Books, GoogleBooks, Internet-Regulierung, Lobbyismus, Open Access, Publizieren, Urheberrecht, Verlage, Wissenschaft

Perlentaucher-Gründer Thierry Chervel hat einen lesenswerten Artikel zur Erklärung der Akademie der Künste zum Urheberrecht geschrieben:

Der Text der Akademie wirkt auffällig zwiespältig. Der „Erklärung“ sind zudem „Anmerkungen“ beigesellt, die darauf hindeuten, dass man von einer abschließenden Position zu den offenen Fragen noch entfernt ist. Nicht zu Unrecht spricht der Appell von der „drohenden Monopolisierung des Weltliteraturerbes“ durch Google. Dann folgt wieder die übliche Rhetorik von „Enteignung“ und „Freibeutertum“, und es klafft der blinde Fleck, der auch den „Heidelberger Appell“ kennzeichnet: In gespielter Unschuld tut man so, als stünde der wehrlose Urheber dem Moloch des Internets gegenüber. Dass zwischen den beiden die traditionellen Verwerterindustrien lauern und mit gespitzten Zähnen ihren bisher recht komfortablen Platz in der Nahrungskette verteidigen, bleibt bei beiden mehr oder weniger ausgeblendet.

Chervel bezieht sich dabei auch auf den Artikel von Cora Stephan in der Welt (mit dem aufschlussreichen Titel „Mein Buch gehört mir“), in dem die Autorin erläutert, warum sie den „Heidelberger Appell“ unterschrieben hat. Auch ihr Artikel ist lesenswert, auch darin stehen richtige Dinge, aber auch bei ihr wird wieder die Kluft deutlich, die sich derzeit allerorten auftut zwischen denen, für die es nicht nur einen Lippenbekenntnis ist zu sagen, dass das Internet viele neue Möglichkeiten bietet. Sondern die diese Möglichkeiten auch verstehen und nutzen. Stephan schreibt:

Und auch den Raubkopierern sei’s gesagt: Schön, dass ihr unsere Bücher lesen wollt. Aber sie haben Urheber, die von ihrer Arbeit leben wollen. Nicht alles, was im Internet kursiert, ist schnell und kostengünstig in die Tastatur gehauenes Geblogger und Gebrabbel. Sie wissen das, unsere Raubkopierer, sonst gäben sie sich gar nicht erst die Mühe mit uns.

Ja, so kann man das sehen. Man kann es aber auch so sehen wie Lawrence Lessig, der im Kapitel „Text“ seines neuen Buchs Remix die beste Beschreibung des Phänomens Micro-Publishing/Blogging liefert, die mir bisher untergekommen ist. Das Problem: Sie ist elf Seiten lang, und damit natürlich nicht so knackig wie „in die Tastatur gehauenes Geblogger und Gebrabbel“. Aber eben auch nicht so falsch. Und  vor allem: nicht so ignorant. Wer schlauer sein möchte als Cora Stephan: das Buch gibt’s kostenlos als PDF unter CC-Lizenz hier (PDF, 2,7 MB). Seite 57-68.

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